Bernhard ist nicht allein zu Hause

Vorarlberg / 19.08.2016 • 19:40 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Bernhard zwischen seiner Freundin Carina und „Ma hilft“-Patin Marlies Müller. Foto: VN/Steurer
Bernhard zwischen seiner Freundin Carina und „Ma hilft“-Patin Marlies Müller. Foto: VN/Steurer

15 Monate nach seinem Schicksalsschlag ist Bernhard Smrekar wieder bei seiner Familie.

Hittisau. Im Haus der Smrekars – das Gasthaus Ochsen in Hittisau – hat sich einiges verändert. Beim Eingang sorgt eine Aluminiumrampe für Barrierefreiheit, im Wohnbereich wurden allerlei Veränderungen vorgenommen. Die schönste Änderung passierte am 9. August. Es war der Tag, als Sohn Bernhard (31) wieder nach Hause kam, nach fast
15 Monaten Abwesenheit. Ein Festtag.

Tränen des Vaters

Natürlich ist es ein anderer Bernhard als jener kerngesunde, voll aktive junge Mann, der er vor dem 12. Mai 2015 war. Als er im Auto fahrend eine schwere Gehirnblutung erlitt, die ihn fast das Leben kostete und die ihn zum Pflegefall machte – die VN berichteten. Seit diesem Tag war er in Krankenhäusern, Reha-Stationen, Spezialkliniken. „Es war so schön, als wir ihn zum ersten Mal wieder in sein Vaterhaus bringen konnten“, erzählt Mama Helga (60), während es Vater Dietmar die Tränen aus den Augen drückt. „Als wir ihn kurz in die Gaststube brachten und alle zusammen bei ihm saßen, hat mein Mann hemmungslos geweint.“

Für ihn da

Zusammenhalt – das ist bei den Smrekars mehr denn je das Lebensmotto. Egal ob Bernhards Eltern, seine  Schwestern und vor allem seine Freundin Carina: Sie sind für ihren Bernhard da. Und zu Hause sind sie ihm jetzt ganz nah.

Gerade ist jene Firma im Haus, die dem Heimkehrer seinen für ihn angepassten Bewegungstrainer installiert. Carina hört sich jedes Wort genau an und bedient das Gerät mit höchster Konzentration. Noch hat die 31-Jährige Urlaub und verbringt jede freie Minute bei ihrem Bernhard, den sie bedingungslos unterstützt und in jeder freien Minute betreut. Bernhard selbst beobachtet das Geschehen rund um ihn herum. Obwohl er weder reden noch gehen kann, bekommt er alles voll mit. Er kann sich durch Zeichen und kleine Gesten bemerkbar machen, im linken Arm ist ihm ein Rest von Mobilität geblieben.

Genug von Spitälern

„Bernhard hat während seines Aufenthalts in einer Spezialklinik in Füssen viele Fortschritte gemacht“, erzählt sein Vater. Einschränkung: „Natürlich geht das alles sehr, sehr langsam, und die Fortschritte sind klein. Aber es geht weiter.“ Zuletzt hatte Bernhard in der Füssener Klinik jedoch Verdruss artikuliert.

„Das hatte aber nichts mit der Behandlung zu tun. Die ist dort ausgezeichnet. Aber er wollte einfach nicht mehr in einem Krankenhaus sein. Als wir von zu Hause sprachen, hat er uns positive Signale ausgesendet.“ Am Dienstag vor einer Woche war es dann so weit. Mama Helga fuhr mit dem Pkw zur Klinik ins Ostallgäu und brachte Bernhard nach Hause. „Als wir hier waren, hat er gelacht“, berichtet die Mama. Nachsatz: „Und lachen tut er nicht so oft.“

Perfekt haben die Smrekars und Freundin Carina für ihren Bernhard im Haus alles eingerichtet: barrierefreie Dusche, Spezialbett, Adaptierung der anderen Zimmer, ein großer, neuer Fernseher.

Dosieren

Sehr behutsam gewöhnen sie den heiß ersehnten Heimkehrer an seine neue alte Umgebung. „Es soll alles getan werden, dass es ihm gut geht. Wobei das Beste für unseren Buben gerade gut genug ist“, dokumentiert Papa Dietmar seinen totalen Unterstützungswillen. Bernhard war schon bei den Nachbarn, bekommt viel Besuch. „Trotzdem müssen wir alles noch ein bisschen dosieren – nur dass es ihm nicht zu viel wird“, erklärt die Mutter.

Gerührt vom Schicksal Bernhards und dem Zusammenhalt ist „Ma hilft“-Patin Marlies Müller (69). „Es ist schön zu sehen, wie ihr in diesen schweren Zeiten zu Bernhard steht“, streut sie den Smrekars Rosen. „Ma hilft“ wird Bernhard den neuen Bewegungstrainer finanzieren. Geholfen haben auch schon andere. Zum Beispiel die Mitglieder des Vereins „Fescht Healfa“. Sie haben kürzlich zugunsten von Bernhard eine große Veranstaltung auf die Beine gestellt und dabei einiges Geld gesammelt.

VN-Bericht vom 22. Juli 2016.
VN-Bericht vom 22. Juli 2016.