Soziale Betriebe begehren auf

02.05.2018 • 16:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Institutionen sehen durch Budgetkürzungen Projekte für Langzeitarbeitslose in Gefahr.

Altach So laut der Tag der Arbeit gefeiert wird, so leise geht normalerweise der Tag der Arbeitslosen einen Tag später vonstatten. Heuer nicht. Vorarlbergs sozialökonomische Betriebe laden am 2. Mai traditionell zu einer Pressekonferenz. Normalerweise präsentieren sie einen ihrer Betriebe, erzählen von Projekten und werben für ihre Sache. Heuer auch; allerdings schwebt über allem der Rotstift der Regierung. Manche Projekte seien sogar in ihrer Existenz bedroht, warnt Benedicte Hämmerle, gemeinsame Pressesprecherin von Aqua-Mühle, Carla, Dornbirner Jugendwerkstätten, Integra und Bonetti.

Das Arbeitsmarktservice (AMS) Vorarlberg budgetiert für das aktuelle Jahr rund 42,8 Millionen Euro. Rund 680.000 Euro davon sind für Projekte der genannten Institutionen vorgesehen. Genauer gesagt: waren vorgesehen. Die Bundesregierung hat dem AMS Geld gestrichen. Wie die VN berichteten, muss es in Vorarlberg im laufenden Haushalt acht Prozent sparen. Für Projekte des zweiten Arbeitsmarkts, jene der sozialökonomischen Betriebe, wird es fünf Prozent weniger geben, also 6,47 Millionen. Die Betriebe müssen mit 333.900 Euro weniger auskommen. AMS-Chef Bernhard Bereuter ist nicht glücklich über die Kürzungen, sagt aber: „Es sind immer noch 6,47 Millionen Euro. Existenzbedrohend ist es nicht.“ Der zweite Arbeitsmarkt sei immens wichtig. Benedicte Hämmerle ergänzt: „Ihn braucht es, so lange der reguläre Arbeitsmarkt nicht in der Lage ist, diese Menschen zu beschäftigen.“ Rund 2,8 Millionen Euro steuert das Land bei. Mehr werde es sicher nicht, vielleicht sogar weniger, sagt Harald Moosbrugger, Leiter der Wirtschaftsabteilung.

Als zweiter Arbeitsmarkt werden Programme bezeichnet, die Langzeitarbeitslosen in die Beschäftigung zurückhelfen. Aktuell haben 10.344 Menschen in Vorarlberg keine Arbeit. 16 Prozent davon, also 1656, zählen zu den Langzeitarbeitslosen, sind länger als ein Jahr ohne Job. Die fünf Sozialinstitutionen boten im vergangenen Jahr 218 Vollzeitäquivalente. Insgesamt kamen 723 Menschen unter. Viele arbeiteten Teilzeit, einige Stellen wurden mehrfach besetzt, da eine Person vermittelt werden konnte. Die Zahl der schwer Vermittelbaren ist allerdings groß. So ist rund die Hälfte über 50 Jahre alt, 56 Prozent sind körperlich eingeschränkt, 58 Prozent verfügen maximal über einen Pflichtschulabschluss. Ohne zweiten Arbeitsmarkt wären sie in der Sozialhilfe.

Ein Wirtschaftsfaktor

Hämmerle hat noch weitere Zahlen parat, die aus einer Studie von Eva Häfele stammen. Förderungen von Projekten im zweiten Arbeitsmarkt rechnen sich nach fünf bis sieben Jahren. Der zweite Arbeitsmarkt sei ein Wirtschaftsfaktor, Beschäftigte zahlen Steuern und benötigen keine Sozialhilfe. Hier hakt Rainer Siegele, Bürgermeister von Mäder, ein: „Durch die Kürzungen werden weniger Menschen beschäftigt, weshalb sie Mindestsicherung erhalten. Diese bezahlen Land und Gemeinden.“ Derzeit verhandeln AMS, Institutionen und Land, welche Projekte am Ende tatsächlich vom Rotstift betroffen sind.