Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Braucht man das?

Vorarlberg / 07.03.2017 • 18:35 Uhr

Er soll auch noch rasch ein paar Eier mitbringen. Der Anruf ereilt ihn ausgerechnet bei den italienischen Rotweinen. Aber er klingt blöderweise so, als dulde es wenig Aufschub. Also trabt er zum Kühlregal.

Ein paar Eier. Vermutlich bei der Milch, links neben der Butter. Aber das alles gibt es nicht. Wenig später weiß er das. Es gibt nicht „die Eier“ oder „die Milch“. Es gibt stattdessen große, mittelgroße und kleine Eier. Alpenmilch und Heumilch und Vollmich. Es hagelt Güteklassen allerorten. Ein Hochfest der Verpackungsindustrie.

Die Eierkartons sind übrigens lindgrün und dottergelb. Hübsch anzusehen. Und alle, aber auch wirklich alle Eier stammen von glücklichen Hühnern. Ach was, glücklich – da muss eine jede Henne ihrem ovalen Sprößling wenigstens noch einen zarten Flügelschlag mit auf den Weg gegeben haben, so glücklich sind die!

Und da steht er nun also und liest ungläubig staunend von Bodenhaltung und Freilauf, und alles ist garantiert. Das scheint überhaupt das Wort des Jahres zu sein: garantiert! Und so ist er sich also garantiert unsicher, ob er überhaupt noch Lust hat auf die Kässpätzle, deren Zubereitung seine totale Verwirrung eben im Weg steht. Braucht man das wirklich alles? Gott, sind manche ­Menschen unbedarft. Er fragt trotzdem: Braucht man das? Achterlei Milch, zwölf verschiedene Eier, wenigstens so viele Butter­varianten …?

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