Ein Bubengymnasium wird lebensorientierter

Vorarlberg / 25.11.2015 • 19:02 Uhr
Bald bekommen die Burschen in der Mehrerau weibliche Gesellschaft.  Foto: marcel hagen
Bald bekommen die Burschen in der Mehrerau weibliche Gesellschaft. Foto: marcel hagen

Die Mehrerau geht jetzt auch bei der pädagogischen Ausrichtung neue Wege.

bregenz. Das erste Mädchen hat sich bereits angemeldet, fünf weitere werden heute im Privatgymnasium Mehrerau in Bregenz einen Schnuppertag absolvieren. „Das Interesse der Mädchen an unserer Schule ist groß“, freut sich Direktor Christian Kusche. Nach mehr als 160 Jahren öffnet das Collegium Bernardi ab dem Schuljahr 2016/17 seine bis dahin nur Buben vorbehaltenen Tore auch für das weibliche Geschlecht.

Neue Ausrichtungen

Aber nicht nur da geht die Schule neue Wege. Auch, was die pädagogische Ausrichtung betrifft, trennt sich das Gymnasium von alten Zöpfen. Die Mehrerau wird, aufsteigend mit den ersten neuen Klassen, zudem lebens- und berufsorientierter. In der Unterstufe beispielsweise liegen die Schwerpunkte künftig auf Persönlichkeitsbildung, Kreativität und Bewegung. „Es ist erwiesen, dass Kunst, Musik und Sport das Gehirn in Schwung bringen und die Kinder dadurch auch in anderen Fächern profitieren“, begründet Christian Kusche. In der Oberstufe sind Mensch, Natur und Gesellschaft bevorzugte Themen. Die Umsetzung erfolgt unter anderem im Rahmen von Wahlpflichtfächern. „Das heißt, die Schülerinnen und Schüler können individuelle Ausbildungsschwerpunkte setzen“, erklärt Kusche. Dabei stehen Fächer wie Ernährungslehre, vertiefende Psychologie und Humanbiologie zur Auswahl. Eine weitere Neuerung: Latein lernen die Schüler erst in der Oberstufe. Das bringe Vorteile auch für Mittelschüler. „Für uns war es wichtig, ein zeitgemäßes Angebot zu schaffen, das Mädchen und Buben anspricht“, sagt Christian Kusche. Da kommt dann der Sportzweig ins Spiel. Er steht auch für Mädchen offen. „Die erste angemeldete Schülerin ist Fußballerin“, merkt der Schulleiter lächelnd an.

Derzeit besuchen 225 Schüler das Privatgymnasium. Der Trend geht laut Kusche eindeutig weg vom Internat hin zur halbinternen Betreuung. Nach wie vor ist aber der ganzheitliche Ansatz das Hauptmotiv, warum Eltern ihre Kinder in die Privatschule schicken. Beim Tag der offenen Tür am Freitag, 22. Jänner, gewährt sie Einblicke. Schnuppertage sind aber jederzeit möglich.

Wir wollten ein Angebot für Mädchen und Buben schaffen.

Christian Kusche