Notschlafstellen für Bettler schließen am Samstag

11.04.2017 • 17:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sechs Frauen mit insgesamt acht Kindern nutzten die Winternotschlafstellen der Kinder- und Jugendhilfe. Foto: VN/Steurer
Sechs Frauen mit insgesamt acht Kindern nutzten die Winternotschlafstellen der Kinder- und Jugendhilfe. Foto: VN/Steurer

Im Winter konnten Notreisende in den Quartieren in Feldkirch und Bregenz unterkommen.

Schwarzach. Bettler, Notreisende, Armutsmigranten – wie auch immer man Menschen bezeichnet, die zum Betteln nach Vorarlberg kommen und kein Dach über dem Kopf haben; im Winter haben sie es besonders schwer. Wie schon im Vorjahr wurden im Land ab November Winterquartiere zur Verfügung gestellt. Diesmal nicht an einem eigenen Ort, sondern in den allgemeinen Notschlafstellen in Bregenz und Feldkirch. Am Samstag endet dieses Angebot, die Notschlafstellen schließen für bettelnde Menschen wieder. Schon heute, Mittwoch, werden die Plätze für besonders schutzwürdige Personen aufgelöst, also für Mütter mit Kindern.

Geordneter Ablauf

Nachdem das Land schon vor einem Jahr mit der Situation gekämpft hatte, wollte es auch in diesem Winter ein befristetes Angebot für Notreisende schaffen. Dass die Quartiere dieser Personengruppe nur im Winter zur Verfügung stehen, war jedoch von Beginn an klar. Erwachsene Armutsmigranten erhielten jeweils für einige Tage Zugang zu den Notschlafstellen der Caritas in Feldkirch und von Dowas in Bregenz. Anders als im letzten Jahr sei die kurzfristige Unterbringung von Armutsmigranten aus der EU geordnet abgelaufen, blickt Michael Natter, Projektkoordinator der Caritas, zurück: „Es hat sich gezeigt, dass das aber nur mit einer engagierten und vermittelnden Sozialarbeit möglich ist.“ Als es im Jänner besonders kalt wurde, öffneten zudem zwei weitere Notquartiere für jeweils 15 Personen, um die Minustemperaturen zu überstehen. Außerdem haben die Betroffenen dadurch Zeit erhalten, die Weiter- oder Heimreise zu planen. „Das war nur durch intensive Streetworkarbeit des Kontaktprojekts ‚EU-Armutsmigranten in Vorarlberg‘ möglich und lief damit in doch sehr schwierigen, existenziellen Situationen geordnet ab“, führt Natter aus. Mütter mit Kindern erhielten außerdem einen befristeten Zugang zu Plätzen der Kinder- und Jugendhilfe. Spätestens heute müssen sie ausziehen. Das Angebot sei hauptsächlich im Jänner angenommen worden, zwischen November 2016 und heute sind insgesamt sechs Frauen und acht Kinder untergekommen. Trotz dieser Maßnahmen haben zwischen 15 und 30 Armutsmigranten im vergangenen Winter auf der Straße gelebt oder zumindest an sehr prekären Schlafplätzen übernachtet, fährt Natter fort: „Es ist immer eine Mischung von Eigenverantwortung und humanitären Angeboten, die man der oft sehr ausgegrenzten Gruppe als Hilfe zukommen lassen muss.“ Der heurige Winter habe gezeigt, dass man diese Gruppe nicht vergessen und verdrängen solle: „Es ist wichtig, mit ihnen im Gespräch zu bleiben“, sagt Natter. Ganzjährige Quartiere sind aber nicht vorgesehen, wie die Landesregierung schon mehrfach betonte. Die Befürchtung geht dahin, dass zu viel Hilfe zu mehr Armutsmigration führt, und sich mehr Menschen aufmachen, um in Vorarlberg zu betteln.