Hausärzte fordern Wertschätzung

Vorarlberg / 08.05.2019 • 21:53 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die niedergelassenen Allgemeinmediziner im Land vermissen vor allem die Anerkennung durch die Sozialversicherungen.apa
Die niedergelassenen Allgemeinmediziner im Land vermissen vor allem die Anerkennung durch die Sozialversicherungen.apa

Das gilt auch für die Betreuung von Schwerkranken und Sterbenden.

Schwarzach „Wir erhalten weniger als ein Waschmaschinenmonteur“, machte ein Hausarzt seinem Frust unverblümt Luft. Andere Kollegen äußerten sich diplomatischer, alle eint jedoch das Unverständnis, dass die aufwändige palliative Zuwendung monetär keinen Niederschlag und wenig Wertschätzung findet. Dennoch sieht ein Großteil der Hausärzte diese Form als großen Dienst an ihren Patienten. „Das zeigt sich auch daran, dass mehr als 87 Prozent den Angehörigen ihre private Telefonnummer hinterlassen, um jederzeit erreichbar zu sein“, zitiert Rosemarie Plötzeneder aus einer aktuellen Studie, die sie mit Johannes Eibensteiner, Hausarzt in Göfis, durchgeführt hat und die unlängst in der deutschen Ausgabe der „Medical Tribune“ erschienen ist.

Die Praxis sondiert

Von den 228 angeschriebenen Allgemeinmedizinern nahmen 40 daran teil, was einer Rücklaufquote von etwa 17 Prozent entspricht. Die praktische Ärztin aus Schwarzach ist zufrieden damit. Das Ergebnis der Studie untermauert ihrer Ansicht nach die im Masterplan Allgemeinmedizin aufgestellten Forderungen nach mehr Anerkennung und Aufwertung der Arbeit von Allgemeinmedizinern innerhalb des Systems. Kritisch gingen die Hausärzte außerdem mit den Akutspitälern ins Gericht. Demnach sind vor allem Kommunikation und Entlassungsmanagement verbesserungswürdig. Die Zusammenarbeit mit den palliativen Einrichtungen bzw. der Hauskrankenpflege wird hingegen als gut bewertet.

Entstanden ist die Studie als Abschlussarbeit im Rahmen eines Palliativlehrgangs in Batschuns. „Wir wollten wissen, wie es mit der Palliativmedizin in der niedergelassenen Praxis tatsächlich funktioniert“, erklärt Rosemarie Plötzeneder. Die Teilnehmer der Studie blieben anonym. Wohl auch deshalb fielen die Antworten sehr offen aus. So meinte etwa ein Arzt: „Ich bin Wahlarzt, in diesem Fall eine Rechnung zu stellen ist mir sehr unangenehm.“ Ein anderer monierte: „Die Gesprächszeit mit Patienten und Angehörigen wird nicht gemäß ihrer Wichtigkeit und ihrem Umfang honoriert.“ Wieder ein anderer forderte mit dem Hinweis, dass Taxidienste und Handwerker andere Stundenlöhne hätten: „Die Wertschätzung der hausärztlichen Betreuung muss angepasst werden.“ Dem gegenüber steht die Bereitschaft, im Bedarfsfall jederzeit da zu sein. „Dass die meisten Ärzte ihre privaten Telefonnummern hinterlassen, hat mich dann doch überrascht“, räumt Plötzeneder ein.

Laut internationalen Studien können 85 bis 90 Prozent der unheilbar erkrankten oder sterbenden Patienten adäquat im niedergelassenen Bereich betreut und bis zuletzt begleitet werden. „Das geschieht auch“, betont die Studienautorin. Dabei handelt es sich vorwiegend um Menschen mit chronischen Erkrankungen. „Mindestens einmal pro Tag absolviert der Arzt einen Hausbesuch, zuweilen muss er öfter kommen“, bestätigt Rosemarie Plötzeneder. „Mehrmalige Hausbesuche an einem Tag sind in der Regel allerdings nicht anrechenbar, und Angehörigengespräche lassen sich nicht auf eine Viertelstunde reduzieren“, berichtet die Ärztin von sehr zeitintensiven Begegnungen. Deshalb wünschen sich die Hausärzte für die Palliativbetreuung eigene Abrechnungspositionen ohne Limitierung.

Mangelnde Kommunikation

Ein Stachel in der Medizinerseele ist auch der Umstand, dass bei Entlassung sterbender Patienten aus dem Krankenhaus der Hausarzt offenbar häufig übergangen wird. Praktische Ärzte würden von Krankenhausseite nicht immer als Behandlungsführer wahrgenommen, Kommunikation und Entlassungsmanagement seien mangelhaft. „Patienten und Angehörige werden oft gleich an eine Palliativeinrichtung verwiesen, selbst, wenn das medizinisch nicht indiziert ist“, ergänzt Rosemarie Plötzeneder. Auch das spiegelt ihrer Ansicht nach das schlechter werdende Image des Allgemeinmediziners wieder. Daher sei eine kontinuierliche praktische Auseinandersetzung bereits im Studium mit der Allgemeinmedizin dringend nötig. „Nur so ist es möglich, den Stellenwert des Hausarztes zu steigern und ihn als das zu sehen, was er ist, nämlich die erste Anlaufstelle im Gesundheitssystem“, setzt die Studienautorin große Hoffnungen in den Masterplan Allgemeinmedizin.

„Dass die meisten Ärzte ihre private Telefonnummer hinterlassen, hat mich überrascht.“