Jäger fordern Respekt für Wildtiere und bieten Exkursionen an

Vorarlberg / 15.04.2019 • 18:30 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Landesjägermeister Christof Germann im VN-Interview. Seit bald zwei Jahren steht Germann an der Spitze der heimischen Weidmänner.VN/Sams

Landesjägermeister Christof Germann findet lobende Worte für seine Weidmänner und steht für Dialog mit Waldschützern.

Sie sind jetzt seit knapp zwei Jahren Landesjägermeister. Wie sieht Ihre Bilanz aus?

Es waren zwei sehr intensive Jahre. Ich habe gemerkt, wo die Schwerpunkte sind. Mir geht es im Kern um den Lebensraum für Wildtiere. Das ist das zentrale Thema. Wildtiere sind oft die unsichtbaren Verlierer. Sie werden in der Öffentlichkeit nicht so wahrgenommen wie andere Tiere. Sie sind in Lebensräumen, die der Mensch im Alltag nicht sieht. Das fängt im Ried an und geht bis nach oben zum Gamswild. Für dieses wird es immer enger, weil die touristische Nutzung immer mehr zunimmt. Es gibt immer mehr Tourengeher und E-Biker, die bis ganz nach oben kommen. Die Hauptaufgabe der Jägerschaft für die nächsten Jahre liegt darin, sich für die Lebensräume der Wildtiere stark zu machen.

Wie ist Ihre Wahrnehmung vom Image der Jäger?

Unser Ziel, das Bild des Jägers postiv darzustellen, ist uns, so glaube ich, gelungen. Sehr gut angekommen ist die Kooperation mit den VN mit dem Ziel, die Wildtiere einem breiten Kreis vorzustellen. Die Öffentlichkeitsarbeit wird auch ein Schwerpunkt in den kommenden Jahren bleiben. Was mich wirklich positiv stimmt, ist das Interesse an der Jägerschule. Da sind viele Menschen dabei, die sich für Wildtiere, für deren Lebensräume und für Zusammenhänge interessieren. Wir verzeichnen im Jahr durchschnittlich 100 Anmeldungen zu den Jagdscheinkursen. Ein Drittel davon sind Frauen.

Wie geht es dem Reh-und Rotwild?

Beim Rotwild merken wir sehr stark den Abschussdruck, den es in den letzten Jahren gegeben hat. Das führt dazu, dass sich das Verhalten des Rotwilds bis zu einem bestimmten Grad verändert hat. Es ist zunehmend nachtaktiv geworden. Durch die starke Bejagung wurde es immer scheuer. Das ist eine Folge der Reaktion auf die TBC-Situation. Der Maßnahmenkatalog zur Eindämmung der TBC hat sich bewährt. Die Rate der infizierten Tiere ist in den TBC-Kerngebieten stark zurückgegangen. Sie liegt jetzt bei sechs, sieben Prozent. Früher war es das Doppelte. Mein Appell jetzt: Wir sind auf einem guten Weg, müssen die eingeleiteten Maßnahmen aber konsequent weiterverfolgen.

Bei den Abschüssen in den TBC-Kerngebieten ist es auch heuer so: Das Klostertal erfüllt seine Quote zu hundert Prozent, das Silbertal hinkt da weit zurück. Warum?

Wir können da nur an die Beteiligten appellieren, dass sie den Maßnahmenkatalog TBC umsetzen. Eine andere Möglichkeit haben wir als Vorarlberger Jägerschaft nicht. Schlussendlich muss immer der Jagdpächter für die Umsetzung sorgen. Zur konkreten Situation im Silbertal kann ich nichts sagen. Grundsätzlich war die Bejagung von Rotwild aufgrund der Wetterverhältnisse schwierig. Deswegen haben wir vorarlbergweit auch nur eine Quote von 85Prozent erreicht. Wir bekennen uns als Vorarlberger Jägerschaft aber klar zum Maßnahmenkatalog, der unter anderem auch eine Absenkung der Bestände beinhaltet.

Was sagen Sie zu der Stellungnahme des Waldvereins bezüglich der Treibjagd in Fontanella? Der Waldverein findet diese okay, weil es eine sensible Schutzwaldzone zu schützen galt.

Uns geht es um die Art und Weise, wie man mit Wildtieren umgeht. Das hat für uns mit Ethik zu tun. Eine klare Forderung vonseiten der Jägerschaft ist, dass trächtige und führende Wildtiere nicht bejagt werden. Das ist mit unserem Verständnis von Weidgerechtigkeit nicht vereinbar.

Aber sogar der Bludenzer Bezirkshauptmann sprach von der Legitimität der Bejagung von trächtigen Tieren in Gebieten, in denen die Schutzbestimmungen aufgehoben wurden.

Das ist noch eine alte Verordnung. In der neuen Verordnung steht explizit drinnen, dass trächtige Tiere nicht zu erlegen sind. Und selbst wenn rechtlich so etwas erlaubt ist, heißt das nicht gleichzeitig, dass man das auch tun muss. Das ist auch eine ganz zentrale Forderung von uns an die Behörden.

Wie ist es denn um den Wald-Wild-Dialog bestellt? Diesen konstruktiv in Gang zu setzen, war eines Ihrer Ziele zu Beginn Ihrer Tätigkeit als Landesjägermeister.

Der Wald-Wild-Dialog kann nicht vom Büro erfolgen, der sollte im Wald, vor Ort, zwischen den Beteiligten geführt werden. Wenn ich vielleicht noch erwähnen darf: Es gibt ein sogenanntes Wildeinfluss-Monitoring, welches vom Nachhaltigkeitsministerium gemacht wird. Da wurde festgestellt, dass es in allen vier Vorarlberger Bezirken eine Verbesserung gegeben hat. Soll heißen: Es gibt in ganz Vorarlberg weniger Waldschäden durch Wild. Uns ist trotzdem klar, dass wir noch nicht endgültig am Ziel sind. Aber es zeigt eine positive Entwicklung. Der Schlüssel zur positiven Behandlung des Wald-Wild-Themas liegt im Verständnis der Betroffenen auf lokaler Ebene. Wenn man gemeinsam miteinander in den Wald geht und die Probleme anschaut. Die Probleme können nicht nach oben hin delegiert werden.

Es gibt auch heuer wieder Exkursionen der Jägerschaft mit Interessierten in die Natur. Die VN sind da Partner. Worauf dürfen sich die Teilnehmer freuen?

Die Teilnehmer dürfen sich auf spannende Ausflüge in die Natur freuen. Wir zeigen ihnen, was die Jäger dort machen. Es gibt die Möglichkeit, Wildtiere in ihrer natürlichen Umgebung mit Experten zu beobachten. Zu diesen Tieren zählen das Rehwild, Fuchs und Hase, Birkhuhn, Gamswild, Steinwild, Rotwild und Wasservögel.