Die Großhammerzunft Feldkirch beeinflusst seit 540 Jahren die Montfortstadt

Vorarlberg / 04.05.2019 • 16:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Zunftstube mit einem Teil des Vorstandes der Großhammerzunft Feldkirch. UYSAL

Vorarlbergs ältester Verein zählt 156 aktive Mitglieder und vertritt die Interessen von Feldkircher Handwerkern aus allen Sparten.

Feldkirch Der Begriff „Zunft“ als Zusammenschluss von Handwerkern ist im deutschen und schweizerischen Bodenseeraum bereits für das 12. Jahrhundert nachweisbar. Erst mit Verspätung breitete sich das Zunftwesen ab dem 15. Jahrhundert in Österreich aus. In Quellen des späten Mittelalters scheint vielfach die Bezeichnung „Bruderschaft“ auf, was die religiöse Prägung dieser Bündnisse verdeutlicht. Beeindruckend ist, dass auch in Feldkirch eine solche Großhammerzunft vor rund 540 Jahren gegründet worden ist – und bis heute diese Traditionen gelebt werden. Die Großhammerzunft versteht sich heute als eine Vereinigung und Interessenvertretung von Feldkircher Handwerkern
aller Sparten. Aktuell zählt der Verein 156 aktive Mitglieder.

Während die größeren, städtischen Zünfte über eigene Zunfthäuser oder -stuben verfügten, diente in ländlichen Gegenden üblicherweise ein Gasthaus als Zunftherberge. In ihrer Blütezeit übten die Zünfte starken Einfluss auf das wirtschaftliche Leben aus. „Früher war nur die Großhammerzunft bemächtigt, Meister- und Lehrbriefe auszustellen“, erzählt Ehrenzunftmeister Werner Etlinger. Sie kontrollierten die Qualität und Menge der Waren, die Einhaltung von Preisen und Arbeitszeiten.

Die Großhammerzunft hatte auch eine sittlich-kulturelle und religiöse Funktion. Jede der Zünfte entwickelte ein Handwerkszeremoniell und -brauchtum. Dazu gehörten die recht formelle Lehrlingsaufnahme und -freisprechung, das komplette Zeremoniell am Zunfttag wie auch die Kleiderordnungen. Die verschiedenen Zunftberufsbilder reichten von Bäckerzunft über Schuhmacher-, Seiler- sowie Küfer- und Bierbrauerzunft bis hin zur Kürschner-, Wachszieher- oder Sattlerzunft.

Ein Denkmal für Feldkirch

Eines der Großprojekte der Zunft war der 1998 errichtete Kugelbrunnen vor dem Wasserturm. Der Platz vor dem Turm war reichlich verwildert, die Büsche und Bäume verwuchert. „Wir bemühten uns, den 1997 umgewidmeten ‚Zunftplatz‘ schöner zu gestalten“, erinnert sich Etlinger zurück. Rasch stand dann der erste Entwurf fest. Die drei Säulen stehen für die drei Grundpfeiler der Wirtschaft: Handel, Gewerbe und Industrie. Jede der Säulen hat auf der Vorder- und Rückseite Inschriften. Im oberen Drittel der Säulen ist an der Innenseite ein Becken aus Granitstein mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern befestigt, in dem eine 980 Kilogramm schwere, aus Südamerika stammende Marmorkugel durch Wasserkraft angetrieben wird. Die Kugel soll symbolhaft für die sich bewegende Wirtschaft stehen. Technisch besonders schwierig war das Durchbohren des 2,8 Meter dicken Mauerwerks des Turmes. Die Kosten von knapp 400.000 Schilling (rund 30.000 Euro) konnten durch Spenden (250.000 Schilling/ca. 18.000 Euro) und Förderungen von Stadt und Land eingebracht werden.

Am 22. Juni wird beim Wasserturm wieder Brunnenfest gefeiert.
Am 22. Juni wird beim Wasserturm wieder Brunnenfest gefeiert.

Lokomotive restaurieren

Heute wird der Verein deutlich lockerer geführt. Geprägt von den zahlreichen Exkursionen wird am Zunfttag – Anfang des Jahres – über Ideen, Pläne und Ausflüge gesprochen. Heuer ist die Großhammerzunft mit einem Restaurierungsprojekt im Rahmen der dreiwöchigen Kinderstadt „KleinFeldkirch“ vertreten. Die Mitglieder werden gemeinsam mit den „Bürgern“ der Kinderstadt die Lokomotive beim Kapuzinerkloster-Spielplatz auf Vordermann bringen. Ein weiteres Highlight ist das Brunnenfest beim Wasserturm, das sich am 22. Juni zum 20. Mal jährt. ETU

Was gefällt Ihnen am Verein?

„Mein Lehrmeister war zu seiner Zeit schon bei der Großhammerzunft Feldkirch. Das hat mir imponiert. Vor rund 21 Jahren bin ich dann dazugestoßen und seit Anfang des Jahres als Zunftmeister aktiv. Die geselligen Zusammenkünfte sind bei uns einmalig.“

Stefan Glatz, 53 Jahre, Zunftmeister

„Mein Vater und Bruder waren schon Mitglieder im Verein und vor rund fünf Jahren bin ich dann auch aktiv geworden. In unserem Verein ist die Besonderheit, dass wir in handwerkliche Betriebe Einblicke bekommen, die man als Privatperson sonst nie erhascht.“

Othmar Gohm, 49 Jahre, Stv. Schriftführer

„Ich bin seit drei Jahren bei der Zunft. Als gelernter Speditionskaufmann unterstütze ich den Verein bei finanziellen Belangen. Es ist ein sehr geschichtsträchtiger Verein. Diese Tradition müssen wir aufrechterhalten – dies ist mir ein großes Anliegen.“

Karl Gamper, 43 Jahre, Schatzmeister

„In keinem anderen Verein habe ich so eine Kameradschaft erlebt. Dadurch, dass so viele erfahrene Mitglieder in den eigenen Reihen sind, lernt man nie aus. Der respektvolle Austausch zwischen Jung und Alt wird großgeschrieben.“

Florian Stadlbauer, 44 Jahre, Kerzen- und Brunnenmeister