Mehr Geld für die Spitalsärzte

Vorarlberg / 26.07.2015 • 20:51 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das neue Ärzte-Arbeitszeitgesetz soll in Vorarlberg schnell umgesetzt werden. SymbolFoto: VN/Paulitsch
Das neue Ärzte-Arbeitszeitgesetz soll in Vorarlberg schnell umgesetzt werden. SymbolFoto: VN/Paulitsch

Einigung über Zulagenerhöhung. Ärzte arbeiten dafür bis April über 48 Stunden hinaus.

feldkirch. Auf dem Weg zur Einführung der 48-Stunden-Woche in den Vorarlberger Krankenhäusern ist ein weiterer Schritt getan. Nach harten Verhandlungen haben sich Ärzteschaft und Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) auf eine höhere Abgeltung der Journaldienste geeinigt. Laut KHBG-Direktor Gerald Fleisch beträgt der finanzielle Zusatzaufwand rund eine Million Euro. Im Gegenzug wurde den Spitalsärzten von der Standesvertretung empfohlen, das sogenannte Opt-out, befristet bis April 2016, zu verlängern.

Mehr Zeit eingeräumt

Das heißt, die Mediziner können weiterhin über die von der EU festgelegte Dienstzeit von 48 Stunden hinaus arbeiten (maximal 72 Stunden). Damit soll den Krankenhäusern genügend Zeit eingeräumt werden, die zur Umsetzung der neuen Ärztearbeitszeit benötigten 30 bis 40 Mediziner zu rekrutieren. Die aktuelle Opt-out-Regelung wäre am 30. September 2015 ausgelaufen. Sowohl Spitalsärztesprecher Hermann Blaßnig wie auch KHBG-Direktor Gerald Fleisch berichteten von einem konstruktiven Miteinander. „Wir sind gemeinsam auf dem richtigen Weg“, meinte Blaßnig auf VN-Nachfrage. Er bescheinigte der KHBG zudem das Bemühen, die neue Ärztearbeitszeit schnell umsetzen zu wollen. Bezüglich der Empfehlung, noch ein paar weitere Monate aus der EU-Vorgabe zu optieren, habe er vonseiten der Kollegenschaft nichts Negatives gehört. Er geht davon aus, dass in jenen medizinischen Fächern verlängert wird, wo es notwendig ist.

Konkret wurde in den vergangenen Wochen und Monaten mit der KHBG eine neue Betriebsvereinbarung ausverhandelt, die neben der Einführung neuer Dienstmodelle die Nachjustierung im Zulagenbereich beinhaltet. „So umfangreich ist noch keine ausgefallen“, merkte Hermann Blaßnig dazu an. Mit am Tisch der KHBG saßen die Betriebsräte der Krankenhäuser, Vertreter der Ärzteschaft sowie der Ärztekammer. Die Betriebsvereinbarung gilt laut Fleisch bis Ende 2017. „Das hilft uns, das System in Ruhe weiterzuentwickeln“, sagt er. Dazu gehört vor allem die Rekrutierung von Ärzten. Erst kürzlich waren Vertreter der KHBG wieder auf Personalmessen unterwegs. Außerdem wurde den Spitälern die Erlaubnis erteilt, Überbesetzungen zuzulassen. „Es wird aber immer Mangelfächer geben“, stellt Gerald Fleisch nüchtern fest.

Stufenweise mehr Geld

Im Zusammenhang mit der Betriebsvereinbarung sprachen Blaßnig und KHBG-Chef von Verbesserungen für alle. Die Abteilungen können sich jenes Dienstmodell aussuchen, das für sie am besten passt. So können beispielsweise die verlängerten Dienste in zwei Mal zwölf Stunden oder acht plus 16 Stunden geteilt werden. Ab einem Alter von 50 Jahren erhalten Ärzte stufenweise mehr Geld für geleistete Nachtdienste. Gerald Fleisch bezeichnet die Anhebung als moderat, Hermann Blaßnig als ausreichend attraktiv. Bei einer Ärzte-Enquete im Frühjahr war noch moniert worden, dass Vorarlberg gerade bei älteren Ärzten im Zulagenbereich gegenüber den anderen Bundesländern nicht mehr konkurrenzfähig sei.

Auch bei den nichtärztlichen Berufen wird um eine Erhöhung der Zulagen gerungen. Die Gespräche würden gut verlaufen, mit einem Abschluss sei im Laufe des Sommers zu rechnen, ließ Gerald Fleisch dazu wissen. Er verwies einmal mehr auf die Verantwortung, die die Spitäler auch für den Landeshaushalt haben, und kündigte im Zulagenbereich eine maßvolle Ausgabenpolitik an.

Wir befinden uns gemeinsam auf dem richtigen Weg.

Hermann Blaßnig