Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Die kleinen Prinzen

Vorarlberg / 16.02.2016 • 19:41 Uhr

In der Einzahl weckt das Wort vom kleinen Prinzen romantische Gefühle. Man kann die wunderliche Gestalt mit dem blonden Wuschelkopf, die 1943 der Fantasie des Abenteurers Antoine de Saint-Exupéry entsprang, regelrecht sehen: Der kleine Prinz hält eine Rose. Er stellt kindliche Fragen, liebt, ist ausgesucht höflich. Und einsam. Ein Wunder.

In der Mehrzahl verkehrt sich das Wort ins krasse Gegenteil. Die „kleinen Prinzen“ sind der Schrecken einer jeden Lehrerin. Feist und faul. Überzeugt vom eigenen Vorrang, den das Leben gewährt, allein, weil man Sohn geworden ist und nicht Tochter. Zutiefst verunsicherte Gestalten sind das, die sich in Macho-Manier über die eigene Unzulänglichkeit hinwegschwindeln. So lang es eben geht.

Was entscheidet, welche Art Prinz einer wird? Die Mutter, die ihre Tochter zum Opfer und den Sohn zum Jäger erzieht? Oder die Gesellschaft, die kleine Prinzen lange gewähren und sie dann fallen lässt? Oder die veröffentlichte Meinung, die den einen literarischen kleinen Prinzen längst ins Märchenland verbannt hat, um sich lustvoll die anderen vorzuknöpfen? Dabei wäre sein Beispiel dieser Tage so hilfreich. Auch bei den Erwachsenen.

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