Empörung bei Bergrettern nach widersinnigem Großeinsatz

31.01.2017 • 21:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zu einer nächtlichen Suchaktion mussten am Wochenende mehrere Bergrettungen ausrücken. Symbolbild BR
Zu einer nächtlichen Suchaktion mussten am Wochenende mehrere Bergrettungen ausrücken. Symbolbild BR

40 Bergretter suchten vergeblich nach einem Unfallopfer, das bereits in der Klinik lag.

Schruns. Auf der Piste 10 im Skigebiet Silvretta Montafon begann am Sonntag um 10.45 Uhr eine fatale Verkettung unglücklicher Umstände. Ein 42-jähriger deutscher Snowboarder stürzte bei einem Sprung über eine Geländekuppe so unglücklich, dass er eine Querschnittlähmung erlitt. Die Pistenrettung der Silvretta Montafon GmbH (SiMo) barg den Schwerstverletzten und ließ ihn vom Rettungshubschrauber der Schenk Air in die Universitätsklinik nach Innsbruck fliegen.

Wer von all dem nichts wusste, waren die Mitglieder der deutschen Snowboardergruppe, der der Verunglückte angehörte, und die ihn am vereinbarten Treffpunkt nach der getrennten Abfahrt vermissten. Sie warteten vergebens, Kontaktversuche mittels Handy und SMS blieben erfolglos. Ahnungslos waren auch die Rettungsfeuerwehrleitstelle (RFL), Bergrettung St. Gallenkirch und Polizei, bis sie von der Gruppe erst gegen Abend von einer Pension aus per Notruf über den Abgängigen informiert wurden. Eine großangelegte Rettungsaktion startete. Wie die VN von einem der Alpinretter erfuhren, begaben sich zunächst 14 Mann der Bergrettung St. Gallenkirch, aufgesplittert in sechs Gruppen, über das Gelände und auch per Bahn in den Bereich der Grasjochbahn, um den Vermissten zu suchen. „Da es kein Lebenszeichen von ihm gab, gingen wir davon aus, dass er bereits tot war“, so der Bergretter zu den VN.

Helikopter aus Klagenfurt

Denn auch Anrufe bei verschiedenen Vorarlberger Krankenhäusern, aber auch Gasthäusern, hatten im Vorfeld zu keinem Ergebnis geführt. Der Einsatz im bereits finsteren, hochalpinen Gelände sollte sich schließlich zu einer Großaktion entwickeln. „Wir alarmierten zusätzlich die Bergrettungen von Schruns-Tschagguns und Partenen mit Fahrzeug sowie die Feuerwehr Bregenz mit ihrer Drohne mit Wärmebildkamera. Schließlich wurde auch noch der ebenfalls mit einer Wärmebildkamera ausgestattete FLIR-Hubschrauber des Innenministeriums aus Klagenfurt angefordert“, schilderte der Bergretter weiter. Insgesamt waren schlussendlich rund 40 Mann im Einsatz, als die Bergretter spät in der Nacht ein verwirrender Anruf erreichte.

Kriminalamt informiert

Denn da sich eine Handyortung vor Ort im Montafon als unmöglich erwies, wurde eine weitere wichtige Agenda an das Vorarlberger Landeskriminalamt übergeben: die verstärkte Handyortung der Ermittler von Bregenz aus. Mit verblüffendem Ergebnis: „Denn es ergab sich, dass sich das Mobiltelefon des Abgängigen im dritten Stock einer Straße in Innsbruck befand“, sagte der Bergretter. Eine verständigte Tiroler Sektorenstreife stieß dann schließlich in der Universitätsklinik Innsbruck auf den deutschen Patienten, nach dem im Montafon seit Stunden verzweifelt gesucht wurde. „Wäre auch die RFL von der SiMo-Rettungszentrale informiert worden, wäre uns der ganze sinnlose Einsatz erspart geblieben“, kritisiert der Bergretter. Bergungen nach Alpinunfällen seien nämlich plangemäß zunächst von den Hubschraubern des ÖAMTC (C 8), Gallus 1 und erst danach von der Schenk Air durchzuführen. Doppeltes Unglück für den querschnittgelähmten Deutschen: Er wird finanziell nicht nur für den Einsatz der Schenk Air aufkommen müssen, sondern auch für die Kosten des Bergrettungseinsatzes. Und die Kosten einer Rettungsaktion sind enorm. Ein Einsatz der Bergrettung kostet durchschnittlich 1000 Euro in der ersten Stunde und für jede weitere Stunde 600 Euro. Ganz zu schweigen von einem etwaigen Hubschrauber­einsatz.

In erster Linie ist schnellstmögliche Hilfeleistung wichtig.

Peter Marko
Ebenfalls im Einsatz war ein Heli mit Wärmebildkamera. VN/HB
Ebenfalls im Einsatz war ein Heli mit Wärmebildkamera. VN/HB