Spielgruppen im Krisenmodus

Vorarlberg / 29.03.2026 • 14:00 Uhr

Spielgruppen im Krisenmodus
Als Grundlage für die Änderung der Kinderspielgruppenförderung diente dem Land die Kindertagesheimstatistik. APA/NEUBAUER

Land zahlt Förderungen künftig nur noch nach den tatsächlichen Öffnungszeiten.

Schwarzach Krisenstimmung bei den Spielgruppen: Grund ist ein Schreiben des Landes, laut dem sich die Förderung ab 2027 nur noch an den tatsächlichen Öffnungszeiten bemisst. Bislang erfolgte die Berechnung anhand der geöffneten Monate. „Das hatte zur Folge, dass ein ganzer Monat gefördert wurde, obwohl vielleicht nur eine Woche geöffnet war“, begründet das Land diese Maßnahme. „Für Spielgruppen bedeutet das eine massive Verschlechterung“, sagt etwa Markus Herburger, Obmann der Spielgruppe „Zottelbär“ in Feldkirch. Er rechnet mit finanziellen Einbußen von 10 bis 15 Prozent, auch, weil immer mehr Eltern wegen Förderkürzungen ihre Dreijährigen von privaten Betreuungseinrichtungen ab- und im günstigeren Kindergarten anmelden. Für Spielgruppen, die ohnehin schon weniger Förderungen erhalten, werde es schwer, die Lücke auszugleichen, verlautet aus betroffenen Einrichtungen. Sogar von möglichen Schließungen ist die Rede, sollte es nicht gelingen, das finanzielle Loch zu schließen.

Weniger Personalkostenförderung

Als Grundlage für die Änderung der Kinderspielgruppenförderung diente dem Land die Kindertagesheimstatistik. Anhand dieser Daten sei festgestellt worden, dass das Heranziehen der geöffneten Monate sich als ungenau erweise, da die Richtlinie eine Förderung für die Betreuung der Kinder während der tatsächlichen Öffnungszeiten vorsehe. 2027 erfolge daher die Umstellung der Förderberechnung. Auf die Frage möglicher Auswirkungen geht das Land nicht ein, nur so viel: „Die hängen von den tatsächlichen Öffnungszeiten ab.“ Mit der Umstellung werde jedenfalls ein Anreiz geschaffen, möglichst viele Wochen im Jahr geöffnet zu haben.  Sarah Hackspiel vom Verein Waldkindergarten Hörbranz weiß schon jetzt: „Diese neuerliche Sparmaßnahme wird uns noch einmal belasten.“ Sie verweist darauf, dass die Personalkostenförderung für Spielgruppen (40 Prozent) viel schlechter ist als jene von Kindergärten und Kinderbetreuungseinrichtungen (60 Prozent). Es gebe auch keine Förderung für die Stunden der Vor- und Nachbereitung. Bisher erhielt der Verein die Landesförderung für elf Monate, in denen jeweils mindestens eine Woche geöffnet war.

Die Reduktion auf die tatsächlich geöffneten Wochen heißt laut Hackspiel ein Rückgang der Fördermittel um rund 2000 Euro, weil noch keine vollumfängliche Ferienbetreuung möglich ist. Das klinge erstmal nach nicht viel Geld: „Für einen privaten gemeinnützigen Verein ist es aber eine staatliche Summe. Bereits jetzt arbeiten wir mit geringen Mitteln und vielen ehrenamtlichen Stunden. Wir können im Gruppenalltag schlichtweg nicht noch mehr einsparen“, führt Sarah Hackspiel aus und ergänzt: „Für die Personalkosten benötigen wir eine verlässliche Förderung.“

Viel Unsicherheit

In der Spielgruppe „Zottelbär“ rumort es ebenfalls. Markus Herburger kann Entlassungen nicht ausschließen. Es fehlen die Kinder Jetzt wird überlegt, das Aufnahmealter auf 18 Monate zu senken. Aktuell werden Zwei- bis Vierjährige betreut. Es gibt etwa 40 Spielgruppen mit rund 2000 betreuten Mädchen und Buben sowie Klagen über zu geringe Anmeldezahlen, nachdem Eltern die Tarife wegen rückläufiger Förderungen zu hoch geworden sind. Kritisiert wird auch die kurzfristige Informationspolitik des Landes. Die Budgets für 2027 sind schon verhandelt, die Betreuungstarife festgelegt: „So kurzfristige Änderungen führen zu einer Verunsicherung aller und schlussendlich dazu, dass sich Familien gegen eine Betreuung bei uns entscheiden“, bedauert Sarah Hackspiel. „Dabei möchten wir den Familien, unseren Angestellten und der Gemeinde ein verlässlicher Partner sein“, betont sie noch. Aus einer anderen Spielgruppe heißt es: „Der Zeitraum zum Agieren ist sehr klein. Wir sind gerade dabei, Platzzusagen zu machen und können gleichzeitig nicht mehr sicher sein, ob das kommende Jahr überhaupt noch stemmbar sein wird.“