Ohne Schock in die Pension

Die Arbeiterkammer lässt mit einem neuen Modell zur Altersteilzeit aufhorchen.
feldkirch Neuer Schwung könnte jetzt in die immer wieder aufflammende Debatte um eine Erhöhung des Pensionsantrittsalters kommen. Der Präsident der Vorarlberger Arbeiterkammer (AK), Hubert Hämmerle, wirft ein drittes Modell der Altersteilzeit in die Argumentationsschlacht. Es trägt den kryptischen Titel “80-60-50-40-20” und soll den Arbeitnehmern statt eines Pensionsschocks einen sanften Übergang in die neue Lebensphase ermöglichen. Dabei würde die Arbeitszeit schrittweise reduziert, was nach Meinung von Hämmerle einen mit zunehmendem Alter entlastenderen Übergang in die Pension ermöglichen könnte.
Diskussionswürdig
Die Vertreter von Seniorenbund und Pensionistenverband meinen, dass jeder kreative Vorschlag, der Menschen länger im Erwerbsleben hält, diskutiert werden dürfe. “Wir wehren uns aber gegen Modelle, die auf eine Pensionskürzung hinauslaufen”, schränkt Hubert Lötsch, Obmann des Pensionistenverbands, im gleichen Atemzug ein. Er geht jedoch davon aus, dass die Arbeiterkammer solches nicht im Sinn hat. Für Werner Huber, den Obmann des Seniorenbundes, klingt die Alterszeit auf Raten zumindest nicht schlecht. Er hält sie sogar für eine gute Überlegung, wenn damit tatsächlich Menschen, sofern sie gesund sind, länger arbeiten könnten. Allerdings müssten auch die Firmen mitmachen, verweist er darauf, dass diese mit dem bestehenden Modell der Arbeitsteilzeit schon jetzt nicht besonders glücklich sind.
Dauerhaft oder im Block
Es sei einfach, Maßnahmen für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer abzuschaffen, wie es die Regierung gerade mit dem Beschäftigungsbonus bzw. der Aktion 20.000 mache, kritisiert der AK-Präsident und setzt nach: “Was wir allerdings dringend brauchen, sind geeignete Maßnahmen, um ältere Menschen länger gesund im Job zu halten.” Vor allem bei der Altersteilzeit sieht Hubert Hämmerle noch Potenzial. Weil die Bundesregierung das Antrittsalter für Männer von 58 auf 60 erhöhen will, fordert er ein zusätzliches Regelangebot nach obgenannter Formel. Derzeit gibt es bei der Altersteilzeit die Möglicheit, sie kontinuierlich oder im Block in Anspruch zu nehmen. Im einen Fall wird die Arbeitszeit dauerhaft im Rahmen von bis zu fünf Jahren auf 60 bis 40 Prozent gesenkt, beim Blockmodell folgt auf eine gewisse Zeitspanne der vollen Arbeitsleistung eine ebenso lange Ruhephase. “Ein zu abrupter Übergang”, befinden laut Hämmerle auch Experten.
Bei der von der Arbeiterkammer jetzt forcierten dritten Variante könnten sich die Arbeitnehmer die Fähigkeit zum Pensionistendasein schrittweise und damit auf sanfte Art aneignen. Der AK-Präsident sieht darin Vorteile für alle: “Das Erfahrungswissen bleibt länger im Betrieb. Es wäre eine bessere Übergabe der Tätigkeiten möglich, und es käme zu einer dem steigenden Alter der Beschäftigten angepassten Entlastung.”
Wenig Spielraum
Für Hubert Lötsch gilt: “Man kann andere Modelle natürlich immer diskutieren. Der Pensionistenverband ist jedenfalls für alles offen.” Er befürchtet allerdings, dass das Pensionsrecht mittlerweile schon so zusammengestutzt wurde, dass innerhalb des geltenden Gesetzeswerks nur noch wenig Spielraum für Neues besteht. “Wir schätzen es jedoch sehr, wenn die Arbeiterkammer den einen oder anderen kreativen Vorschlag zur Thematik einbringt”, zeigt sich Lötsch froh über solche Partner. Gleichzeitig gibt er zu bedenken, dass es schwierig sei, vereinfachte Formeln objektiv zu bewerten. Grundsätzlich spricht er sich aber für eine Attraktivierung der Altersteilzeit aus, zumal immer weniger Jobs für ältere Arbeitnehmer zur Verfügung stünden. Eine hundertprozentige Gerechtigkeit im System wird es laut Hubert Lötsch jedoch nie geben, wobei er das österreichische Pensionssystem noch zu den guten zählt.
„Es ist einfach, Maßnahmen für ältere Arbeitnehmer einfach abzuschaffen.“

Stichwort
Formel 80-60-50-40-20
Mit dem von der Arbeiterkammer Vorarlberg vorgeschlagenen Modell würde die Arbeitsleistung im Schnitt um 50 Prozent reduziert. Das hieße in der Praxis: Im ersten Jahr sinkt die Arbeitsleistung lediglich auf 80 (4 Tage) Prozent, im zweiten dann auf 60 (3 Tage), im dritten Jahr auf 50 (2,5 Tage), im vierten auf 40 (2 Tage) und im fünften Jahr würde sie bei 20 Prozent bzw. einem Tag liegen. Für die Arbeitnehmer würde das Modell einen schrittweisen Aufbau ihrer Pensionsfähigkeit sowie eine höhere Entlastung mit steigendem Alter bringen.