Uniformierte gegen das tägliche Verkehrschaos

Vorarlberg / 19.04.2017 • 16:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Stau, Stau, Stau: Der Grenzübergang von Lustenau in die Schweiz kann morgens zur Tortur werden. Foto: VN/Hartinger
Stau, Stau, Stau: Der Grenzübergang von Lustenau in die Schweiz kann morgens zur Tortur werden. Foto: VN/Hartinger

Am Grenzübergang Lustenau-Au sollen bald Aufpasser für Ordnung sorgen.

Lustenau. Die Klagen werden immer mehr und immer intensiver. Ebenso wie der Verkehr, der am Morgen jedes Werktags die Grenzübergänge zur Schweiz verstopft und zu längeren Wartezeiten führt. Speziell bei Lustenau-Au, dem einzigen Grenzübergang, der 24 Stunden offen hat, kann die Grenzpassage zu einem zeitraubenden und nervenaufreibenden Unterfangen werden. Dann, wenn man von Schwerfahrzeugen eingekesselt ist und das unkoordinierte Fahrverhalten der Lkw-Lenker alles blockiert. Immer lauter wird dabei die Forderung nach uniformierten Verkehrsaufsichtsorganen, die zu den Stoßzeiten den Verkehr regeln und so die Stauerscheinungen wenigstens reduzieren. Prinzipiell gibt es von den Verantwortlichen auch eine Bereitschaft dazu. Die Frage ist nur: Wer stellt das Personal? Der Zoll? Oder doch die Polizei? Bisher schoben die zwei Institutionen sich die Verantwortung gegenseitig zu.

Stehsätze aus Wien

Vom Zoll haben die im Land verantwortlichen Mitarbeiter zu dieser Frage einen Maulkorb erhalten. Vom Finanzministerium aus Wien gibt es dazu nur Stehsätze: „Wir versuchen im Rahmen unserer Tätigkeiten und Möglichkeiten eine Regelung des Verkehrs zu unterstützen“, sagt Johannes Pasquale vom Finanzministerium in Wien. Laut § 97 der Straßenverkehrsordnung sind beide Institutionen berechtigt, den Verkehr im Grenzbereich zu regeln. Laut VN-Informationen könnten letztlich speziell geschulte Zollwachbeamte diese Aufgabe übernehmen.

Unkundige Lkw-Fahrer

Für den Leiter der Verkehrsabteilung im Landespolizeikommando, Rudolf Salzgeber, ist der Einsatz von Verkehrsreglern zwar nicht die Lösung des komplexen Verkehrsproblems an den Grenzübergängen, „aber man könnte dadurch die Situation gewiss etwas entspannen“. Viele der Lkw-Fahrer, die über die Grenze fahren, sind ortsunkundig und sprechen auch nicht Deutsch. Sie halten sich nicht an die geltenden Regeln und verstehen nicht, dass nur die vorabgefertigten Fahrzeuge freie Fahrt zur Grenze haben, die anderen hingegen von einer Ampel reguliert werden sollten. Das Rot-Signal wird dabei oft ignoriert, Lkw blockieren die Brücke und sorgen innerhalb kürzester Zeit für ein Chaos.

Es brauche sehr gut geschulte Verkehrsaufsichtsorgane, heißt es vonseiten des Zolls. Diese müssten die verschiedenartigen Fahrgenehmigungen der Lkw-Lenker rasch erkennen und entsprechend handeln.

Unmut nimmt zu

Der zunehmende Unmut über die chaotischen Zustände an den Grenzübergängen bringt die Verantwortlichen unter Druck. Kurz vor Ostern wurde im Land kurzfristig eine Besprechung mit den Verantwortlichen anberaumt. „Wir haben dabei weitere Optimierungsmaßnahmen zur schnelleren Abwicklung des Verkehrsaufkommens zu den Stoßzeiten besprochen. Dazu gehörte auch die Prüfung einer breiteren Auffächerung des Lkw-Verkehrs, aber auch der Einsatz von Verkehrsaufsichtsorganen zu den kritischen Zeiten“, berichtet Verkehrsexperte und AG-Koordinator Jörg Zimmermann. Bei der Besprechung waren unter anderem Vertreter von Zoll und Polizei aus Vorarlberg und der Schweiz, aber auch Bürgermeister dabei.

Der Lustenauer Gemeindechef Kurt Fischer, täglich mit Klagen von Pendlern konfrontiert, will eine schnelle Entspannung. Aber auch für ihn ist wie für andere klar: „Das Verkehrsaufkommen ist in Summe speziell an unserer Grenze zu hoch. Langfristig brauchen wir die große Straßenlösung durchs Ried.“ Verstopft ist die L 203 vor der Grenze auch an Wochen­enden, dann durch die Pkw unzähliger Einkaufstouristen.