Anrainer protestieren gegen „Lauterach West“

Vorarlberg / 27.07.2016 • 18:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vom geplanten Bahnhofsgebäude bis zur Grundstücksgrenze von Eberhard Stimpel (r.) und Adrian Peer sind es knapp 5,5 Meter. Foto: Ger
Vom geplanten Bahnhofsgebäude bis zur Grundstücksgrenze von Eberhard Stimpel (r.) und Adrian Peer sind es knapp 5,5 Meter. Foto: Ger

Die Initiative will sich mit allen Mitteln gegen die geplante Zughaltestelle wehren. 

Lauterach. (VN-ger) „Überdimensioniert, unnötig und nicht effizient“: In Lauterach formiert sich Widerstand gegen die neue Zughaltestellte „Lauterach West“. „Wir werden uns massiv dagegen wehren“, verspricht Eberhard Stimpel, der gemeinsam mit Adrian Peer und Wolfgang Metzler die Sprecherfunktion unter den Anrainern übernommen hat. Ein Anwalt wurde bereits eingeschaltet. Um nicht nur als Nachbarn, sondern auch als Bürgerinitiative Parteistellung im UVP-Verfahren zu bekommen, sollen mindestens 200 Unterschriften gesammelt werden. „Außerdem werden wir im Umkreis von 500 Metern der geplanten Haltestelle jeden Hausbewohner befragen“, führt Stimpel aus.

„Kein Bedarf“

Wie mehrfach berichte,t wollen die ÖBB im Frühjahr 2018 ein 97 Millionen Euro teures Projekt zwischen Lauterach und Lusten­au in Angriff nehmen. Neben dem zweigleisigen Ausbau des Abschnitts Lauterach-Hard und dem Umbau der Haltestelle Hard-Fußach ist dabei auch die Errichtung der neuen Haltestelle Lauterach West geplant. Während die Gemeinde und das Land in dem Vorhaben große Chancen orten, ist die Kritikpunkteliste der Anrainer lang.

„Es wird etwas hergestellt, das niemand braucht“, sind sich Stimpel und Peer einig. „Wir sind zu Fuß in sechs Minuten und 40 Sekunden beim Bahnhof Lauterach Mitte, mit dem Fahrrad sind es vier Minuten und mit dem Bus zwei Minuten.“ Abgesehen davon sei die geplante Haltestelle eindeutig überdimensioniert. „Für uns ist das keine Haltestelle, sondern ein kleiner Bahnhof“, verweist Eberhard Stimpel auf den sieben Meter hohen Liftturm auf der Südseite und das sechs Meter hohe Gebäude. Kritik üben die Anrainernsprecher außerdem an den ihrer Meinung nach nicht nachvollziehbaren Dokumentationen der ÖBB, die der Realität nicht entsprächen. So sei von 1500 Einwohnern die Rede, die im Umkreis von 500 Meter wohnen würden. Stimpel hingegen kommt bei seinen Berechnungen auf knapp 600 Einwohner und Baugrundreserven für 50 Einfamilienhäuser. Ins Treffen geführt werden nicht zuletzt Belastungen durch Licht, Lärm, Feinstaub oder Elektrosmog.

Staulösung?

Die Gemeinde sieht „Lauterach West“ als Möglichkeit, die Staus und den daraus resultierenden Schleichverkehr in den Griff zu bekommen. „Es kann uns gar nichts Besseres passieren, als dass wir eine zweite Haltestelle bekommen. Wir erschließen damit für die Bahn ein neues Einzugsgebiet“, argumentiert Stefan Stöckler, Gemeinderat für Infrastruktur. Auch das Argument, dass das Gebäude zu groß sein soll, kann er nicht nachvollziehen: „Diese Höhe hat jedes Einfamilienhaus.“ Die Haltestelle nicht zu bauen werde schwierig: „Aber ich sehe die ÖBB als konstruktiven Projektpartner, mit dem Lösungen entwickelt werden können“, betont der Gemeinderat.

Laut Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser habe man sich schon genau überlegt, wo die Haltestelle hinkommen soll. Dass der Mensch so ausgestaltet ist, dass er längere Wege bis zu einer Haltestelle in Kauf nimmt, glaubt Rüdisser nicht. Dennoch sei das letzte Wort noch nicht gesprochen. Zum einen gelte es, die Einwände der Anrainer im Rahmen des UVP-Verfahrens zu prüfen. „Meiner Meinung nach sollte man eine Lösung finden, die auf breiter Akzeptanz beruht“, ortet der Landesstatthalter noch Optimierungspotenzial.

„Für uns ist das keine Haltestelle, sondern ein kleiner Bahnhof“, sagen die Anrainer.  Foto: ÖBB
„Für uns ist das keine Haltestelle, sondern ein kleiner Bahnhof“, sagen die Anrainer. Foto: ÖBB