Eine Existenz in Frieden leben können

Vorarlberg / 04.01.2018 • 20:07 Uhr
Sein kleines Geschäft ist Wael Bakours ganzer Stolz, auch wenn die Existenzsicherung nicht ganz einfach war und ist. vn/paulitsch
Sein kleines Geschäft ist Wael Bakours ganzer Stolz, auch wenn die Existenzsicherung nicht ganz einfach war und ist. vn/paulitsch

Wael Bakour aus Syrien hat im Land erfolgreich Fuß gefasst.

Dornbirn Das Verkaufslokal ist klein. „Aber an einem guten Platz“, zeigt sich Wael Bakour (35) trotz beengter Gegebenheiten zufrieden. Denn das Geschäft sichert ihm und seiner Familie eine Existenz in Frieden. Die unmittelbare Nähe zum Dornbirner Bahnhof bringt zumindest so viel Laufkundschaft, dass der junge Syrer über die Runden kommt. Es sind hauptsächlich Landsleute und Iraner, die bei Wael Bakour einkaufen. Einheimische machen sich noch rar. „Es war schwierig, in Österreich neu anzufangen“, erzählt er. Glücklicherweise habe er den Asylbescheid schnell erhalten, sodass er rasch eine Arbeit aufnehmen konnte. Eine Beschäftigung zu haben, ist für ihn wichtig, auch wenn der bald dreifache Vater für den Aufbau des Geschäfts derzeit 14-Stunden-Tage schieben muss.

Wael Bakour kam vor drei Jahren nach Österreich. Bis zu seiner Flucht führten er und seine Frau in Hims eine Apotheke. Es ging ihnen gut, bis der Krieg alles zerstörte. „Wir sahen keine andere Möglichkeit, als zu fliehen“, berichtet Bakour. In einem Lkw schafften er und seine Geschwister es aus dem Land. Erste Station war Traiskirchen, vier Wochen später erfolgte der Transfer nach Vorarlberg. Wael Bakour wollte hierher, nachdem er von einem Kollegen erfahren hatte, dass es „ein gutes Land“ sei. Sieben Monate lebte er in einer kleinen Wohnung in Vandans. Als seine Frau und die zwei Kinder folgten, übersiedelte die Familie nach Alberschwende. Inzwischen hat sie sich in Lustenau niedergelassen. „Die Kinder besuchen den Kindergarten und fühlen sich sehr wohl dort“, freut sich der Vater über die gelungene Integration.

Schwierige Suche

Er selbst hat weniger Kontakt zu den Menschen in seiner Umgebung. „Die Arbeit“, merkt Wael Bakour mit einem schwachen Lächeln an. Sich in einem neuen Land eine Lebensgrundlage aufzubauen, erfordert viel Zeit und noch mehr Einsatz. Als Apotheker kann er nicht arbeiten, weil ihm die erforderliche Nostrifizierung fehlt. Die wiederum geht sich für ihn finanziell nicht aus. Deshalb verlegte sich Bakour auf eine andere Form des Verkaufens. Aber schon die Suche nach einem geeigneten Lokal erwies sich als schwierig. Ein in der Flüchtlingshilfe engagierter Unterländer vermittelte ihm schließlich entsprechende Räumlichkeiten. Die Bewohner des Hochhauses zeigten sich anfangs zwar skeptisch bis ablehnend. Gespräche halfen jedoch, die Situation zu klären.

Hoffen auf Rückkehr

Seit zwei Monaten ist Wael Bakour nun stolzer Besitzer eines Lebensmittelgeschäfts. Er führt hauptsächlich syrische und türkische Produkte, bietet aber auch Gemüse und heimisches Frischfleisch an. Die nötigen Vorarbeiten leistete er zum größten Teil selbst. Inzwischen unterstützen ihn auch seine Brüder. Daneben hat Bakour die Verteilung von Waren an türkische Geschäfte übernommen.

2Langsam beginnt alles zu laufen. Trotzdem möchte er wieder zurück in die Heimat, wenn es die Situation erlaubt. Doch Wael Bakour weiß: „Das wird noch lange dauern.“ Die Hoffnung will er trotzdem nicht aufgeben.