Vorarlberg rüstet sich weiter

Vorarlberg / 22.10.2015 • 20:19 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
In Lochau wird derzeit eine alte Druckerei-Halle als Notquartier hergerichtet. Foto: VN/Prock
In Lochau wird derzeit eine alte Druckerei-Halle als Notquartier hergerichtet. Foto: VN/Prock

Neue Asylunterkünfte in Frastanz und Thüringen. Notfallquartier in Lochau geplant.

Schwarzach. Die Flüchtlingssituation hat neue Ausmaße erreicht, mehrere Tausend Menschen haben in den vergangenen Tagen die Grenze nach Österreich passiert. In Vorarlberg ist davon noch wenig zu spüren. Vorerst. Vorarlberg bereitet sich vor. In Thüringen und Frastanz entstehen zwei neue Großquartiere in Hallen. In Lochau rüstet sich das Land für den absoluten Notfall. Indes kommen täglich Flüchtlinge auf eigene Faust ins Land und suchen direkt in Vorarlberg um Asyl an.

Die großen Hallen in Dornbirn, Götzis und Feldkirch werden von der privaten Firma ORS betreut, weil das Caritas-Betreuungskonzept für Hallen nicht geeignet ist. In Thüringen und Frastanz wird es die Caritas nun selbst versuchen, sagt Bernd Klisch (52), Leiter der Caritas-Flüchtlingshilfe: „Uns ist die Selbstversorgung der Flüchtlinge sehr wichtig. In den zwei Hallen werden Waschmaschinen aufgestellt und Kochplätze gebaut. Außerdem kommen Familien rein.“

Dass die Caritas die Hallen übernimmt und nicht ORS, hat mit den Hallenvermietern zu tun. In Thüringen soll es Bedingung des Eigentümers gewesen sein, sonst hätte er die Halle nicht zur Verfügung gestellt. Zudem sei die Halle zweistöckig und könne dadurch in einen Aufenthalts- und einen Schlafbereich aufgeteilt werden, erklärt Klisch. Gerade bei Familien mit Kindern sei die Lärmfrage in Großquartieren mit Schlafkojen ein großes Thema. Denn: „Derzeit kommen überwiegend Familien“, berichtet der zuständige Landesrat Erich Schwärzler (ÖVP, 62).

Informationsabende geplant

Laut dem Landesrat sollen in Thüringen 90 bis 95 Flüchtlinge unterkommen, in Fras­tanz rund 65. Genau könne man das bei Familien nicht sagen. Die Verträge zwischen Land und Caritas sollen in den nächsten Tagen unterschrieben werden, zuvor sind noch Informationsabende angesetzt. Heute, Freitag, um 18.30 Uhr informiert die Gemeinde Thüringen in der Mittelschule ihre Bevölkerung, kommende Woche ist Frastanz an der Reihe.

Quartier für den Notfall

Auch in Lochau wird in Kürze die Bevölkerung informiert. Im hinteren C-Trakt der ehemaligen Russmedia-Druckerei entsteht ein Quartier. Es ist für den absoluten Notfall gedacht. Würden zum Beispiel über Nacht überraschend 200 Flüchtlinge mit dem Zug kommen und die umliegenden Quartiere wären bereits voll, würden die Asylwerber für den ersten Tag in Lochau untergebracht, könnten schlafen, würden verpflegt und im Land verteilt. Oder sie dürften weiter nach Deutschland reisen. „Es ist ein reines Transitlager“, erklärt Schwärzler. Nach einem Notfall wäre die Halle nach wenigen Tagen wieder leer und bereit, falls es erneut zu einem Engpass kommen würde. Eine dauerhafte Benützung ist nicht vorgesehen und bautechnisch nicht möglich. Bürgermeister Michael Simma (ÖVP, 56) hat selbst erst am Donnerstag von den Plänen erfahren, als die Nutzung fixiert wurde. Die Gespräche liefen direkt zwischen dem Eigentümer und dem Land. Die Nachbarschaft soll noch am Wochenende genauer informiert werden.

Nicht alle Flüchtlinge gehen den Weg, der gesetzlich vorgesehen ist. Manche reisen auf eigene Faust nach Vorarlberg, marschieren zu einer Polizeistelle und suchen um Asyl an. Laut Schwärzler sind das mittlerweile durchschnittlich zehn Asylwerber pro Tag. Die Polizei registriert sie, nimmt Fingerabdrücke. Anschließend steht eine amtsärztliche Untersuchung an, bevor sie in einem der Quartiere unterkommen.

Asylwerber in 69 Gemeinden

Die meisten Asylwerber sind – Stand 19. Oktober – in Dornbirn untergebracht, 353 an der Zahl. In Feldkirch leben 303 Flüchtlinge, in Bregenz 202. Außerdem im dreistelligen Bereich: Götzis (133), Bludenz (119), Hard (117), Schruns (116). In Frastanz sind laut Statistik des Landes aktuell drei Asylwerber untergebracht, in Thüringen 22, in Lochau 20. Während in St. Gallenkirch 85 Asylwerber leben, sind es in Lustenau 48, in Hohenems 53. Insgesamt waren am 19. Oktober 2563 Asylwerber in 69 Vorarlberger Gemeinden untergebracht. 27 Gemeinden haben laut dieser Auswertung keine Asylwerber aufgenommen. Geht es nach Landesrat Schwärzler, soll bis Weihnachten jede Gemeinde ihren Anteil tragen.

Uns ist die Selbstversorgung sehr wichtig. Wir stellen Waschmaschinen und Kochplätze auf.

Bernd Klisch