Vorarlberger mit schlechten Karten für den Arztberuf
Heuer schafften nur
34 von 247 Vorarlberger Kandidaten die Zulassung für eine MedUni.
Bregenz. „Es hat schon schlechter ausgesehen“, resümiert Ärztekammerpräsident Michael Jonas ungewohnt zurückhaltend. „Aber auch schon besser“, räumt hingegen Gesundheitslandesrat Christian Bernhard ein. Denn heuer haben deutlich weniger Vorarlberger den Aufnahmetest für das Medizinstudium geschafft. Von den 247 Frauen und Männern, die angetreten sind, um einen Studienplatz zu ergattern, kamen gerade einmal 34 durch. Das sind um 15 Personen weniger als im vergangenen Jahr, wobei damals 226 Interessenten an der Zulassungsprüfung teilgenommen haben. Bernhard will das schlechtere Abschneiden jedoch nicht überbewerten und vermutet einen Ausreißer. „Es gibt weiterhin die volle Unterstützung für alle, die Human- oder Zahnmedizin studieren wollen“, versichert der Gesundheitslandesrat, der trotz Durchhänger im Ergebnis auch Positives orten konnte. Immerhin war von den Vorarlbergern jeder siebte Teilnehmer erfolgreich. Der Bundesschnitt lag bei acht Teilnehmern.
Land zahlt die Hälfte
Im Jahr 2010 erarbeitete eine Arbeitsgruppe eine Studie zur Sicherstellung der fachärztlichen Versorgung im Land. Als eine Maßnahme wurden Vorbereitungskurse und Probetests eingeführt. Die Intensivkurse sind ebenso wie die Vorbereitungslehrgänge jedes Jahr praktisch ausgebucht. Die Kosten von 200 bzw. 600 Euro trägt zur Hälfte das Land. Daran wird sich laut Christian Bernhard auch nichts ändern. „Die angebotenen Vorbereitungskurse werden im gleichen Umfang fortgeführt und gefördert“, kündigte Bernhard im VN-Gespräch an.
Ärztekammerpräsident Michael Jonas lässt weiterhin kein gutes Haar am Eingangstest für Medizinstudenten, weil die für den Arztberuf so wichtige Sozialkompetenz nicht einfach abgefragt werden könne. Diese sei nur durch Beobachten wirklich feststellbar. Dafür besänftigt ihn die aktuelle Aufnahmequote zumindest ein bisschen. Um die sich bis 2025 durch Pensionierungen bei den Kassen- und Spitalsärzten ergebenden Lücken schließen zu können, müsste Vorarlberg jährlich 34 neue Medizinstudenten aufbieten. „So gesehen liegen wir im Sollbereich“, sagt Jonas.
Unwägbarkeiten
Doch das „aber“ folgt auf dem Fuß. Der steigende Frauenanteil, die zunehmende Spezialisierung und die Wanderfreudigkeit der Jungmediziner treiben den Personalbedarf nach oben. „Frauen wollen nicht auf Familie verzichten, Männer ein Leben neben der Karriere führen, und 40 Prozent der Jungärzte gehen ins Ausland“, verdeutlicht Michael Jonas die Unwägbarkeiten. Deshalb müssten die Bedingungen für Ärzte im Land weiter optimiert werden, meint er, attestiert den Verantwortlichen gleichzeitig jedoch großes Bemühen darin. Es sei viel getan worden, um wettbewerbsfähig zu bleiben. „Doch das Ausland schläft nicht“, verweist der Ärztekammerpräsident auf die Schweiz, wo besonders großes Interesse an Medizinern aus Vorarlberg besteht. Jungen Leuten, die aus Überzeugung Medizin studieren wollen, hier aber keinen Platz finden, rät er, sich außerhalb der Grenzen zu informieren. „Riga, Budapest“, bringt Michael Jonas bekannte Unis ins Spiel.
Viele Jungärzte gehen nach dem Studium ins Ausland.
Michael Jonas
Es gibt die volle Unterstützung für alle, die Human- oder Zahnmedizin studieren wollen.
Christian Bernhard