Zähes Ringen um die Gleichstellung

Zumindest gibt es keinen Bereich, in dem sich die Ungleichheiten vergrößert hätten.
Bregenz. (VN-mm) Die Veränderungen, die sich im Lauf der vergangenen neun Jahre in Richtung Gleichstellung vollzogen haben, sind nicht wirklich spektakulär. „Das war zu erwarten“, räumt Landesrätin Katharina Wiesflecker ein. Nach der Aktualisierung der Gleichstellungsindikatoren sieht sie sich aber auf dem richtigen Weg.
Wo steht Vorarlberg inzwischen bei der Gleichstellung?
Wiesflecker: Es gibt Bereiche, in denen wir durchaus beachtliche Fortschritte machen. Es gibt Bereiche, wo es zumindest in kleinen Schritten vorwärts geht, leider aber immer auch noch solche, die kontinuierlich stagnieren.
In welchen Bereichen gibt es erkennbare Fortschritte?
Wiesflecker: Die neuen Indikatoren basieren auf einem Beobachtungszeitraum von acht bis neun Jahren, denn Veränderungen brauchen bekanntlich Zeit. Dabei hat sich gezeigt, dass wir uns bei den Leitungsfunktionen im Landesdienst auf einem recht guten Weg befinden. Hier hat sich der Prozentsatz an Frauen von 7,1 auf 14,2 Prozent verdoppelt. Ganz wesentlich ist für mich auch, dass es auf der nächstunteren Ebene gelungen ist, den Anteil der Frauen von 25,8 auf 46,2 Prozent zu erhöhen. Je mehr Frauen auf der Expertinnenebene tätig sind, umso leichter ist es, sie in Leitungspositionen zu bekommen.
Wie sieht es in den Schulen aus?
Wiesflecker: Auch im Pflichtschulbereich gibt es immer mehr Frauen in Leitungsfunktionen. Das gilt vor allem für Volks- und Mittelschulen. Was mir hier Sorge bereitet, ist, dass die Leitungsfunktion generell nicht mehr als sehr attraktiv bewertet wird. Oft haben wir nur noch eine Bewerbung.
Hat sich bei den geringfügigen Beschäftigungen etwas zum Besseren verändert?
Wiesflecker. Hier ist der Anteil der Frauen in den vergangenen neun Jahren von 74,5 auf 69,7 Prozent zurückgegangen. Das ist nicht wirklich viel, aber zumindest wächst das Bewusstsein, dass diese Art der Beschäftigung auch eine Armutsfalle darstellt.
Wie sieht es mit der Väterkarenz im Land aus?
Wiesflecker: Die Beteiligung der Väter an der Betreuung der Kinder ist minimal. Konkret stieg der Anteil der Männer, die in Väterkarenz gehen, von 1,1 auf 3,3 Prozent. Vorarlberg hat, und zwar mit Abstand, auch den geringsten Anteil an Vätern, die Kinderbetreuungsgeld beziehen (2,8 Prozent).
Welche Bereiche sind von einer, wie Sie sagen, kontinuierlichen Stagnation betroffen?
Wiesflecker: Die Teilzeitbeschäftigung ist nach wie vor ein Frauenthema, was naturgemäß mit der Familienarbeit zusammenhängt. In Zeiten vermehrter Familienarbeit können Frauen maximal in eine Teilzeitbeschäftigung gehen, weil Familienarbeit nach wie vor nicht entsprechend unter den Partnern aufgeteilt wird.
Wie schlägt sich das auf das Einkommen nieder?
Wiesflecker: Der Einkommensnachteil für Frauen liegt bei 50 Prozent. Das gilt auch für die Pensionen. Dazu kommt, dass die Arbeit unterschiedlich bewertet wird. Selbst im Vergleich der Vollzeitbeschäftigung liegt der Unterschied noch bei 30 Prozent. Daran gilt es zu arbeiten.
Wie muss diese Arbeit ausschauen?
Wiesflecker: Eine wichtige Rahmenbedingung ist der weitere Ausbau der Kinder- und Schülerbetreuung. Inzwischen steigen auch die Gemeinden viel stärker ein. Die Anschubfinanzierung des Bundes wird gut abgeholt, sie reicht uns fast nicht. Nächstes Jahr läuft sie aus, ich bemühe mich jedoch um eine Nachfolgeregelung. Ebenso können leistbare Tarife für die Kinderbetreuung den Wiedereinstieg erleichtern. Bei den Mädchen müssen wir mehr Bewusstsein für andere berufliche Perspektiven schaffen. Aber auch die Bewertung der Arbeit ist ein Thema. Da sind wir daran, den Bereich der Kindergartenpädagogik aufzuwerten. Im kommenden Jahr wollen wir das Projekt in Umsetzung bringen. Und natürlich geht es um die Schließung der Einkommensschere.
Die Beteiligung der Väter an der Kinderbetreuung ist minimal.
Katharina Wiesflecker