Begeisterter Sammler von Sterbebildchen

Vorarlberg / 11.01.2016 • 18:52 Uhr
Sepp Zugg ist stolz auf seine Sterbebilder-Sammlung. Gerne zeigt er seine Highlights her.  Foto: VN/Kuster
Sepp Zugg ist stolz auf seine Sterbebilder-Sammlung. Gerne zeigt er seine Highlights her.  Foto: VN/Kuster

Sepp Zugg sammelt seit 55 Jahren Sterbe­bilder. Mittlerweile besitzt er schon 1170.     

St. Gallenkirch. (VN) Früher kannte Sepp Zugg (79) fast jeden St. Gallenkirchner. Das lag daran, dass er sein Leben der Allgemeinheit widmete. Zugg war über viele Jahre Schriftführer bei der Bergrettung und bei der Feuerwehr sowie Kassier beim Wintersportverein. Außerdem war er Fähnrich bei der Bürgermusik. Damit nicht genug des Engagements für die Gemeinde. Zugg begleitete den Arzt in die Schulen, wenn Impfungen anstanden und dokumentierte sie. Außerdem gab er mehr als 40 Jahre den Nikolaus im Dorf. Seit 1972 ist er auch Legalisator, der einzige im Ort.

Kartei angelegt

So kam es, dass er in seinem Heimatort die Jungen und die Alten kannte. Es entging ihm auch nicht, wenn jemand in dem 2100-Seelen-Ort starb. Denn der gelernte Kaufmann arbeitete bei der Gemeinde, zuerst als Hilfskraft, später als Gemeindesekretär. Dort registrierte man jeden Sterbefall. Dass er zum Sterbebildchen-Sammler wurde, verdankt er einer Arbeitskollegin. „Die hat bei jeder Beerdigung Messen bezahlt. Ich habe es ihr gleichgetan.“ Die Angehörigen bedankten sich für die Spenden mit einer Dankeskarte. „Meistens war darauf das Bild des Verstorbenen.“ Zugg warf die Karten nicht weg, sondern bewahrte sie in einer Schachtel auf. Als immer mehr zusammenkamen, begann er die Sterbebilder alphabetisch zu ordnen und legte eine Kartei an. „Sonst hätte ich ja nichts mehr gefunden.“ Ihm kam zugute, dass früher alte Leute Sterbebildchen sammelten. „Aus Nachlässen habe ich mehrere Schachteln voll bekommen.“ Heute ist Zugg stolzer Besitzer von insgesamt 1170 Sterbebildern. 

„Es taugt mir, dass ich den Kaiser Karl hab“, sagt er und zieht dessen Sterbebild aus der Kartei. Auch das von Kaiser Franz Joseph I. und Engelbert Dollfuß zeigt der 79-jährige Pensionist gern her. „Ich wollte ja nur den Frieden. Den anderen möge der Herrgott vergeben“, kann man darauf unter anderem lesen. „Es sollen die letzten Worte des sterbenden Kanzlers gewesen sein“, so Zugg dazu. In seinem Bestand hat der Sammler aber noch andere Kostbarkeiten: Sterbebilder von dem aus Partenen stammenden Bischof Franz Joseph Rudigier und von der St. Gallenkirchner Skirennläuferin Erika Netzer etwa. Das älteste Sterbebild, das im Besitz des Sammlers ist, geht auf das Jahr 1813 zurück. Zugg hat vier Kinder, acht Enkel und drei Urenkel. Er hofft, dass nach seinem Tod zumindest ein Nachkomme Interesse für seine Sammlung zeigt und sein Erbe weiterführt.

Es taugt mir, dass ich das Sterbebild von Kaiser Karl habe.

Sepp Zugg