„Nächstenliebe­ ­darf nicht schweigen“

Vorarlberg / 28.03.2018 • 20:51 Uhr
Bischof Benno Elbs (l.) und Caritas-Direktor Walter Schmolly können der in Ost­österreich angezettelten Diskussion wenig abgewinnen. diözese/fehle
Bischof Benno Elbs (l.) und Caritas-Direktor Walter Schmolly können der in Ost­österreich angezettelten Diskussion wenig abgewinnen. diözese/fehle

In Vorarlberg sind Caritas und Kirche diesbezüglich einer Meinung.

Feldkirch Wie politisch darf, soll oder muss die Caritas sein? An dieser Frage hat sich just vor dem höchsten Fest im Kirchenjahr eine veritable Diskussion entzündet. Für den Vorarlberger Diözesanbischof Benno Elbs und Caritas-Direktor Walter Schmolly gibt es darauf eine ganz klare Antwort: „Es ist wichtig, dass sich die Caritas einmischt und den Armen eine Stimme gibt. Das gilt für alle, die unsere Hilfe brauchen. Nächstenliebe darf nicht schweigen.“ Diesen Einsatz würden auch die Menschen draußen erwarten, sind Elbs und Schmolly überzeugt. Ihrer Einschätzung nach ist der Diskurs nicht zufällig genau jetzt aufgebrochen. „Wir leben in einer Zeit der Veränderungen, von denen niemand weiß, wohin sie führen, an welchen Werten sie ausgerichtet sind und ob wir sie überhaupt tragen können“, spricht Walter Schmolly deshalb von großem Gesprächsbedarf.

Das Evangelium als Fundament

Auslöser der Debatte war zum einen ein Schreiben der neun diözesanen Caritas-Direktoren, in dem diese vor einer „Demontage des Sozialstaates“ warnten und von der schwarz-blauen Bundesregierung die Rücknahme der angekündigten Sparmaßnahmen im Sozialbereich verlangten. Zum anderen irritierte eine Aussage von Kardinal Christoph Schönborn, der den Nulldefizit-Kurs zunächst unterstützte, sich dann jedoch zu einer Präzisierung veranlasst sah, in der er festhielt, dass Schuldenmachen unsozial und ungerecht sei, es aber auch unsozial und ungerecht wäre, auf dem Rücken der Ärmsten zu sparen. Diese Wendungen trugen dem obersten Kirchenhirten in Österreich prompt einen Rüffel des Ex-Caritas-Präsidenten Franz Küberl ein. Schönborn sei jetzt als Sozialbischof gefordert, ließ er ihm ausrichten. Inzwischen sehen viele schon Haarrisse durch die katholische Amtskirche und ihre Wohlfahrtsorganisation gehen. Benno Elbs und Walter Schmolly verneinen das im VN-Gespräch entschieden. Beide würden für die gleichen Werte stehen, deren Fundament das Evangelium sei. „Das eine ist das Reden, das andere die konkrete Hilfe. Das gehört zusammen“, sieht der Bischof Stellungnahmen zu sozialpolitischen Themen durch das Tun legitimiert. Schmolly ergänzt: „Da braucht es mitunter eine Zuspitzung, um gehört zu werden.“

Im Übrigen würde sich die Caritas nicht auf Basis parteipolitischer Anschauungen äußern, sondern aus der Praxis heraus. Dennoch räumt der Caritas-Direktor ein, dass es schon eher außergewöhnlich sei, eine gemeinsame Erklärung abzugeben. Zum letzten Mal war das vor zehn Jahren beim „Sozialwort“ der Fall. Mit der Aufregung, die der Brief letztlich verursachte, haben alle gerechnet. „Wir wollten wahrgenommen werden.“ Wenn sich Situationen verändern, wie das jetzt geschehe, sei es sinnvoll, einen solchen Prozess zu starten. „Die Politik trägt die Verantwortung für das Gemeinwohl, da ist es wichtig, alle zu hören“, betont Walter Schmolly und sieht es als Teil des Auftrags, lästig zu sein, wenn es die Lage erfordert. „Wir brauchen auf viele brennende Fragen eine Antwort“, nennt er als drängendste Beispiele die faire Verteilung von Wohlstand sowie die Existenzsicherung für Familien.

Flexible Strukturen

Die Caritas Vorarlberg verwaltet ein Budget von rund 50 Millionen Euro. Laut Schmolly fließen 90 Prozent davon in die Inlandshilfe, der Rest geht an verschiedenste Projekte im Ausland. Er versichert, dass während der Flüchtlingswelle zu keinem Zeitpunkt ein Projekt für Menschen im Inland gestoppt wurde. Walter Schmolly verweist außerdem auf die flexiblen Strukturen der „Firma“ Caritas. „Wir können wachsen, so wie es im Zuge des Flüchtlingszustroms passierte, und wir können wieder kleiner werden.“ Der Personalstand umfasst 600 hauptamtliche Mitarbeiter. Dazu kommen noch 1200 Freiwillige. „Wir sind eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten“, unterstreicht Bischof Benno Elbs diesen Aspekt besonders.

Überall im Land würden die Grundwerte des Miteinander und Füreinander tagtäglich gelebt. „Das zu unterstützen ist ebenfalls Aufgabe der Kirche und der Caritas“, erklärt Benno Elbs und meint noch: „In jedem Christen sollte ein Caritasherz schlagen.“

„Im Körper eines jeden Christen sollte eigentlich ein Caritasherz schlagen.“