Bernhard und sein zäher Kampf zurück ins Leben

Vorarlberg / 21.07.2016 • 20:12 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sie nehmen Bernhard in die Mitte, wo sie können: Christl, Christian und Freundin Carina (v. l.). Foto: Smrekar
Sie nehmen Bernhard in die Mitte, wo sie können: Christl, Christian und Freundin Carina (v. l.). Foto: Smrekar

Eine Gehirnblutung machte Bernhard zum Pflegefall. Der 31-Jährige hat tolle Helfer.

Hittisau. Vater Dietmar Smrekar (58), der „Ochsen“-Wirt in Hittisau, ist so tapfer wie sein Sohn Bernhard. Beide sind sie Kämpfer. Der 12. Mai 2015 machte sie dazu. Es war jener Tag, an dem der lebenslustige Technik-Freak Bernhard gegen Abend mit seinem selbst getrimmten Auto zu einer Spritztour aufbrach. Um halb elf kam der Anruf in den „Ochsen“. Bernhard sei ins LKH Feldkirch eingeliefert worden. Es sei sehr ernst.

Der Schicksalstag

Die Eltern fuhren ins Spital, mussten dort stundenlang warten. Endlich kam ein Arzt. Der sagte gleich: „So wie Sie Ihren Sohn kannten, wird er nie mehr sein.“ Was war geschehen? „Bernhard erlitt auf der Lingenauer Brücke im Auto eine schwere Gehirnblutung. Er war sofort handlungsunfähig. Glücklicherweise gab es keinen Unfall. Sein Fahrzeug kam irgendwie zum Stehen.“

Kleine Dinge, große Siege

Kein Stein stand in der Familie Smrekar mehr auf dem anderen. Die Sorge um Bernhard überschattete alles. Der AC/DC-Fan, der leidenschaftliche Tüftler und Bastler, der beliebte Kumpel musste mehrmals operiert werden. Er kam nach Rankweil auf die Neurologie. Bernhard konnte nicht mehr reden, nicht mehr gehen, ein klein wenig noch konnte er den linken Arm bewegen. „Aber er bekommt alles mit. Er ist im Kopf voll fit“, sagt sein Vater. Der schwergeprüfte junge Mann begann, kleine Dinge in große Siege zu transformieren: selber Zähne putzen, einen Apfel zum Mund führen und essen, sich differenzierter gegenüber seiner Umwelt bemerkbar machen. Weil die Eltern das Gefühl hatten, Bernhard gehöre noch besser gefördert, holten sie ihn im April dieses Jahres von Rankweil weg. Sie brachten ihn in eine Klinik mit Therapieangebot nahe Füssen. Dort verbrachte Bernhard die folgenden drei Monate, machte große Fortschritte. Als der Patient dann eines Tages sogar einen Rollstuhl elektronisch steuern konnte, war das wie ein Triumph. Rührend kümmern sich nicht nur die Eltern und die Schwester um den schwer geprüften Mann. Auch seine Freundin Carina betreut ihn intensiv.

Ebenso haben Bernhards Freunde ihren Kumpel nicht vergessen. Sie engagieren sich tatkräftig für ihn. Für ihn gründeten sie den Verein „fescht helfa“. Und am 30./31. Juli veranstalten sie ein Festwochenende für Bernhard. Dabei spielen Bands für ihn, ein Festzelt wird aufgestellt. „Das ist einfach nur großartig“, freut sich Vater Dietmar.

Bald kommt er heim

Am 9. August soll Bernhard nach Hause kommen. Eifrig sind die Handwerker in den Privaträumlichkeiten des „Ochsen“ damit beschäftigt, den Wohnbereich behindertengerecht zu gestalten. Das kostet viel Geld. Denn Bernhard braucht einiges: Leichte Zugänge, ein Spezialbett, eine behindertengerechte Dusche. Auch „Ma hilft“ wird Bernhard unterstützen. Der freut sich riesig, bald nach Hause zu kommen. „Das hat er uns mit erhobenem Daumen schon mitgeteilt“, berichtet der Vater. Und: „Wir werden alles tun, damit Bernhard weiter zurück ins Leben kommt. Auch wenn das sehr lange dauern wird.“

Bernhard kann nicht reden. Aber er ist im Kopf voll fit.

Dietmar Smrekar