Pflegepersonal gesucht

Vorarlberg / 03.04.2019 • 20:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
VN/Steurer
VN/Steurer

Sieben Prozent mehr Pflegepersonal als 2016. In der Langzeitpflege fehlt es aber.

Bregenz Der Stapel an Herausforderungen im Pflegebereich wird nicht kleiner. Am Freitag hat der Verfassungsgerichtshof in einem Salzburger Fall entschieden, dass in Einrichtungen der Behindertenhilfe das Vermögen unangetastet bleiben muss. Der Pflegeregress wurde also auch für diesen Bereich abgeschafft. Unterdessen hat der Vorarlberger Landtag am Mittwoch die Personalsituation in der Pflege diskutiert. Landesrätin Wiesflecker nutzte den Schlagabtausch, um erste Zahlen aus dem Pflegemonitoring des Landes zu präsentieren. Selten war die Trennlinie zwischen Landesregierung und Opposition so klar zu erkennen wie in dieser Aktuellen Stunde. Die SPÖ wählte das Thema und Abgeordnete Manuela Auer legte gleich los: „Es ist fünf nach zwölf!“, rief sie in den Saal. Stockwerke in Pflegeheimen stünden leer, weil Personal fehle. „Alle sagen, sie sind am Limit.“ Der Personalschlüssel funktioniere nicht mehr. Neos-Abgeordneter Daniel Matt stimmte zu („Das Personalproblem ist evident.“), um gleich darauf festzustellen: „Aber die Pflegelehre ist nicht dafür geeignet, das Problem zu lösen.“ FPÖ-Mandatarin Cornelia Michalke bemühte Hollywood: „Und täglich grüßt das Murmeltier.“ Schon lange sei Pflege ein brennendes Thema, doch die Situation sei nicht besser geworden. „Auch bei der Mohi wird zu wenig Geld in die Hand genommen“, setzte sie noch einen drauf. Und die Pflegelehre sei eine gute Ausbildungsmöglichkeit. Also alles schlecht?

Für die Grünen war es Christoph Metzler, für die ÖVP Werner Huber vorbehalten, dem entgegenzutreten. Unter Wiesflecker habe sich vieles getan, es gebe zahlreiche Pflegemodelle (Metzler), das Land investiere kräftig, aber das Image des Langzeitpflegeberufs gehöre verbessert (Huber). Schließlich meldete sich Landesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne) zu Wort. Ja, wir haben einen Fachkräftemangel in der Langzeitpflege. Deshalb habe das Land im Jahr 2016 den Pflegepersonalbedarf erhoben und beschlossen, die Situation regelmäßig zu überprüfen.

Für den Monitoringbericht wurde der Zeitraum vom 1. Jänner 2017 bis 31. Oktober 2018 untersucht. In dieser Zeit stellten Vorarlbergs Pflegeeinrichtungen 1226 Personen ein, 894 haben die Heime verlassen, 15 Prozent davon gingen in Pension. Da deckt sich Wiesfleckers Befund mit der Opposition: Die Personalfluktuation sei groß. Im Vergleich zur Bedarfsprognose seien derzeit sogar 77 Personen mehr angestellt, sagte Wiesflecker. Nur in der Langzeitpflege würden 22 Diplomierte fehlen. „Das ist kein Pflegenotstand, sondern eine angespannte Pflegesituation“, versuchte die Landesrätin zu beruhigen.

Opposition gegen Regierung, nächster Teil: Als der grüne Klubobmann Adi Gross SPÖ-Chef Martin Staudinger vorwarf, von der Forderung nach Vermögenssteuern zur Pflegefinanzierung abgerückt zu sein, hielt es Staudinger auf der Besucherbank nicht mehr aus: „Darf ich antworten, wenn ich direkt angesprochen werde?“, rief er in den Saal. Mehr als ein Kopfschütteln von Landtagspräsident Harald Sonderegger (ÖVP) erntete er nicht.

Was die eingangs geschilderte Entscheidung des Höchstgerichts zum Pflegeregress betrifft, prüfen derzeit die Landesjuristen, ob sie sich auf Vorarlberg auswirkt, wie Gesundheitslandesrat Christian Bernhard (ÖVP) am Rande der Sitzung den VN erklärt. Das Gesetz in Salzburg sei anders. Nachsatz: Im Land wären aber sowieso nicht viele Fälle betroffen.