Lehre nach Aquamühle-Modell

28.09.2015 • 18:12 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Statt Pflegelehre: Neos befürworten Ausbau der Betriebsdienstleistungslehre.

schwarzach. Die Pflegelehre ist zum Gesprächsthema geworden. Eine neue Facette bringen jetzt die Neos in die Diskussion ein. Statt eine neue Pflegelehre einzuführen, sollte die in Vorarlberg angebotene Dienstleistungslehre fix verankert werden. „Jetzt wäre der beste Zeitpunkt, eine solche Lehre zu regeln“, verweist der Neos-Gesundheitssprecher im Nationalrat, Gerald Loacker, auf die laufende Reform der Pflegeausbildung. Derzeit sind die Entwürfe in Begutachtung, wobei Salzburg ein Veto eingelegt hat. Trotzdem: „Wenn die Sache unter Dach und Fach ist, dürfte die Chance auf eine Pflegelehre nach dem Modell der Aquamühle wieder für einige Zeit vorbei sein“, befürchtet Loacker.

Vielfältige Belastung

Auch die Neos stehen einer Pflegelehre, wie sie im Land gefordert wird, kritisch gegenüber. Es gehe um die psychische und physische Belastung, die der Beruf mit sich bringe. „Wir sagen: 15 Jahre ist zu jung. Gerade-nicht-mehr-Kinder gehören nicht unmittelbar in die Alten- und Krankenpflege“, argumentiert Gerald Loacker seine Hinwendung zur Betriebsdienstleistungslehre, die bekanntlich eine Kombination aus Betriebsdienstleistungs- und Pflegeausbildung beinhaltet. Laut dieser Lehre kommen die Jugendlichen frühestens mit 17 zur eigentlichen Pflegearbeit. Ein zusätzlicher Vorteil liegt nach Ansicht von Loacker darin, dass die jungen Leute, die im Zuge der Ausbildung möglicherweise zur Erkenntnis gelangen, dass es sich doch nicht um den idealen Beruf für sie handelt, mit dem ersten Teil der Lehre auch andere berufliche Optionen offen haben. Der Neos-Nationalrat befindet, dass die Betriebsdienstleistungslehre oder ein ähnliches Modell unbedingt jetzt in die Neuregelung der Gesundheitsberufe Eingang finden muss.

Großes Interesse

Die Betriebsdienstleistungslehre wurde 2011 als Pilotprojekt eingeführt. Die Betreiber waren das Land, die Wirtschaftskammer, die Gesundheits- und Krankenpflegeschule Feldkirch sowie Russ-Preis-Träger Egon Blum. In 15 Betrieben starteten zwanzig Lehrlinge ihre Ausbildung. Zwölf beendeten die Lehre positiv, sieben Absolventinnen stehen derzeit in der Ausbildung zur Pflegehilfe. Im Herbst 2013 begannen weitere 17 junge Leute eine Lehre, im September 2014 waren es 13. In diesem Monat nahmen zwölf neue Lehrlinge die Arbeit auf. Die Zahl der Ausbildungsbetriebe ist mittlerweile auf 21 gestiegen. Laut Aquamühle-Geschäftsführer Peter Hämmerle ist das Interesse der Jugendlichen an dieser Ausbildung sehr groß. „Leider müssen wir immer wieder Absagen erteilen, weil wir zu wenige Ausbildungsbetriebe finden“, bedauert er. Dennoch soll die Ausbildungskombination so lange angeboten werden, so lange sie bei Jugendlichen und Sozial- und Pflegeeinrichtungen gefragt ist.

„Das eigentliche Ziel einer dualen Ausbildung im Sozial- und Pflegebereich werden wir jedoch nicht aus den Augen verlieren“, kündigt Hämmerle an. Heute ist er gemeinsam mit Günter Lampert und Egon Blum zu einem diesbezüglichen Gespräch bei Gesundheitslandesrat Christian Bernhard.

Der Zeitpunkt, um eine solche Lehre zu regeln, ist genau jetzt.

Gerald Loacker