Gute 24-Stunden-Betreuung

Vorarlberg / 22.05.2017 • 20:28 Uhr
Gertrud Egle (M.) mit Betreuerin Gabriela Erdelyiova und Martin H. Staudinger. Foto: Ceren mutlu
Gertrud Egle (M.) mit Betreuerin Gabriela Erdelyiova und Martin H. Staudinger. Foto: Ceren mutlu

Erstmals liegen für Vorarlberg detaillierte Ergebnisse auf Basis von Hausbesuchen vor.

Bregenz. Und es schaut doch jemand hin: Seit die 24-Stunden-Betreuung vor gut zehn Jahren mithilfe finanzieller Förderungen aus der Illegalität geholt wurde, lässt das Sozialministerium regelmäßig Hausbesuche bei Pflegebedürftigen mit dieser Betreuungsform durchführen. Bislang erschöpften sich die Erkenntnisse allerdings in einer Zusammenfassung für ganz Österreich. Detaillierte Ergebnisse aus den Bundesländern gab es nicht. Damit ist es nun vorbei, zumindest für Vorarlberg. Martin H. Staudinger, Leiter des Sozialministeriumservice in Bregenz, wollte selbst auch „wissen, was Sache ist“. Erstmals liegt eine aktuelle Auswertung auf dem Tisch, und sie stellt der 24-Stunden-Betreuung ein respektables Zeugnis aus. „Die Qualität passt“, resümiert Staudinger zufrieden. Die Betreuten fühlen sich durchwegs vollständig und gut versorgt.

Hoher Informationsbedarf

In Vorarlberg nehmen derzeit 1310 Personen, das sind etwa sechs Prozent der Pflegegeldbezieher, eine 24-Stunden-Betreuung in Anspruch. Sie stellt neben der Pflege durch Angehörige oder Hauskrankenpflegevereine eine Variante dar, den Lebensabend möglichst lange im eigenen Zuhause verbringen zu können. Ab Pflegestufe 3 wird eine 24-Stunden-Betreuung außerdem vom Sozialministeriumservice monetär unterstützt. Verbunden damit sind Hausbesuche auf freiwilliger Basis. „Diplomierte Pflegepersonen erfassen anhand eines standardisierten Situationsberichts die konkrete Pflegesituation und Pflegequalität vor Ort“, erklärt Martin Staudinger das Prozedere. Doch es wird nicht nur kontrolliert. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Information und Beratung. Da scheint der Bedarf nach wie vor hoch. Denn bei 93 Prozent der Hausbesuche wurde dieses kostenlose Angebot in Anspruch genommen.

Abbau von Barrieren

Die Erhebung der Versorgungssituation erfolgt nach einem vom Forschungsinstitut für Altersökonomie der Wirtschaftsuniversität Wien entwickelten Konzept. Es umfasst sechs Lebensbereiche, die von der Betreuung und Pflege besonders beeinflusst werden: Wohnsituation, Körperpflege, medizinisch-pflegerische Versorgung, Ernährung inklusive Flüssigkeitszufuhr, hygienische Wohnsituation sowie Aktivitäten. In allen diesen Domänen zeitigt die 24-Stunden-Betreuung in Vorarlberg ein erfreulich positives Bild. „Es gab keine Bewertung, die auf einen gesundheitsrelevanten Verbesserungsbedarf hinweist“, kann Martin Staudinger auf ein „ausgezeichnetes Ergebnis“ verweisen. Wurden Empfehlungen der Prüfer abgegeben, handelte es sich vornehmlich um die Beseitigung von Barrieren im Wohnbereich bzw. den behindertengerechten Umbau von Sanitäranlagen. Im Zusammenhang mit der medizinisch-pflegerischen Versorgung haben Betreuungskräfte zuweilen Tätigkeiten ohne Delegation übernommen. In Vorarlberg war das bei 417 Hausbesuchen zwei Mal der Fall, was einem Wert von 0,24 Prozent entspricht. Österreichweit wurden 4950 Hausbesuche absolviert.

Zusätzliche Kontrollinstanz

Auffällig für Martin Staudinger war, dass 73 Prozent der 24-Stunden-Betreuungen ergänzend noch durchschnittlich ein Mal pro Woche die Dienste der Hauskrankenpflege in Anspruch nehmen. Im Vergleich zum Österreichschnitt, der bei bescheidenen 14 Prozent liegt, sei dieser Wert einzigartig. Für Staudinger bedeutet diese Präsenz eine zusätzliche Kontrollinstanz. „Die wöchentlichen Besuche der Hauskrankenpflege sind eine wichtige Ergänzung und ermöglichen einen regelmäßigen und unabhängigen Einblick in die Versorgungssituation der zu Betreuenden“, spricht er von einer idealen Verzahnung.

Es zeigte sich kein gesundheitsrelevanter Verbesserungsbedarf.

Martin Staudinger

Fakten zur 24-Stunden-Betreuung 2016

» 39,8 Prozent der Betreuten beziehen Pflegegeld der Stufen 3 und 4

» 38,6 Prozent der Betreuten beziehen Pflegegeld der Stufe 5

» Das Durchschnittsalter der Betreuten liegt bei 85,1 Jahren (Frauen 86,2 Jahre, Männer 81,5 Jahre)

» 70,5 Prozent der besuchten Pflegegeldbezieher mit 24-Stunden-Betreuung leben alleine ohne Angehörige

» 5,2 Prozent haben keine Angehörigen, die sich um sie kümmern. Die Angehörigen, die sich kümmern, sind Töchter (38,1 Prozent) oder Söhne (27,2 Prozent)

» Bei 30 Prozent der Betreuten wurde eine demenzielle Erkrankung fachärztlich festgestellt.