Ein neues Kapitel

Wetter / 27.03.2018 • 18:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Marion Kaufer wird Chefin der Landesbibliothek.

Bregenz Ein Leben ohne Bücher? Das kann sich Marion Kaufer beim besten Willen nicht vorstellen. Allein schon wegen der Haptik sind Bücher für die künftige Leiterin der Landesbibliothek unersetzbar, also wegen des Gefühls, bedrucktes Papier in den Händen zu haben, mit den Fingern über den Einband zu streichen und durch die Seiten zu blättern. Was den Lesestoff an sich angeht, so mag sie es in ihrer Freizeit gerne kriminell. „Ich lese sehr gerne Krimis“, erzählt sie. Am liebsten führt sie sich bei Sonnenuntergang auf dem Balkon sitzend Bücher von Jean-Luc Bannalec zu Gemüte. In den Regalen der 43-Jährigen finden sich aber vor allem Werke von russischen Schriftstellern, etwa von Fjodor Dostojewski oder Michail Bulgakow, ihrem Lieblingsautor.

Faszination Russland

Das große, weite Russland hat es Marion Kaufer schon in ihrer Schulzeit angetan. Daher beschloss sie, Vergleichende Literaturwissenschaft und Russistik zu studieren. In weiterer Folge reiste sie immer wieder in den Sommerferien nach Moskau und St. Petersburg und studierte auch ein halbes Jahr in Moskau. „Das war in den 90er-Jahren und es war beeindruckend mitzuerleben, wie sich das Land in dieser Zeit verändert hat“, erzählt die 43-Jährige. Ihre Diplomarbeit hat sie schließlich über die beginnende Frauenbewegung in Russland geschrieben.

Wenn Marion Kaufer über ihre Studienzeit plaudert, schwingt unweigerlich ein charmanter Tiroler Dialekt mit. „Man hört schon, wo ich aufgewachsen bin. Ich kann aber auch sehr schön sprechen“, meint sie und muss lachen. Geboren ist sie nämlich in Deutschland. Als sie drei Jahre alt war, zog ihre Familie nach Innsbruck, weil ihr Vater als Professor für Volkswirtschaft eine Stelle an der Universität bekam. Gemeinsam mit zwei Geschwistern ist Marion Kaufer dann in Innsbruck aufgewachsen.

Nicht nur den Vater, sondern auch die Tochter zog es später beruflich an die Uni. Durch Zufall sollte sie nämlich Bibliothekarin werden. „Ich bin so viel Zeit in der Bibliothek gesessen, dass ich irgendwann gefragt wurde, ob ich nicht auch da arbeiten und eine Karenzvertretung übernehmen möchte“, erzählt Marion Kaufer. Dann habe sie gemerkt, wie spannend und breit gefächert der Job ist und dass er ständig neue Herausforderungen bringt. „Der Beruf und die Medienformen haben sich massiv verändert“, fügt sie noch hinzu. In der digitalisierten Welt gelte es neue Chancen zu nutzen, aber auch Probleme zu lösen.

Inzwischen hat Marion Kaufer schon fast zwanzig Jahre Bibliothekserfahrung gesammelt. Die Unibibliothek sei quasi zur ausgelagerten Filiale ihres Wohnzimmers geworden. Vor elf Jahren hat sie die Leitung über die Abteilung Erwerbung an der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol übernommen. Außerdem ist sie in der Aus- und Weiterbildung von Bibliothekaren tätig und hat zuletzt federführend bei einem großen Projekt mitgearbeitet. „Es ging darum, wo das neue Bibliothekssystem Alma eingesetzt werden könnte, und um ein österreichweites Schulungssystem.“

Nun wird die Bücherfrau aber bald ein neues Kapitel aufschlagen und mit Sack und Pack und wohl auch dem einen oder anderen Krimi in ihrem Rucksack in Richtung ­Bregenz aufbrechen, denn im Herbst wird sie die Leitung der Vorarlberger Landesbibliothek übernehmen. VN-mef

„Da ich so oft in der Bibliothek gesessen bin, wurde ich gefragt, ob ich nicht da arbeiten will.“

Zur Person

Marion Kaufer

Geboren September 1974

Ausbildung Studium Russistik und Vergleichende Literaturwissenschaft, Masterlehrgang Library and Information Studies

Beruf Leitung Abteilung Erwerbung an der Uni- und Landesbibliothek Tirol (seit 2007)

Hobbys Lesen, Wandern, Theater

 Christina Gaio