„Besonders gefährlich sind die Automaten“

26.07.2016 • 16:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Spielautomaten können labile Menschen schnell süchtig machen.  APA
Spielautomaten können labile Menschen schnell süchtig machen. APA

Spielsüchtige verlieren oft alles. Der Weg hinaus aus der Sucht ist kein einfacher.

Feldkirch. Der Prototyp des Spielsüchtigen ist männlich, zwischen 25 und 40 Jahre alt und Schichtarbeiter. Viele haben einen migrantischen Hintergrund.

Spüren Sie bei der Beratungsstelle Clean die schnelle Verbreitung von illegalen Glücksspiellokalen?

Köhlmeier: Die meisten unserer Klienten kommen aus solchen illegalen Spiellokalen. Ich kann feststellen, dass in den letzten fünf bis zehn Jahren sehr viel mehr Menschen bei uns Hilfe suchen. Auch Angehörige der Spielsüchtigen. Die kommen oft sogar vor den Betroffenen.

Warum sind Ihre Klienten hauptsächlich Menschen, die in diesen illegalen Glücksspiel­lokalen waren?

Köhlmeier: Weil es dort meistens Wetten und Automaten gibt. Spielautomaten sind für die Entwicklung der Sucht besonders gefährlich. Und zwar deswegen, weil es dort schnell vom Einsatz zum Gewinn geht. Je schneller ein Einsatz Gewinn abwerfen kann, desto schneller entsteht Sucht. Bei Automaten kommen auch noch die akkustischen und visuellen Reize dazu, die den Spieler ins Geschehen hineinreißen. Da ist einer, der Lotto spielt, nie so gefährdet.

Gibt’s den Prototypen des Spielsüchtigen?

Köhlmeier: Der Spielsüchtige ist zumeist männlich, zwischen 25 und 40 Jahre alt und ein Arbeiter, der Schichten macht. Die sind deshalb so gefährdet, weil sie aufgrund ihrer Arbeitszeiten aus den herkömmlichen Sozialsystemen hinausfallen. Viele Spielsüchtige haben einen migrantischen Hintergrund.

Wann ist für einen Spielsüchtigen der Moment gekommen, in dem er zu Ihnen kommt und Hilfe sucht?

Köhlmeier: Wenn er an Grenzen stößt. Wenn ihn die Frau wegen des Spielens verlassen will, wenn er die Schulden nicht mehr bewältigen kann, wenn er physisch und psychisch am Ende ist.

Welche Anzeichen deuten auf Spielsucht hin?

Köhlmeier: Wenn ich mehr spiele, als ich eigentlich vorhatte zu spielen. Wenn ich mehr Geld einsetze, als ich ursprünglich einzusetzen bereit war. Und: Wenn ich im Zusammenhang mit dem Spielen anfange, zu lügen. Wer diese Verhaltensweisen an den Tag legt, ist definitiv gefährdet. 

Wie erleben Sie jene Menschen, die Ihnen ihre Spielsucht gestehen?

Köhlmeier: Unterschiedlich. Es gibt solche, die während der Beratung richtiggehend emotional zusammenbrechen und bitterlich weinen. Dann gibt es aber auch andere, bei denen die Einsicht noch nicht wirklich da ist, und die ihr Tun noch irgendwie zu rechtfertigen versuchen.

Wie funktioniert eine erfolgreiche Suchttherapie?

Köhlmeier: Sie funktioniert dann, wenn es der Spieler schafft, nicht mehr an die Spielorte hinzugehen. Wenn er Vertraute hat, die er in schwierigen Situationen kontaktieren kann. Wenn er seine Persönlichkeit insofern weiterentwickelt, dass er mehr Selbstvertrauen bekommt. Das sind einige der wichtigsten Faktoren.

Wie hoch ist die Erfolgsquote bei Ihrer Beratung?

Köhlmeier: Wir haben keine Evaluierungsinstrumente, die uns darüber klare Auskünfte geben würden. Wir bekommen höchstens ein Feedback von unseren Klienten oder deren Angehörigen. Ich muss sagen, dass ich mich sehr freue, wenn es positive Rückmeldungen gibt. Jedes Erfolgserlebnis tut dir gerade auch als Beraterin sehr gut.

Es gibt Klienten, die bei uns emotional zusammenbrechen.

Christine Köhlmeier

Zur Person

Christine Köhlmeier

Christine Köhlmeier ist die Leiterin der Suchtberatungsstelle Clean, die zur Stifung Maria Ebene gehört. Sie studierte an der Universität Innsbruck Religionspädagogik und Psychotherapie. Christine Köhlmeier lebt in Bregenz und hat eine Tochter.