Türkei empört sich über Artikel in Kinderzeitung

Vorarlberg / 07.04.2017 • 16:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dieser Artikel in einer Schülerzeitung erhitzt die Gemüter in der Türkei.
Dieser Artikel in einer Schülerzeitung erhitzt die Gemüter in der Türkei.

Erdogan als Machtmensch beschrieben. Vorarlberg im Visier türkischer Medien.

Bregenz. Die Namen Vorarlberg und Dr. Bernadette Mennel (57) sind in der Türkei über Nacht landesweit in die Schlagzeilen geraten. Grund dafür ist ein kleiner Artikel in der Kinderzeitung „Pausenzeitung“, die in Kooperation mit den Vorarlberger Nachrichten an einigen Vorarlberger Volksschulen derzeit als Unterrichtsmaterial getestet wird. Darin steht zum Thema Türkei unter anderem: „Leute, die nicht seiner Meinung sind, duldet der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nicht. In den letzten Monaten hat er viele seiner Gegner ins Gefängnis sperren lassen“ . . . „Er möchte in Zukunft wichtige Gesetze und Regeln alleine bestimmen und Politiker, die gegen ihn sind, einfach entlassen können.“

Prompte Reaktion

Türkische Reaktionen erfolgten prompt. Am Dienstag um 6.25 Uhr langte ein Mail im Büro von Schullandesrätin Bernadette Mennel ein. Von einem türkischen Journalisten der regierungsnahen Zeitung „Havadis“, der dem Landesschulrat vorwarf, politische Hetze zu tolerieren und dadurch die Integration zu gefährden. Der Journalist meldete sich auch telefonisch im Büro der Schullandesrätin. „Wir haben ihm mittgeteilt, dass wir die dafür zuständige Stelle in der Schulabteilung mit der Angelegenheit betrauen werden“, berichtet Mennel. Diese Stelle war Landespflichtschulinspektorin Karin Engstler (59). Sie teilte dem Journalisten mit, dass die inhaltliche Verantwortung bei den Vorarlberger Nachrichten lägen. Eine Kontaktnahme mit den VN erfolgte bisher nicht.

Medien-Wirbel

Eine Kontaktnahme erfolgte hingegen vom türkischen Generalkonsulat in Vorarlberg mit dem Büro der Schullandesrätin. „Die Anruferin wollte einen Termin mit Frau Mennel. Wir haben darauf verwiesen, dass wir in dieser Sache nicht zuständig sind“, erzählt die Sekretärin der Landesrätin. Die VN ließ das Konsulat wissen: Es werde in der kommenden Woche vom Generalkonsul Cemal Erbay eine schriftliche Stellungnahme zur Causa geben.

In der Türkei machen landesweit ein gutes Dutzend Medien Stimmung und erheben  den Vorwurf des Türken-Hasses an österreichischen Grundschulen.

„Das ist typisch für die Strategie Erdogans vor dem Referendum: Die Türkei umringt von Feinden. Darum braucht es ihn, den Retter und Beschützer des Landes“, erklärt Heinz Gstrein, Türkei-Korrespondent der VN. Dieses Ereignis zeige auch, wie die Erdogan-Türkei Menschen bespitzele und alles genau beobachte.

Wallner erbost

Als eine „Provokation, der wir uns sicher nicht beugen werden“, empfindet Landeshauptmann Markus Wallner (49) die Angriffe vom Bosporus auf das kleine Vorarlberg. „Wenn jemand meint, er könne uns zensurieren, dann hat er sich getäuscht. Die Inhalte einer Zeitung bestimmen wir schon selbst. In dieser Schülerzeitung wird in einfachen Worten erklärt, wie es in der Türkei zugeht.“ Deutlich zeige sich in einem solchen Fall der Unterschied zwischen der Türkei und Österreich. „Bei uns herrscht Pressefreiheit, dort nicht.“

Ich empfinde diese Vorgangsweise als Provokation, der wir uns  nicht beugen werden.

Markus Wallner