Peter Bußjäger

Kommentar

Peter Bußjäger

Bildungsreform

Vorarlberg / 22.10.2015 • 20:46 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Eine soeben fertiggestellte Studie des renommierten Schweizer Wirtschaftsforschungsinstituts BAK Basel hat ergeben, dass für den wirtschaftlichen Erfolg einer Region folgende Kriterien wichtig sind: eigene Besteuerungskompetenzen, Bildungskompetenzen und Kompetenzen zur Gestaltung der Lebensqualität.

Die Arbeitsgruppe zur Bildungsreform, die auf Bundesebene tagt, wird sich um solche Erkenntnisse gewiss nicht scheren. Sie wird eine weitere Zentralisierung des Bildungswesens vorschlagen. Was kümmert es uns auch, dass der Rest Europas einen anderen Weg geht? Gerade die sogenannten Bildungsexperten, die Flexibilität und Offenheit predigen, zeichnen sich in vielen Fällen durch erschreckende Lernunfähigkeit aus. Sich mit einer von Ökonomen verfassten Studie auseinanderzusetzen, wäre von ihnen wohl zu viel verlangt.

Seltsamerweise hat vor ein paar Tagen eine Lehrerinitiative gefordert, das Land solle sich stärker für das Sportgymnasium in Dornbirn engagieren. Die Untätigkeit des Landes sei ein Beispiel dafür, dass Bildungsangelegenheiten bei den Ländern nicht gut aufgehoben seien. Eine absurdere Argumentation ist, wenn man weiß, dass das Land für die Gymnasien überhaupt nicht zuständig ist, wohl schlecht vorstellbar.

In Wahrheit beweist genau dieses Beispiel: Es geht denen, die eine Zentralisierung des Bildungswesens fordern, gar nicht um die Kinder und Jugendlichen, von denen angeblich niemand zurückgelassen werden soll, sondern darum, auch noch die letzte Kinderkrippe im Land unter die Kontrolle des Bundes zu bekommen. Die Länder sollen nicht mitreden, aber finanzieren dürfen. Wenn also das Land wünscht, dass sich etwas ändert, muss es so lange zahlen, bis der Bund geruht, diesen Wünschen irgendwie zu entsprechen. Dass dieser Zustand weder effizient noch kostengünstig ist, liegt auf der Hand.

Die Vorstellungen der Bildungszentralisten haben mit modernem Bildungsmanagement gar nichts zu tun. Das ist einfach nur ein Fortschreiben verstaubter ideologischer Positionen.

Die Länder sollen nicht mitreden, aber finanzieren dürfen.

peter.bussjaeger@vorarlbergernachrichten.at
Peter Bußjäger ist Direktor des Instituts für Föderalismus
und Universitätsprofessor in Innsbruck.