„Wer glaubt, ist nie einsam“

Eleonore Schönborn über Kirche, Asylpolitik und Ostern.
Schruns Das Alter hat zwar an ihrem Körper gezehrt, nicht aber an ihrem Geist. Der ist noch immer hellwach wie ein neuer Morgen. Am Palmsonntag wurde Eleonore Schönborn, Mutter von Kardinal Christoph Schönborn, stolze 99 Jahre alt. „Wissen Sie, was so ein Geburtstag bedeutet?“, fragt die betagte Dame mit einem verschmitzten Lächeln. Ihre Antwort: „Man beginnt wieder bei null.“ Eleonore Schönborn musste mehr als einmal neu anfangen, als sie und ihre Familie 1945 aus Böhmen vertrieben wurden. Mit zwei kleinen Kindern auf der Flucht, fand sie nach einigen Umwegen in Schruns eine neue Heimat.
Laute Kritikerin
Eleonore Schönborn zog vier Kinder alleine groß, baute ein Haus auf der Montjola und war lange Jahre für einen Bludenzer Textilbetrieb als Werbeleiterin und Pressesprecherin tätig. Im Montafon konnte sie wieder Wurzeln schlagen, auch wenn dieses Unterfangen einige Zeit gedauert hat. „Dass es trotzdem gelungen ist, dafür bin ich unendlich dankbar“, sagt sie heute. Nicht zuletzt deshalb steigt heiliger Zorn in der Seniorin hoch, wenn die Rede auf die Asylpolitik des Bundes kommt. „Da rege ich mich jedes Mal furchtbar auf“, wird die ansonsten sanfte Stimme lauter. Begriffe wie perfide, furchtbar und entsetzlich fallen. „Wehret den Anfängen“, fordert Eleonore Schönborn unverblümt und merkt energisch an: „Das dürfen Sie ruhig so schreiben“, denn auf diese Weise werde nur Hass geschürt. Die anderen Parteien, die dem Treiben des blauen Regierungspartners wenig bis gar nichts entgegensetzen, würde Schönborn „am liebsten schütteln“.
Offen für Neues bleiben
Immer noch zeigt Eleonore Schönborn beeindruckende Stärke. Das hohe Alter empfindet sie nicht als Last. „Ich habe das Leben stets so angenommen, wie es gekommen ist.“ Bei der Generalversammlung des Krankenpflegevereins Außermontafon, deren Gründungsmitglied sie ist, referierte Eleonore Schönborn aus dem Rollstuhl heraus über die Einsamkeit im Alter und wie sich jeder dagegen wappnen kann. Ihr weiser Rat: „Man muss sich rechtzeitig einen Freundeskreis aufbauen, positiv und offen für Neues und selbst auch aktiv bleiben.“ Sie hat laut eigenem Bekunden kein Problem mit dem Alleinsein. Jemand von den vier Kindern und 15 Urenkeln sorgt immer für Besuch. Wichtig ist ihr außerdem die Jasserrunde, die sich regelmäßig jede Woche in ihrem Haus trifft. Dann gibt es noch den Glauben, der die trägt. „Wer glaubt, ist nie einsam“, zitiert sie in diesem Zusammenhang gerne den deutschen Kardinal Josef Ratzinger und späteren Papst Benedikt XVI.
Das höchste Fest
Eleonore Schönborn lässt sich auch gerne aus der Bibel vorlesen. Das Augenlicht macht es nicht mehr so recht. Ihr Verhältnis zum Glauben in jungen Jahren beschreibt sie als „ganz normal“. Man sei am Sonntag in die Messe gegangen und habe die kirchlichen Feste gefeiert. „Von daher wundert es mich schon ein bisschen, dass mein zweiter Sohn unbedingt Priester werden wollte“, flicht sie lächelnd ins Gespräch ein. Ostern hält Eleonore Schönborn für das höchste Fest im Jahreskreis, „weil es wie kein anderes das Leben in den Mittelpunkt stellt“.
„Ostern ist das höchste Fest, weil es wie kein anderes das Leben in den Mittelpunkt stellt.“