Pflegelehre auf der Politbühne

Vorarlberg / 27.09.2015 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In den Krankenpflegeschulen wird auch dual ausgebildet, sagt der Gesundheitslandesrat. symbolfoto: DS
In den Krankenpflegeschulen wird auch dual ausgebildet, sagt der Gesundheitslandesrat. symbolfoto: DS

Lehrlingsgipfel und das Gesundheitsressort sind nun mit der
Thematik befasst. 

bregenz. Die Idee einer Pflegelehre ist zumindest im Land auf der politischen Ebene angekommen. Heute, Montag, will Landeshauptmann Markus Wallner die Meinungen der Sozialpartner beim Lehrlingsgipfel ausloten, morgen, Dienstag, haben sich Egon Blum, Günter Lampert und aqua-mühle-Geschäftsführer Peter Hämmerle, die sich vehement für die Realisierung einer Pflegelehre einsetzen, zu einem Gespräch bei Gesundheitslandesrat Christian Bernhard angekündigt. Er hält den Grundgedanken für gut und sei auch nicht prinzipiell gegen eine Pflegelehre: „Aber derzeit fehlen sowohl die rechtlichen Voraussetzungen wie fachliche Inhalte“, gibt Bernhard zu bedenken.

Kapazitäten erhöht

Außerdem verweist er darauf, dass die Vereinbarkeit einer Pflegelehre mit den europarechtlichen Vorgaben, insbesondere der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie, genauer geprüft werden müsste. Das habe nichts mit Widerstand zu tun, wie ihm von den Freiheitlichen vorgeworfen werde. „Ich will nur, dass alle wissen, welche Hürden zu nehmen sind“, stellt Bernhard fest. Den im Zusammenhang mit der Notwendigkeit einer Pflegelehre immer wieder genannten steigenden Bedarf an Pflegepersonal sieht er für die nächsten Jahre gedeckt. „Wir haben die Ausbildungskapazitäten in den Krankenpflegeschulen Bregenz und Feldkirch entsprechend erhöht“, begründet Christian Bernhard seine Zuversicht, dass es zu keinem Engpass an Absolventen kommt. So werden mit 1. Oktober 372 Personen in der Allgemeinen Diplomausbildung, 116 in der psychiatrischen Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung und 126 in der Ausbildung zur Pflegehilfe stehen.

Bernhards Zweifel an der Pflegelehre teilen auch die Grünen. Die Pflegelehre richte sich an eine Zielgruppe, die für diesen Beruf noch sehr jung erscheine, meint Wirtschaftssprecherin Sandra Schoch. Absolute Priorität muss laut den Grünen die Ausbildung für diplomiertes Pflegepersonal haben. Auch Christian Bernhard hält Pflichtschulabsolventen als für eine Pflegelehre sehr jung. Doch die Problematik wäre seiner Ansicht nach durch Aufnahmetests lösbar.

Expertenwissen

Klare Worte findet auch Landeshauptmann Markus Wallner. Er will von den Sozialpartnern wissen, wie sie dazu stehen, schickt aber gleich voraus, dass er sich persönlich für die Pflegelehre engagiert: „Ich halte das Schweizer Modell für sehr gut.“ Bisher habe er auch noch kein Argument gehört, das gegen diese Ausbildung spreche. Er glaubt, dass die Ausbildung den Jugendlichen sehr wohl zuzumuten ist, denn schon jetzt arbeiten Jugendliche in sozialen Einrichtungen, bei der Rettung und als Zivildiener, ohne seelisch Schaden zu nehmen. Vielmehr vermutet er hinter der Ablehnung dieser Ausbildung standespolitische Dünkel.

Auch die FPÖ unterstützt die Forderung nach einem Pflegelehrberuf. „Um dem steigenden Pflegebedarf gerecht werden zu können, dürfen wir keinen jungen Menschen, der Eignung und Neigung zur Pflege hat, zurücklassen“, kritisiert die blaue Sozialsprecherin Cornelia Michalke die zurückhaltende Position des zuständigen Gesundheitsreferenten.

Die Ausbildungskapazitäten wurden schon erhöht.

Christian Bernhard