Ein Spaziergang auf Autodächern

14.02.2018 • 21:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vor Gericht machte der Mann einen gebildeten und höflichen Eindruck, beim Anblick von Uniformen wurde er jedoch schon mehrmals aggressiv. Eckert
Vor Gericht machte der Mann einen gebildeten und höflichen Eindruck, beim Anblick von Uniformen wurde er jedoch schon mehrmals aggressiv. Eckert

36-jähriger Asylant legte sich mit Polizei und einem Justiz­wachebeamten an.

Feldkirch Immer wieder sorgt der 36-jährige Mann für schräge Aktionen. Einmal nimmt er eine Steige Marillen unbezahlt mit, allerdings so auffällig, dass die Polizei nicht lange auf sich warten lässt. Doch genau das war damals sein Ziel: Endlich einmal von einem Polizeibeamten gehört zu werden. „Ich glaube, ich bin ein bisschen verrückt“, räumte der Mann damals bei seiner Verhandlung am Landesgericht Feldkirch vor Richter Martin Mitteregger höflich ein (die VN berichteten).

Über den Karossen

Der Osteuropäer spricht sehr gut Deutsch und macht einen gebildeten, höflichen Eindruck, obwohl er nie einen Beruf erlernt und sein Geld zuletzt als Küchenhilfe verdient hatte. Im Mai vergangenen Jahres machte der 36-Jährige, der bereits zwei Vorstrafen hat, wieder auf sich aufmerksam. Und wieder war es eine ungewöhnliche Aktion, welche die Polizei auf den Plan rief. In Feldkirch, wo der Mann auch wohnte, spazierte er in Richtung Liechtenstein. Kurz vor der Grenze sprang er auf Autodächer, Passanten wunderten sich und riefen die Polizei. Als diese kam, sprang er auch auf die Motorhaube des Dienstfahrzeugs und kletterte anschließend aufs Dach.

Die Beamten zogen ihn herunter, doch der Schmächtige wehrte sich heftig. Den Ausweis wollte er schon gar nicht herzeigen, stattdessen schlug er mit Fäusten gegen den Kopf des einen Beamten. Mit einem Schlüssel in der Hand hieb der 36-Jährige auch in Richtung des zweiten Polizisten, beide wurden leicht verletzt. Schließlich gelang es mit zwei weiteren Beamten, den seltsamen Spaziergänger festzunehmen. Fünf Monate war der Mann im Gefängnis und auch dort kam es zu einem Zwischenfall.

„Alleinige Wahrheit“

Als ein Insasse der Justizanstalt den Müll wegräumte, beschimpfte der psychisch Kranke seinen Zellengenossen. Als der Wachebeamte Ruhe einforderte, griff er diesen an. Eine Muskelzerrung war für den Wärter die Folge. Nun wurde ein Gutachten eingeholt und dies ergab, dass der Betroffene bei den letzten beiden Vorfällen nicht zurechnungsfähig war.

Bedingte Einweisung

Laut Gerichtspsychiater Reinhard Haller leidet der Patient an einer paranoiden Persönlichkeitsstörung. Er war bei beiden Vorfällen äußerst verwirrt, hatte Wahnvorstellungen, glaubte sich mit Gott in Verbindung und behauptete, er allein sei „im Besitz der alleinigen Wahrheit“.

Es scheint fix, dass der Mann, wird er nicht weiterhin behandelt und betreut, weiter für Aufregung und Ärger sorgen wird. Durch die Betreuung macht er heute einen guten Eindruck, allerdings muss man weiterhin ein Auge auf ihn haben. Geht dieser Versuch einer bedingten Einweisung schief, muss er doch in eine Anstalt für psychisch abnorme Rechtsbrecher. EC