„Für mich ist der Zauber verloren“

14.03.2019 • 19:02 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zehn Jahre lang lebte Aline Breuß- Laferrière in London. Breuß-Laferrière
Zehn Jahre lang lebte Aline Breuß- Laferrière in London. Breuß-Laferrière

Die Schrunserin Aline Breuß-Laferrière zieht aus London weg. Daran trägt der Brexit Mitschuld.

Schruns Für Aline Breuß-Laferrière geht eine Ära zu Ende. Die 41-jährige Schrunserin hat zehn Jahre lang in London gelebt. Nun packt sie ihre Koffer. Zum einen hat das persönliche Gründe. Zum anderen trägt aber auch das Chaos um den britischen EU-Austritt Mitschuld an diesem folgenreichen Schritt. „Als es mit dem Brexit ernst geworden ist, habe ich erstmals überlegt, ob ich in eine andere Stadt ziehen soll“, schildert die 41-Jährige.

Die Unsicherheit war einfach zu groß. Zwei Jahre später, kurz vor dem offiziellen Austrittsdatum der Briten Ende März gibt es noch immer wenig Klarheit, wie sich der Brexit gestalten wird. Breuß-Laferrière hat nun einen persönlichen Schlussstrich gezogen. Ihr Umzug ist in vollem Gange. „Persönlich und beruflich“ habe sich Hamburg als neuer Lebensmittelpunkt ergeben, erzählt Breuß-Laferrière. „Ich will einfach einmal Sicherheit.“

Keine direkten Anfeindungen

Aline Breuß-Laferrière betont, dass sie als Unionsbürgerin in London niemals direkt Anfeindungen erlebt habe. In der britischen Hauptstadt sei die Situation anders als auf dem Land. Trotzdem blieb auch bei ihr, ebenso wie bei vielen anderen EU-Bürgern, immer ein seltsames Gefühl. „Man weiß nicht, wie es weitergeht, fühlt sich nicht mehr wirklich willkommen, sondern nur noch geduldet“, sagt die Vorarlbergerin, die als Juristin bei einem internationalen Vermögensverwalter tätig ist.

Die meisten Menschen in ihrem Arbeitsumfeld seien pro-euroäisch eingestellt. Die Firma ist international ausgerichtet, Nicht-Briten sind dort keine Seltenheit. Doch auch dort gibt es Brexit-Fans. „Ein Kollege von mir stellt sich den EU-Austritt wie ein Kinderspiel vor. Er glaubt, dass das ganz einfach geht. Und das, obwohl er ein gebildeter Mann ist.“

Unklarheiten

Die Schrunserin gibt den britischen Medien eine Mitschuld. „Jahrzehntelang ist gegen die EU gewettert worden.“ Über drei Millionen EU-Ausländer leben im Vereinigten Königreich, darunter etwa 25.000 Österreicher. Vielen geht es wohl ähnlich wie Breuß-Laferrière. Zwar hat Außenministerin Karin Kneissl im Fall eines ungeregelten Brexit eine mögliche Doppelstaatsbürgerschaft in den Raum gestellt. Doch wie das genau ablaufen könnte, ist nicht klar. Immerhin stand auch Mitte der Woche nicht fest, wie es mit dem Brexit weitergeht.

Neues Leben

Sich selbst sieht Breuß-Laferrière als „Prototyp“ derjenigen, die von der EU profitiert haben. Schon in ihrer Studienzeit verbrachte sie ein Erasmus-Semester in Cardiff. 2009 übersiedelte sie in die britische Hauptstadt, um dort ein neues Leben zu beginnen. Innerhalb einer Woche hatte sie einen Job gefunden, konnte sich bald eine eigene Wohnung leisten und etwas aufbauen.

„Durch den Brexit ist so etwas nicht mehr so einfach möglich. Diese Freiheit gibt es nicht mehr.“Der Abschied aus London falle ihr nicht leicht, sagt Breuß-Laferrière. Im Gegenteil. Doch letzlich musste die Schrunserin feststellen: Für mich ist der Zauber verloren.“