Nächster Anlauf in Hohenems

13.10.2015 • 18:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Probefeld am Rathaus wird nicht gebaut. Planungen für Schlossplatz starten.

Hohenems. Die Hohenemser Innenstadt: jüdisches Viertel, Renaissance-Palast, geschichtsträchtige Marktstraße, historisches Gotteshaus – ist seit Jahren Sorgenkind der Stadt. In einem sind sich alle einig: Das Emser Zentrum muss wiederbelebt werden. Doch bei der Frage, wie das geschehen soll, spalten sich die Meinungen. Im April 2014 startete deswegen ein Bürgerbeteiligungsprozess mit dem Titel „innen.stadt.leben“, inklusive Gestaltungswettbewerb.

Keine Baumaschinen

Im Oktober 2014 präsentierte die Stadt das Ergebnis. Die Innenstadt soll zu einer Begegnungszone mit Pflastersteinen und Brunnen werden. Fünf Millionen Euro durfte es kosten; im Frühjahr 2015 hätten die Bagger auffahren sollen, um das Probebaufeld vor dem Rathaus in Angriff zu nehmen. Eine Gemeindewahl und eine missglückte Ausschreibung später sieht die Emser Innenstadt noch aus wie zuvor. Hinter den Kulissen arbeiten die Parteien an einem neuen Anlauf. Eines ist schon fix: Das Feld vor dem Rathaus ist nicht mehr geplant.

Die Innenstadt war eines der Kernthemen im Gemeindewahlkampf. Während die ÖVP von Bürgermeister Richard Amann (59) den breiten Bürgerbeteiligungsprozess lobte, kritisierte die FPÖ um Gegenkandidat Dieter Egger (46) vor allem die Verkehrsführung. Vor wenigen Wochen stellten die Freiheitlichen den Antrag, die Einbahnregeln einer Volksabstimmung zu unterziehen. Der Antrag wurde vertagt, doch nun sieht es so aus, als sei er hinfällig. Die Parteien sind auf dem besten Weg, sich zu einigen. Dieter Egger unterbreitete der Volkspartei einen Vorschlag, dem die Schwarzen nicht abgeneigt sind.

Egger will das Verkehrskonzept ändern, die Einbahnregeln beim Rathaus und beim Gasthof Hirschen sollen weg. Mittels Bebauung will er die Innenstadt dennoch von Autos freihalten. Ohne Einbahnregel sei gewährleistet, dass die Fahrer den schnellsten Weg raus aus der Stadt finden und keine Ausweichstrecken mehr fahren müssten. An das Projekt Innenstadt will Egger neu herangehen. Der Platz am Rathaus soll nicht umgebaut werden, die Bauarbeiten sollen beim Kirchplatz und dem Jüdischen Viertel beginnen. Dies geschieht nun.

Bürgermeister Amann erklärt: „Wir ändern die Reihenfolge, sonst ist nichts neu. Ein Probefeld vor dem Rathaus, wie es eigentlich geplant war, geht sich nicht mehr aus.“ Die Ausschreibungen für die neuen Felder sind in Arbeit, diese Woche wird dem zuständigen Ausschuss ein Zwischenbericht vorgelegt. Im Laufe des Novembers soll feststehen, wie es weitergeht. Aktuell sind sich die Beteiligten noch uneinig, ob mit dem Kirchplatz oder dem jüdischen Viertel begonnen werden soll. Während für Amann der Kirchplatz Teil der Marktstraße ist, will Egger den Platz gemeinsam mit dem Schlossplatz planen.

Planungs-Kick-off

Mit der Planung des neuen Schlossplatzes wurde am Dienstagabend begonnen. Die Stadt lud zu einer Start-Veranstaltung in den Löwensaal. Architekt Axel Lohrer, Wettbewerbssieger der weiteren Innenstadtbereiche, und Raumplanungsexpertin Gerda Sutterlüty-Schnetzer hielten Vorträge, anschließend kam die Bevölkerung zu Wort. Sutterlüty-Schnetzer erklärte, wie wichtig eine hochwertige und nachhaltige Gestaltung der Innenstadt sei: „Zum Beispiel mit Brunnen und adäquater Bepflanzung. Außerdem muss finanzieller und räumlicher Spielraum bleiben.“