„Seine Liebe hat das letzte Wort in der Welt“

Allem Glitzer zum Trotz: Weihnachten wird es in uns, oder es wird eben gar nicht.
Schwarzach. Irgendwie seltsam fühlt es sich an, dieses Weihnachtsfest 2015. Wo sich die Herbergssuche doch praktisch gleich um die Ecke abspielt. Und tatsächlich denkt der neue Vorarlberger Caritasdirektor Walter Schmolly da seiner Zunft beinah zuwider, wenn er nicht augenblicklich den sozialen Appell auf den Lippen trägt. Aber der 50-jährige Bregenzerwälder kann sich nicht helfen, „das Erste und Grundlegende an Weihnachten ist nicht ein Appell, sondern die Erfahrung, beschenkt zu sein“. Beschenkt durch die Erkenntnis, „dass Gott durch seine Menschwerdung mit jedem Menschen vorbehaltlos verbündet ist“.
Da wächst der Friede
Auch wenn uns das Jahr 2015 mit endlosen Flüchtlingstrecks, dem Krieg in Syrien und dem Ukraine-Konflikt scheinbar eines Schlechteren belehrt hat, bleibt Schmolly überzeugt: „Gottes Liebe hat das letzte Wort in der Welt.“ Aus der langjährigen Arbeit mit Menschen zieht er die Gewissheit: „Dort, wo diese weihnachtliche Botschaft und Erfahrung in uns klingt, dort wächst der von den Engeln verkündete Friede in unseren Herzen und um uns herum.“
Ein Geschenk, das jede Aufmerksamkeit lohnt. Das man ruhig zelebrieren darf an einem festlichen Abend, so wie man sich ja auch für einen Opernbesuch oder den Maturaball herausputzt. Sich vorbereitend ins Stück einliest, das gegeben wird.
Der berühmte Jesuit Karl Rahner hat in einem „Brief an einen Freund“ dringend zu solcher Vorbereitung geraten: „Für die hohen Stunden der Weisheit, der Kunst und der Liebe muss sich der ganze Mensch, mit Leib und Seele, vorbereiten, darum auch für die großen Tage der Feier unseres Heils. Überlasse sie also nicht dem Zufall, trotte nicht verdrossen und alltäglich gestimmt in sie hinein. Bereite Dich“, fordert Rahner.
Mut zum Schweigen
Als Zweites mahnt er den Freund: „Hab’ den Mut, allein zu sein.“ Funker kennen das Problem: Wer ununterbrochen am Senden ist, kann nicht empfangen. Wer also hören will, muss erst selber still werden. Erst wenn man das wirklich zustande gebracht hat, „wenn Du es christlich getan hast, kannst Du hoffen, ein weihnachtliches Herz, also ein sanftes, geduldiges, tapfer gefasstes, leise zärtliches Herz jenen zu schenken, die Du Dich zu lieben bemühst“.
Dieses Geschenk nennt der Jesuit Rahner „die eigentliche Gabe unter dem Christbaum, sonst sind alle anderen Geschenke doch nur unnütze Ausgaben, die man auch zu anderen Zeiten machen kann“.
Eine andere Welt
Rahner hat diesen Text im November 1966 veröffentlicht. Gilt er noch heute? Wo es doch so schwerfällt, in dieser Welt, die so laut nach Aufmerksamkeit giert, stumm zu werden. Aber „gerade das ist die Weihnachtsbotschaft: Gott ist Dir wirklich nahe dort, wo Du bist, wenn Du offen bist auf dieses Unendliche hin.“ Weihnachten geschieht in den Menschen, „wenn Du still bist, wartest und – glaubend, hoffend und liebend – richtig, das heißt von Weihnachten her, deutest, was Du erfährst.“ Dann freilich „wird die Welt eine andere“, fügt Walter Schmolly an. Denn Weihnachten ist die Botschaft, dass wir Menschen miteinander verbunden sind, weil Gott jeder und jedem von uns zugewandt ist.“
Das Erste an Weihnachten ist die Erfahrung, beschenkt zu sein.
Caritasdirektor Walter Schmolly