„Wichtiges Instrument für Chancengleichheit“

Vorarlberg / 19.03.2017 • 18:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein Herz für die Ganztagsschule. Viel wird in diese neue Schulform investiert. Foto: VN/Paulitsch
Ein Herz für die Ganztagsschule. Viel wird in diese neue Schulform investiert. Foto: VN/Paulitsch

Ganztagsschule in Vorarlberg. Großzügiger Ausbau und Millionen-Investitionen.

Bregenz. Sogar ein kritischer Geist wie der Grünen-Bildungssprecher im Nationalrat, Harald Walser (63), lobt: „Es wurde in den letzten Jahren auch in Vorarlberg ein massiver Aufwand für den Ausbau von Ganztagsschulformen betrieben.“ Freilich bemüht sich Walser hinzuzufügen, dass „wir diesbezüglich auch einen riesigen Nachholbedarf haben“. Und klar auch: Die Grünen sitzen jetzt mit in der Landesregierung. Die Ganztagsschule war schon immer eines ihrer Steckenpferde.

750 Millionen Euro

Ganztagsschule hat verschiedene Gesichter. Sie existiert als Ergänzung zum normalen Unterricht in Form von Mittags- und Nachmittagsbetreuung. Es gibt sie aber auch als sogenannten verschränkten Ganztagsunterricht. Das heißt: Schule ist den ganzen Tag und besteht aus einer pädagogisch durchdachten Mischung von Unterricht, Lernphasen, Ruhezeit, Essenszeit und Freizeitphasen. Für Pädagogen ist diese Form der Ganztagsschule die ideale.

750 Millionen Euro stellt der Bund aus der Bankenabgabe allein für das Projekt Ganztagsschule zur Verfügung. Unter dem Titel Bildungsinvestitionsgesetz fließen die Gelder im Zeitraum zwischen 2017 und 2025. 500 Millionen Euro aus diesem Topf erhalten die Bundesländer entsprechend ihrer Einwohnerzahl als fixen Sockelbetrag. Die restlichen 250 Millionen Euro sind eine „flexible Masse“ und werden je nach konkretem Bedarf zugeteilt. Für Vorarlberg wird es bis 2025 fix 19 Millionen Euro geben. Für 2017 investiert das Land in die Ganztagsbetreuung zusätzlich 1,5 Millionen Euro.

Zentrales Anliegen

„Die Ganztagsbetreuung ist für uns ein ganz zentrales Anliegen in den nächsten Jahren“, sagt Schullandesrätin Bernadette Mennel. Was sie bewirken soll, liegt laut Mennel auf der Hand: „Ganztagsschulformen sind ein wichtiges Instrument zur Schaffung von Chancengleichheit. Davon profitieren vor allem Kinder aus bildungsfernen Schichten.“ Dass es in Vorarlberg viele davon gibt und dies auch mit den vielen Familien mit Migrationshintergrund zu tun hat, ist offensichtlich.

Einen Appell richtet Mennel gerade jetzt an die Eltern: „Jetzt ist Anmeldezeit an den Schulen. Eltern sollen dort den Betreuungsbedarf für ihre Kinder bekannt geben.“

Die Schullandesrätin will nicht nur die Zahl der Ganztagsbetreuungsmöglichkeiten erweitern, sondern auch die Qualität. „Natürlich denke ich da an ein entsprechendes Angebot für verschränkten Ganztagsunterricht.“

Die Qualität der Ganztagsbetreuung hat ganz besonders die Landesschulinspektorin für Pflichtschulen, Karin Engstler (59), auf ihre Fahnen geheftet. „Ich fordere bei Ganztagsschulformen regelmäßig Qualitätskonzepte ein.“ Laut Engstler gibt es beim konsequenten Ausbau von Ganztagsbetreuungsmodellen jedoch ein Problem: „Das ist die Wahlfreiheit. Sie macht die Planbarkeit von Ganztagsprojekten nicht einfach.“ Soll die Wahlfreiheit fallen? „So weit möchte ich nicht gehen. Ich denke, dass sich vieles über die Qualität regeln kann. Passt die, dann melden Eltern ihre Kinder gerne für Ganztagsmodelle an. Und sie bleiben dann auch dort.“

9250 Schüler betreut

In Vorarlberg nutzen derzeit 9250 Schülerinnen und Schüler Ganztagsangebote. Das ist ein Drittel aller Pflichtschüler. Bundesweit soll es bis zum Jahr 2025 für 40 Prozent aller Schüler Ganztagsangebote geben. Dieses Ziel hat die Bundesregierung klar definiert.

Die Wahl­freiheit macht das Planen nicht einfach.

Karin Engstler

Ganztagsbetreuung in Vorarlberg

» Aktuell 9250 Schülerinnen und Schüler

» Das ist ein Drittel aller Pflichtschüler, die Mittags- und Nachmittagsbetreuung oder verschränkten Ganztagsunterricht in Anspruch nehmen.

» Ganztagsbetreuung an 22 Volks-, Mittel- und Polytechnischen Schulen sowie Gymnasien.

» 68 ganztägig verschränkte Klassen

» 7950 Schülerinnen und Schüler besuchen eine schulische Mittags- und Nachmittagsbetreuung

» 1300 Schülerinnen und Schüler sind in verschränkten Ganztagsklassen­

» Vorarlbergs fixer Anteil an der 750- Millionen-Euro-Bankenabgabe für Ganztagsschulformen bis 2025: knapp 19 Millionen Euro.

Bundesgeld

» 2017: 880.421,20 Euro

» 2018: 2.641.263,60 Euro

» 2019/2020: 2.861.368,90 Euro

» 2021 und 2022:
2.641.263,60 Euro

» 2023: 2.201.053,00 Euro

» 2024: 1.540.737,10 Euro

» 2025: 572.273,78 Euro