“Am Schluss war alles entspannt”

Die Asylwerber hätten sich verloren gefühlt, meint Sonja Troger nach den Protesten.
Bregenz. Die Flüchtlingsbeauftragte des Landes spricht im VN-Interview über die Probleme mit den Flüchtlingen in der Dornbirner Kerzenfabrik, über Flüchtlingsbetreuung im Allgemeinen und auch darüber, was an dieser Arbeit schön sein kann.
Was bleibt bei Ihnen zurück –
einen Tag nach den Protesten der Flüchtlinge in der Dornbirner Kerzenfabrik?
Troger: Dass es sich bei den Beschwerden über Essen und Hygiene eher um vorgeschobene Dinge für das eigentliche Problem handelte. Dieses Problem bezieht sich auf das Gefühl von Verlorensein bei den Flüchtlingen. Sie hatten den Eindruck, dass sich niemand wirklich um sie kümmert und ihnen Auskünfte erteilt. Das veranlasste sie zu dieser Reaktion.
Heißt das dann nicht, dass die Betreuungsorganisation ORS versagt hat?
Troger: Nein, dieser Schluss ist falsch. Es ist auch nicht die Aufgabe der Betreuer vor Ort, die Flüchtlinge über ihr Schicksal zu informieren. Deswegen war es gut, dass ich dort war. Ich habe ihnen ihre Situation erklärt, ihnen gesagt, wer für was zuständig ist, und dass wir nicht diejenigen sind, die über den Asylantrag entscheiden. Ich war noch bis halb zehn bei ihnen. Später stießen auch einige Anwohner zu uns und unterhielten sich mit den Asylwerbern. Am Schluss war alles entspannt.
Trotzdem bleiben die Vorwürfe im Raum. Schlechtes Essen, mangelnde Hygiene, ungenügende Betreuung.
Troger: Bezüglich Essen scheint sich eine Lösung anzubahnen. Am Dienstag- vormittag kam extra der Chef der Landhausküche vorbei und hat sich über Möglichkeiten erkundigt, bei den gekochten Mahlzeiten die Wünsche der Flüchtlinge zu berücksichtigen. Sie haben gesagt, was sie nicht so gerne wollen, zum Beispiel Nudeln, Salatdressing und eine starke Würzung. Sie möchten die Speisen selber so würzen, wie sie es gewohnt sind. Auch in puncto Hygiene wurden kulturelle Unterschiede sichtbar. Aber auch diesbezüglich haben wir uns verständigt.
Sie sprachen unmittelbar nach Ihrem ersten Gespräch mit den Flüchtlingen noch über andere organisatorische Verbesserungen. Was meinten Sie damit?
Troger: Es geht diesbezüglich vor allem um die Aufstellung und Umsetzung bestimmter Regeln. Es muss eine gewisse Ordnung gewährleistet sein. Wir sind uns darüber einig, dass es im Zusammenleben einer größeren Gruppe an einem Ort wie diesem eine Organisation braucht. Niemand soll deswegen eingesperrt oder in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden.
Welche Grundregeln gelten für Sie als Leiterin der Flüchtlingsbetreuung eines Bundeslandes ?
Troger: Es gibt eine 15a-Vereinbarung zwischen dem Bund und den Ländern. Jeder Schutzsuchende muss beim Bund seinen Asylantrag stellen. Dann kommen sie in die Länder, die bestimmte Kriterien der Betreuung zu erfüllen haben: Bereitstellung von Quartieren, Beauftragung von Hilfsorganisationen, Gewährleistung der Grundversorgung, Überprüfung der Schutzbedürftigkeit und auch der Vermögensverhältnisse, die Organisation von Familienzusammenführungen – so das möglich ist und einiges mehr.
Wie nahe lasssen Sie persönlich das Schicksal der Flüchtlinge an sich heran?
Troger: Ich höre mir immer wieder die Schicksale der Asylwerber an. Ich stelle mich als Gesprächspartner wirklich gerne zur Verfügung. Das habe ich ja auch bei den Menschen in der Dornbirner Unterkunft getan. Aber ich muss auch eine Grenze ziehen.
Gibt’s auch etwas Schönes in Ihrem Job?
Troger: Ja, gibt es. Wenn man als Schnittstelle zwischen Politik und Verwaltung für den Alltag der Asylwerber Positives bewegen kann.