Sternmarsch auf 3312 Meter hinauf

Anrainerländer feiern heute, Dienstag, 150 Jahre Erstbesteigung des Piz Buin.
bielerhöhe. Hunderte Bergsteiger zieht es jedes Jahr auf den Piz Buin. Den höchsten Berg des Landes zu erklimmen, ist, wenngleich die Herausforderungen überschaubar sind, immer ein Erlebnis. Heute, Dienstag, bekommt der steinerne Riese aber besonderen Besuch. Seilschaften aus Vorarlberg, Tirol und den benachbarten Schweizer Kantonen treffen sich zum Sternmarsch, um der Erstbesteigung vor 150 Jahren zu gedenken. Bereits gestern, Montag, wurde dazu von Vertretern der Gemeinde Galtür bei der Alphütte Vermunt eine Erinnerungstafel angebracht. Von der Alpe Vermunt, die zwar auf Vorarlberger Gebiet liegt, aber von Galtür aus bewirtschaftet wird, führte der Weg dereinst hinauf auf 3312 Meter. Heute starten die Berggeher beim Stausee auf der Bielerhöhe.
Theater im Gebirge
Gleiches galt für die Gäste, die sich am frühen Nachmittag in Richtung Wiesbadener Hütte in Bewegung setzten. Die gemeinsame Wanderung geriet zu einer theatralen Expedition in die Firnwelt der Silvretta. Das Theatro Caprile gestaltete dazu vier Stationen, die bespielt werden. Zusammen mit dem wandernden Publikum bilden die Schauspielerinnen und Schauspieler eine Seilschaft auf dem Weg von der Bielerhöhe bis zur Wiesbadener Hütte. Historische und literarische Textvorlagen von Arthur Schnitzler bis Konrad Bayer in Verbindung mit tänzerischen und musikalischen Szenen loten das Spannungsfeld von Kultur und Natur aus. Der heutigen Premiere folgen weitere Veranstaltungen am 17. und 19. Juli sowie am 2. September im Rahmen von „septimo 2015“.
Politische Seilschaft
Am späten Abend sorgte die Bergrettung Partenen noch dafür, dass Gletscherbereich und Berg zu diesem besonderen Anlass in hellem Licht erstrahlten. Für das nötige Licht am heutigen Dienstag sollte die Sonne sorgen, denn für den Jubiläumsaufstieg ist bestes Wetter vorausgesagt. Die politische Seilschaft wird vom Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner angeführt. Im Gepäck hat er zudem ein neues Gipfelbuch für den Piz Buin. Selbstredend wird sich auch eine Seilschaft in historischen Gewändern auf den Weg in schwindelnde Höhen machen. Ihr gehören Abordnungen aus Vorarlberg, Tirol, dem Prätigau sowie dem Unterengadin an. Den Abschluss der offiziellen Jubiläumsfeiern bildet eine Bergmesse mit Pfarrer Bertram Rohr auf der Wiesbadener Hütte.
Die Normalroute auf den Piz Buin führt über den Ochsentaler Gletscher und die Buinlücke. Über diesen Weg schafften weiland auch Johann Jakob Weilenmann aus St. Gallen und Joseph Anton Specht aus Wien mit zwei Bergführern die Erstbesteigung. Übrigens genau am gleichen Tag, an dem auch das Matterhorn von Zermatt aus erstmals seine Bezwinger gefunden hat. Später wurde über das Wiesbadener Grätle eine weitere Aufstiegsmöglichkeit eröffnet. Sie war deutlich schwieriger und verlangte durchaus alpinistisches Geschick. Doch die Gletscherschmelze machte die Route zunehmend riskanter. Vor allem im Sommer ist die Steinschlaggefahr enorm hoch. Die Montafoner Bergführer raten von einem Zustieg über das Wiesbadener Grätle deshalb schon seit Langem ab.
Das tut dem Reiz des Piz Buin jedoch keinen Abbruch. Der mächtige Berg hat auch 150 Jahre nach seiner Erstbesteigung nichts von seiner Faszination eingebüßt und ist nach wie vor ein begehrtes Ziel für viele Alpinisten. Nicht umsonst ging das Herz des Erstbesteigers über, der da schrieb: „Das Auge schwelgt im Anblick der rings am Himmelssaum funkelnden Firne, das Herz fühlt sich ergriffen von der feierlichen Stimmung, die durch den unermesslichen Raum weht.“
