„Das war nie und nimmer Sabotage“

Vorarlberg / 28.05.2018 • 22:03 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Horst Tscharnuter (74) fuhr 38 Jahre lang das Rheinbähnle.VN-gs
Horst Tscharnuter (74) fuhr 38 Jahre lang das Rheinbähnle.VN-gs

Entgleistes Rheinbähnle: Lokführer-Urgestein hat seine eigene Version.

Dornbirn Beinahe 40 Jahre lang ließ Horst Tscharnuter (74) aus Dornbirn als Lokführer das Rheinbähnle dampfen. Er gilt als die Koryphäe der Museumsbahn schlechthin. So hatte er selbst mal eine alte Dampflok aus der Lustenauer Remise auf Vordermann und damit wieder zum Laufen gebracht. Ein wahrer „Hansdampf“ des nostalgischen Schienenverkehrs eben.

Und dann das: Am 19. Mai entgleiste in Mäder eine Garnitur „seines“ Rheinbähnles. Ermittler sprachen von der Entfernung einer Weichenklammer und Verstellung der Weiche. Da war von möglicher Sabotage die Rede und von dubiosen Tätern, die sich bei der Manipulation der Weichensperre ausgekannt haben mussten.

Für den Pensionisten Tscharnuter ist das alles völlig an den Haaren herbeigezogen. „Nie und nimmer war das Sabotage“, ist der 74-Jährige gegenüber den VN überzeugt, die wahre Ursache für den Zwischenfall zu kennen. Und die liege „am nagenden Zahn der Zeit“, wie er es ausdrückt. Ja, früher sei das alles freilich anders gewesen. „Als erfahrener Lokführer wusste man an der betreffenden Stelle am Gässele in Mäder, dass sich die dortige Weiche durch das Gewicht der Lokomotive von selbst umstellte und die Garnituren auf das richtige Gleis lenkte. Man musste sie nur ständig pflegen und kontrollieren.“

Sperre fehl am Platz

Die später installierte Sperre dieser Weiche hätte es deshalb gar nicht gebraucht, sie sei völlig fehl am Platz. „Sie vermittelte nur ein geistiges Gefühl der Sicherheit“, sagt Tscharnuter. Doch das habe sich mit der Zeit gerächt. Auch deshalb, weil dort nichts gewartet und geschmiert worden sei. „Schließlich hat sich die unnütze Weichensperre mit der Zeit gelockert, dann schließlich gelöst und zur Havarie geführt“, so der 74-Jährige weiter. Da sei keine mutwillige Hand im Spiel gewesen. „Wenn man hier bewusst sabotieren will, dann sabotiert man anders“, ergänzt er.

Und was sagt Rheinbähnle-Betriebsleiter Claude Baltes zu diesen Behauptungen? „Purer Schwachsinn“, so der 61-Jährige zu den VN in kurzen Worten. Schon allein deswegen, weil die Einrichtung von Weichensperren im öffentlichen Personenverkehr bei der Bahn eine klare Vorgabe des Eisenbahnbeauftragten des Landes Vorarlberg sei. Da die Untersuchungen im betreffenden Fall noch nicht abgeschlossen seien, blieben die Garnituren noch stillgelegt. „Aber wie gesagt, wir haben hier unsere Vorgaben. Und wenn wir die nicht einhalten, sperrt man uns die Türe zu“, betont der Betriebsleiter. VN-GS