Bildung sichert Arbeitsplatz

Vorarlberg / 02.07.2017 • 20:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Auch in Vorarlberg ist die Arbeitslosigkeit unter Personen, die maximal die Pflichtschule absolviert haben, mit Abstand am höchsten.  Foto: APA
Auch in Vorarlberg ist die Arbeitslosigkeit unter Personen, die maximal die Pflichtschule absolviert haben, mit Abstand am höchsten. Foto: APA

Wer über die Pflichtschule nicht hinauskommt, steht auch in Vorarlberg viel eher ohne Job da.

Schwarzach. (joh) Man könnte meinen, Vorarlberg widerlege die Behauptung, dass höhere Bildung die Voraussetzung für eine florierende Wirtschaft und damit auch eine günstige Beschäftigungslage ist: Im österreichweiten Vergleich weist das Land einen sehr hohen Anteil an Personen auf, die über einen Pflichtschulabschluss nicht hinausgekommen sind; doch die Arbeitslosenquote ist trotzdem eine der niedrigsten. „Das hat viele Gründe“, betont Matthias Firgo vom Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo. „Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei diesen Personen
das Risiko, arbeitslos zu werden, auch in Vorarlberg außer­ordentlich groß ist“, wie AMS-Landesgeschäftsführer Bernhard Bereuter erläutert.

Doch eines nach dem anderen. 23,1 Prozent der 25- bis 64-jährigen Vorarlbergerinnen und Vorarlberger sind über die Pflichtschule nicht hinausgekommen; sie haben also weder eine Lehre noch eine weiterführende Schule besucht bzw. erfolgreich abgeschlossen. Dieser Anteil ist der zweithöchste im Bundesländervergleich. Nur in Wien ist er mit 24,1 Prozent noch etwas höher. Umgekehrt ist in der Bundeshauptstadt der Anteil der Uni-Absolventen mit 22 Prozent fast zweieinhalb Mal größer als in Vorarlberg (neun Prozent). Doch das schlägt sich in der Beschäftigungsstatistik nicht so nieder, wie man es erwarten könnte: In Wien ist die Arbeitslosenquote mit über zwölf Prozent doppelt so groß wie in Vorarlberg.

Günstiger Branchenmix

Wie ist das zu erklären? „Wir haben einen günstigen Branchenmix“, sagt AMS-Landesgeschäftsführer Bereuter. Die Industrie ist ebenso überdurchschnittlich stark vertreten wie etwa die Baubranche und der Tourismus. Genau hier kommen auch relativ viele Arbeitskräfte unter, die keine Fachausbildung haben und daher nur einfache Tätigkeiten verrichten können. Matthias Firgo vom Wifo bestätigt das. Von den Berichten zur wirtschaftlichen Entwicklung in den Bundesländern, die er regelmäßig schreibt, weiß er zudem, dass hierzulande die Wachstumsraten größer sind und damit auch mehr Jobs entstehen als anderswo und dass besonders im Unterschied zu Wien mehr qualifizierte Zuwanderer auf den Arbeitsmarkt kommen. Sprich: Hilfskräfte werden weniger stark verdrängt.

Bildung entscheidend

Auch in Vorarlberg ist letzten Endes jedoch die Bildung entscheidend: Bei Personen mit maximal Pflichtschulabschluss betrug die Arbeitslosenquote im Mai 14,2 Prozent. Damit war sie gut dreimal höher als bei all jenen, die eine Lehre absolviert haben und überhaupt sieben Mal höher als bei Akademikern (1,9 Prozent).

Daran wird sich nach Einschätzung von Firgo im Wesentlichen auch nichts ändern. Im Gegenteil: „Mit zunehmender Automatisierung nehmen besonders auch die Beschäftigungschancen für Geringqualifizierte weiter ab“, warnt er.