22 Abschiebungen in den ersten drei Monaten

20.04.2017 • 17:09 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Frederic Wüstner spricht regelmäßig mit Jawed, der mittlerweile in Kabul lebt. Verabschieden konnten sie sich nicht mehr. Foto: VN/Hofmeister
Frederic Wüstner spricht regelmäßig mit Jawed, der mittlerweile in Kabul lebt. Verabschieden konnten sie sich nicht mehr. Foto: VN/Hofmeister

Heuer wurden schon fast so viele Menschen aus Vorarlberg abgeschoben wie im Vorjahr.

Hard, Bregenz. Nach langer Zeit wieder einmal eine gute Nachricht für Jawed. Er soll dieser Tage seine Geburtsurkunde erhalten, ein Flugzeug mit einem freiwilligen Rückkehrer bringt die Urkunde nach Kabul. Die Behörden haben bei seiner Abschiebung vergessen, ihm seine Papiere mitzugeben. Jawed ist 19 Jahre alt und lebt seit wenigen Wochen wieder in Afghanistan. Er ist einer von 22 Menschen, die in den ersten drei Monaten dieses Jahres aus Vorarlberg abgeschoben wurden. Sein Freund, der Harder Frederic Wüstner, kann sich noch genau erinnern: „Sie haben Jawed telefonisch in die Hohenemser Polizeistation gebeten. Dort hat er erfahren, dass er abgeschoben wird. Ich wollte mich noch verabschieden, aber sie haben nicht mehr auf mich gewartet.“ Das war am Sonntag, dem 26. März. Drei Tage später hob in Wien der Flieger ab.

Die Polizei lehne eine Verabschiedung nicht grundsätzlich ab, erklärt Andreas Degasperi, Leiter der Vorarlberger Fremdenpolizei: „Die Zeit ist oft sehr knapp. Natürlich lassen wir den Menschen genug Zeit, ihre Unterlagen zu sammeln. Aber so eine Aktion ist ziemlich durchkoordiniert. Es könnte etwa jemand in Innsbruck warten, der mitgenommen werden muss.“ Bei einer Abschiebung müsse vieles beachtet werden. „Wir gehen immer sensibel vor, weil wir wissen, dass sich die Betroffenen in einer Ausnahmesituation befinden.“ Im vergangenen Jahr sind insgesamt 28 Personen aus Vorarlberg abgeschoben worden, zudem gab es 51 Zurückschiebungen in Nachbarländer. Heuer wird diese Zahl deutlich steigen. In den ersten drei Monaten dieses Jahres wurden 22 Personen  ab- und 27 weitere in die Schweiz zurückgeschoben.

Weitaus höher ist die Zahl jener Menschen, die nach Vorarlberg zurück müssen. Im Vorjahr wiesen deutsche und Schweizer Zöllner 341 Flüchtlinge an der Grenze ab, 85 weitere wurden innerhalb der Nachbarländer aufgegriffen und zurückgebracht. Dazu kommen 42 Flüchtlinge, die über das Dublin-Abkommen wieder ins Land mussten. Auch diese Zahl steigt. In den ersten drei Monaten hat Deutschland 171 Fremden die Einreise verweigert. Degasperi rechnet heuer mit 700 Zurückweisungen.

Jawed hat die ganze Prozedur schon hinter sich. Er ist in Kabul bei einem Lkw-Fahrer untergekommen, den er kennengelernt hat. Jawed hätte zwar die Chance, für zwei Wochen in einem Übergangsquartier für Abgeschobene unterzukommen. Dann ließe ihn sein Gastgeber jedoch nicht mehr bei sich einziehen. Zumindest kann Jawed nun einmal um einen Pass und ein Konto ansuchen, sofern die Geburtsurkunde tatsächlich ankommt.