Wanderziel in Reichweite mit grandioser Aussicht

Vorarlberg / 13.09.2015 • 19:37 Uhr
Noch im September beginnen am Gerachhaus größere Sanierungsarbeiten. Danach wird die kuschelige Wärme, die der Kachelofen, an dem im Winter auch Norbert Jussel (l.) und Florian Burtscher gerne sitzen, abstrahlt, im Raum bleiben.
Noch im September beginnen am Gerachhaus größere Sanierungsarbeiten. Danach wird die kuschelige Wärme, die der Kachelofen, an dem im Winter auch Norbert Jussel (l.) und Florian Burtscher gerne sitzen, abstrahlt, im Raum bleiben.

Der Blick reicht vom Säntis über den Rätikon bis hinein in die Silvretta.

Dünserberg. Das Panorama ist wahrlich grandios. Ein Berg reiht sich an den anderen. Die Gipfel des Rätikons präsentieren sich dem Wanderer ebenso wie jene der Silvretta und des Säntis. Florian Burtscher (33) hat sie jeden Tag vor Augen. Als Wirt des Gerachhauses schränkt nichts seine Aussicht ein. Vor zwei Jahren hat er die im Besitz der Naturfreunde Rankweil befindliche Jausenstation als Pächter gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth (28) übernommen. Sie sorgt als Köchin für das leibliche Wohl der zahlreichen Gäste. Auch der üppig bunte Blumenschmuck, der die Fenster ziert, trägt ihre Handschrift. Dritter im Bunde ist Söhnchen Raphael, gerade einmal dreieinhalb Monate alt. „Mit zehn Tagen war er schon das erste Mal hier oben“, erzählt Florian Burtscher stolz. Auch dem Vater gefällt es auf der Alpe. Seit zehn Jahren bewirtschaftet er das Dünser Älpele, seit 2013 zusätzlich das Gerachhaus. Die Liebe zur Natur und zu den Bergen halten ihn oben.

Bis zur Verpachtung haben die Naturfreunde Rankweil das Gerachhaus selbst bewirtschaftet. „Aber es wurde zunehmend schwieriger, Leute dafür zu finden“, berichtet Obmann Norbert Jussel (65). In Florian Burtscher war bald ein engagierter Hüttenwirt gefunden, der aus dem Gerachhaus einen Zwei-Saisonen-Betrieb machte. Früher musste er sich im Herbst immer auf Arbeitssuche begeben. Nun hat der Jungvater ganzjährig Arbeit. Im Winter öffnet er das Gerachhaus ab Mitte Dezember jeweils von Mittwoch bis Sonntag. In den Weihnachts- und Semesterferien ist es durchgehend geöffnet. Auf 30 Schlafplätzen können Wanderer zudem ihr müdes Haupt zur Ruhe betten. Weiters gibt es einen Linienbus, der die Gäste bis fast vor die Haustüre kutschiert. Dienstag ist Ruhetag.

Umbauarbeiten starten

Ab Montag, 21. September, regieren im Haus mit der traumhaften Aussicht allerdings die Handwerker. Der vordere Teil wird gründlich saniert. Neue Fenster und eine neue Dämmung werden die Wärme künftig in dem anheimelnd eingerichteten Gebäude halten. Bis zum Start der Wintersaison sollen die Umbauarbeiten abgeschlossen sein. Am Sonntag, 20. September, findet beim Gerachhaus aber noch eine Bergmesse statt.

Florian Burtscher ist anzumerken, dass er das Wirten in luftigen Höhen mit Leib, Seele und Leidenschaft betreibt. Nur während seiner Lehrzeit sei er zu Hause gewesen, sonst habe er fast sein ganzes junges Leben auf der Alpe verbracht. So soll es noch länger bleiben. Seit er zwei Hütten zu versorgen hat, gehen sich Gipfelstürme für ihn zwar nur noch selten bis gar nicht mehr aus. Doch das Leben inmitten der Bergwelt entschädigt.

Früher musste ich mir im Winter Arbeit suchen. Jetzt habe ich ganzjährig eine Beschäftigung.

florian burtscher
Wanderziel in Reichweite mit grandioser Aussicht
Berge, wohin das Auge reicht. Eine Panoramatafel gibt Aufschluss, wo welcher Gipfel ist.  Fotos: vn/fink
Berge, wohin das Auge reicht. Eine Panoramatafel gibt Aufschluss, wo welcher Gipfel ist. Fotos: vn/fink

Wander-Tipps

» Auffahrt mit der Schnifner Bergbahn, von dort 40 Minuten zum Gerachhaus.

» In 30 Minuten vom Wanderparkplatz Winkel zum Gerachhaus und weiter in eineinhalb Stunden zum Hochgerach.

» Etwa zwei Stunden dauert die Tour von Übersaxen über die Gulmalpe zum Gerachhaus.

» Walserkamm-Überschreitung – Furkajoch – Gerachhaus: 7 bis 9 Stunden

Was der Hüttenwirt erzählt

Schönste Zeit auf der Hütte: Die beginnt ab Mitte August, da ist es meistens nicht mehr so heiß.

Spezialität auf der Speisekarte: Kässpätzle und von meiner Frau hausgemachte Kuchen. Zu den Favoriten im Winter zählen Topfen- und Apfelstrudel.

Geschichte der Hütte: Seit 40 Jahren sind die Naturfreunde Rankweil im Besitz des Gerachhauses. Es handelt sich um das ehemalige Volksschulgebäude von Dünserberg, das abgetragen und an seinem jetzigen Standort auf 1560 Metern Seehöhe wieder aufgebaut wurde.

Die Anfänge als Hüttenwirt: Begonnen hat es mit der Übernahme des Dünser Älpeles, das jedoch nur im Sommer geöffnet hat. Ich suchte deshalb noch eine Beschäftigung für den Winter. Die Wintersaison im Gerachhaus wird gut angenommen.