Zum heutigen Ostersonntag: „Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln“

Vorarlberg / 21.04.2019 • 09:00 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Die Osterkerze gilt als Symbol des Lebens. APA

Ostern ist das älteste und höchste Fest der Christenheit. Früheste Zeugnisse belegen die Feier der Auferstehung.

Schwarzach Für Christen ist Ostern das zentrale Ereignis ihres Glaubens. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Gefeiert wird der Sieg des Lebens. Endgültig, unwiderruflich. Das klingt sonderbar? Träumerisch? Unrealistisch? Wo doch noch niemand je zurückgekehrt ist…

Aber es trägt. Der seliggesprochene Göfner Provikar Carl Lampert, der im November 1944 von den Nazis enthauptet wurde, schrieb noch im April 1944 aus der Haft an seinen Bruder Julius: „Wie könnte ich Dich heute anders grüßen als mit dem frohen, sieghaften Ostergruß Alleluja!“ Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer, der 1945 im KZ Flossenbürg sein Leben ließ, bekannte: „Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln.“

Kurzformel des Glaubens

Ostern, das bedeutet Auferstehung. Das älteste Zeugnis der Auferstehung Christi hat der Apostel Paulus hinterlassen. Er schrieb quasi eine Kurzfassung der Osterereignisse etwa im Jahr 55 in einem Brief an die Christen von Korinth. Die junge Gemeinde war zerrissen. Ein Richtungskampf tobte zwischen Beliebigkeit und extremen Idealen. Paulus, der selber anderthalb Jahre lang in der griechischen Hafenstadt gelebt hatte, erinnerte die Gemeinde in seinem Brief an die Überlieferung, die er selbst empfangen hat. Er schrieb: „Christus ist für unsere Sünden gestorben, / gemäß der Schrift, und ist begraben worden. / Er ist am dritten Tag auferweckt worden, / gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. Als Letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der ‚Missgeburt‘.“

Ein Tag wäre zu kurz

Paulus bezeichnete sich selber so, weil es noch gar nicht so lange her war, dass er die Christen verfolgte. Die Wissenschaft, die sich mit dem Neuen Testament befasst, ist sich heute weitgehend einig, dass in diesem Text das älteste Zeugnis von der Auferstehung Christi vorliegt. Die Zeilen zeigen deutlich, dass Ostern nicht als punktuelles Ereignis verstanden wurde, sondern den gesamten Zeitraum umfasst, in dem von Erscheinungen des Auferstandenen berichtet wird.

Die Evangelisten berichten, wie sich Jesus nach seinem Tod 40 Tage lang seinen Anhängerinnen und Anhängern zeigt. Er redet zu ihnen, isst mit ihnen. Er bereitet sie darauf vor, seine Lehre weiterzuverbreiten und verheißt ihnen den Heiligen Geist als ständigen Beistand. Nach Ablauf der 40 Tage wird Jesus auf dem Ölberg (Apg 1,12; Lk 24,50) vor den Augen seiner Jünger in den Himmel erhoben. Seine Jünger kehren nach Jerusalem zurück, wo sie am 50. Tag nach Jesu Tod und Auferstehung den Heiligen Geist erhalten und mit ihrer Verkündigung an die Öffentlichkeit treten. So währt die Osterzeit auch heute noch 50 Tage lang bis Pfingsten. Nach Einführung des gregorianischen Kalenders im Jahr 1582 durch Papst Gregor VIII. einigte sich die westliche Kirche darauf, die Auferstehung Christi am ersten Sonntag zu feiern, der dem ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn folgt.

Feuer und Wasser

Das christliche Osterfest steckt voller Symbolik. Feuer und Wasser spielen eine zentrale Rolle. In manchen Gemeinden wird Ostern in den frühen Morgenstunden des Sonntags gefeiert. Noch vor Beginn der Morgendämmerung füllt sich die Kirche. Denn die Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag ist im Kirchenjahr die Nacht der Nächte. Sie beginnt mit dem Osterfeuer, das der Priester vor dem Kirchenportal entfacht. An diesem Feuer, das für die Sonne und fürs Leben steht, entzündet der Priester die Osterkerze, die er dann in einer feierlichen Prozession in das noch dunkle Gotteshaus trägt. An ihr werden das Jahr über alle Taufkerzen entzündet. Sie steht bei der Begräbnisfeier am Grab des Verstorbenen.

Auferstehung erzählt vom Morgen nach der finsteren Nacht: Licht fällt durch ein Fenster in einer russisch-orthodoxen Kirche in Moskau. Kathpress
Auferstehung erzählt vom Morgen nach der finsteren Nacht: Licht fällt durch ein Fenster in einer russisch-orthodoxen Kirche in Moskau. Kathpress

Noch in der Osternacht weiht der Priester das Taufwasser der Gemeinde, indem er die Osterkerze dreimal ins Wasser taucht. Taufwasser und Osterkerze werden so symbolisch miteinander verbunden. Beide gelten als Symbol des neuen Lebens des Getauften mit dem auferstandenen Christus. In der Osternacht erneuern alle Gläubigen ihr Taufversprechen. Oft werden während des Gottesdienstes Kinder und Erwachsene getauft.

Die Texte die in den Kirchen zu Ostern verlesen werden, erinnern an die jüdischen Wurzeln des Christentums, wie den Auszug Mose aus Ägypten, und erzählen die Schilderung der Frauen und Jünger vom leeren Grab. Der weg gewälzte Stein, ein paar Leinenbinden, aber kein Leichnam. Denn der Gekreuzigte ist, wie es im Glaubensbekenntnis heißt, „von den Toten auferstanden“. Provikar Carl Lampert und Dietrich Bonhoeffer glaubten so fest daran, dass sie ihren Henkern hoch erhobenen Hauptes gegenübertraten.

Evangelium nach Lukas – Lk 24,1-12

Am ersten Tag der Woche gingen die Frauen mit den wohlriechenden Salben, die sie zubereitet hatten, in aller Frühe zum Grab.

Da sahen sie, dass der Stein vom Grab weg gewälzt war; sie gingen hinein, aber den Leichnam Jesu, des Herrn, fanden sie nicht.

Während sie ratlos dastanden, traten zwei Männer in leuchtenden Gewändern zu ihnen.

Die Frauen erschraken und blickten zu Boden. Die Männer aber sagten zu ihnen: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?

Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden. Erinnert euch an das, was er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war:

Der Menschensohn muss den Sündern ausgeliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen.“

Da erinnerten sie sich an seine Worte.

Und sie kehrten vom Grab in die Stadt zurück und berichteten alles den Elf und den anderen Jüngern.

Es waren Maria Magdalena, Johanna und Maria, die Mutter des Jakobus; auch die übrigen Frauen, die bei ihnen waren, erzählten es den Aposteln.

Doch die Apostel hielten das alles für Geschwätz und glaubten ihnen nicht.

Petrus aber stand auf und lief zum Grab. Er beugte sich vor, sah aber nur die Leinenbinden dort liegen. Dann ging er nach Hause, voll Verwunderung über das, was geschehen war.

Evangelium nach Johannes – Joh 20,1-9

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.

Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat.

Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab.

Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein.

Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.

Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte.

Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste.