Die Mär von der gesunden Rohmilch

Vorarlberg / 01.03.2016 • 19:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Wolfgang Grabher gibt bei TBC leichte Entwarnung.  Foto: VN/HB
Wolfgang Grabher gibt bei TBC leichte Entwarnung. Foto: VN/HB

TBC-Erreger vertragen keine Hitze. Sicherheit durch abgekochte Milch und gegartes Fleisch.

bregenz. „Solange es Wirte gibt, und dazu gehört auch der Mensch, werden wir mit Tuberkulose leben müssen.“ Das stellt Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher klar.

Wie gefährlich ist die Rotwild-Tuberkulose für Menschen?

grabher: Zuerst muss einmal festgehalten werden, dass die TBC auch bei uns keine ausgestorbene Erkrankung ist. Allein im vergangenen Jahr gab es in Vorarlberg 26 TBC-Fälle, österreichweit waren es 576 Fälle. Es kommen auch immer wieder Erkrankungen mit untypischen Erregern wie dem „Caprae“ vor. Dabei handelt es sich um den Rotwild-Erreger. Im Herbst 2015 erkrankte ein Geschwisterpaar im Bezirk Bludenz an genau diesem Erreger. Den beiden Patienten geht es mittlerweile aber wieder gut.

Was bedeutet das für das Ansteckungsrisiko?

Grabher: Grundsätzlich ist der Mensch für alle diese Erreger empfänglich. Gleiches gilt für die Tiere. Rotwild kann an Rinder-TBC, und Rinder können an Rotwild-TBC erkranken.

Wie infektiös sind TBC-Erreger?

Graber: Die Erreger selbst sind nicht hochansteckend, im Gegensatz etwa zu Masern oder Windpocken. Hier führt eine Ansteckung meist hundertprozentig zum Infekt. Beim TBC-Erreger muss ein Kontakt mit infiziertem Material stattfinden. Aber auch dann führt nicht jeder Infekt zum Ausbruch der Krankheit. Es muss sich auch niemand sorgen, der zu einer Untersuchung bestellt wird, wenn diese erst einige Tage später stattfindet. Die Krankheit verläuft sehr langsam.

Nun unterliegt Wildfleisch, wenn es privat verwendet oder verkauft wird, keinen Kontrollen. Ist ein Genuss da nicht sehr riskant?

Grabher: Diese Bakterien werden durch Hitze zerstört. Deshalb können abgekochte Milch und gegartes Fleisch bedenkenlos konsumiert werden. Gemäß Rinder-TBC-Verordnung könnte sogar Milch von positiv getesteten Kühen in Umlauf gebracht werden. Aber darauf lassen wir uns in Vorarlberg natürlich nicht ein.

Wie sieht es mit anderen Milchprodukten aus?

Grabher: Aus aktuellem Anlass haben wir Milch, Butter und Käse beprobt. Die Untersuchungen sind zwar noch nicht abgeschlossen, aber erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass diese Lebensmittel frei von TBC-Erregern sind. Damit ist eine kleine Entwarnung gegeben.

Was kann vorsorglich noch getan werden?

Grabher: Die Empfehlung lautet, auf Rohmilch zu verzichten. Das gilt speziell für abwehrgeschwächte Personen und Kinder. Dass Rohmilch gesund sein soll, ist sowieso eine Mär.