Lungenkrebs als Todesurteil

Höchste Sterblichkeit aller Tumoarten bei Männern.
Bregenz „Wissen Sie, bei welcher Krebsart die Sterblichkeit am höchsten ist?“ Die Antwort auf diese von aks-Präsident und Vorsorgemediziner Hans Concin gestellte Frage lässt sich vor dem Hintergrund der Entscheidung, das geplante allgemeine Rauchverbot zu kippen, leicht beantworten. Der in erster Linie mit dem Nikotinkonsum verbandelte Lungenkrebs befindet sich auf dem Vormarsch. „In Tirol verursacht Lungenkrebs sowohl bei Männern wie bei Frauen bereits die meisten Todesfälle aller Tumorerkrankungen“, verrät Concin ein Ergebnis aus dem Krebsregister, das derzeit aktualisiert wird. Für Vorarlberg liegen vorderhand nur Zahlen aus dem Jahr 2015 vor. Doch auch die sprechen eine deutliche Sprache. Im Gegensatz zum Nachbarbundesland sind vor dem Arlberg noch die Männer die Hauptbetroffenen bei Lungenkrebs. Bei den Frauen ist es weiterhin Brustkrebs, der am häufigsten tödlich endet. Aber schon knapp dahinter folgt der Lungenkrebs.
Die Angst vor Krebs
Dieser Aspekt geht nach Meinung von Hans Concin in der momentanen Empörung unter. „Dabei haben die Menschen immer mehr Angst vor Krebs und als Arzt stößt man jeden Tag auf diese Angst“, berichtet der Gynäkologe aus der Praxis. Positives kann er einzig und allein der Anhebung des Alters auf 18 abgewinnen, ab dem Rauchen künftig erlaubt sein wird. „Die Suchtbildung ist bei Jugendlichen stärker als bei Erwachsenen. Sie hängen länger an der Zigarette und rauchen dadurch mehr“, unterstreicht Concin die gesundheitspolitische Bedeutung dieser Maßnahme.
1608 Krebsdiagnosen
Das Aus des allgemeinen Rauchverbots bedauert er hingegen zutiefst, weil Lungenkrebs der einzige Krebs ist, dem auf relativ einfache Weise vorgebeugt werden könnte, nämlich durch Nikotinabstinenz. In den USA hat der Lungenkrebs bereits 1990 den Brustkrebs in puncto Sterblichkeit überholt. In Vorarlberg ist er mittlerweile dabei, das zu tun. Im Jahr 2015 gab es 1608 Krebsdiagnosen. Davon waren 760 Frauen und 848 Männer betroffen. Dem Tumorleiden sind 745 Patienten erlegen: 354 Frauen und 391 Männer. Bei den Männern waren 24 Prozent der Todesfälle durch Lungenkrebs bedingt. Dahinter folgten Prostatakrebs (elf Prozent) und Dickdarmkrebs (zehn Prozent). Bei den Frauen hat noch der Brustkrebs die Oberhand. Auf sein Konto gingen 16 Prozent der Sterbefälle. Aber schon knapp dahinter lauert der Lungenkrebs. Er kostete 15 Prozent der Patientinnen das Leben. Zum Vergleich: An Darmkrebs starben zehn Prozent der Frauen.
Dass für immer mehr Frauen der Lungenkrebs zum Todesurteil wird, verdeutlicht eine andere, von Hans Concin genannte Statistik. Dieser zufolge hat sich die Sterblichkeitsrate durch Lungenkrebs bei Männern zwischen 1990 und 2015 um 30 Prozent verringert, bei den Frauen hingegen verdoppelt.
„Als Arzt stößt man jeden Tag auf die immer größer werdende Krebsangst der Menschen.“