Immer mehr Maturanten lassen ihre Zukunft offen

16.05.2019 • 16:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die schriftliche Matura ging am vergangenen Dienstag zu Ende. Die mündliche folgt ab dem 3. Juni. Danach beginnt ein neues Leben. VN/STIPLOVSEK

Große Umfrage von Industrie- und Wirtschaftsvertretung bringt ermutigende Ergebnisse.

Lustenau Bereits zum neunten Mal seit 1997 führten die Industriellenvereinigung (IV) und die Wirtschaftskammer (WKV) eine große Umfrage unter Maturanten durch. Nicht weniger als 1377 Jugendliche nahmen an der Studie teil, was einer Rücklaufquote von 71,46 Prozent entspricht. Umgesetzt wurde die Umfrage vom Institut Dr. Auer.

Haupttenor der Befragung: Die Maturanten sind im Wesentlichen mit ihrer Schule und den Pädagogen zufrieden, geben sich für ihre berufliche Zukunft optimistisch, auch wenn ein gutes Fünftel der baldigen Absolventen noch nicht weiß, welche Berufslaufbahn sie einschlagen werden. Für 36 Prozent der Befragten steht hingegen fest: Sie werden nach der Reifeprüfung studieren.

In ihrem künftigen Arbeitsleben wünschen sich die Maturanten vor allem eine gute Balance zwischen Familie, Freizeit und Beruf.

Berufswahl fällt schwer

„Die Ergebnisse der Umfrage sind von bedeutendem Wert für uns“, betonte Landesrätin Barbara Schöbi-Fink (58) anlässlich der Präsentation. Es gehe nun darum, die entsprechenden Maßnahmen zu setzen.

Vom schulischen Blickwinkel her sticht die hohe Bedeutung eines guten Schulklimas sowie einer profunden Allgemeinbildung heraus. Zudem sind die diesjährigen Maturanten zufriedener mit ihren Lehrpersonen als es Maturanten früherer Jahrgänge waren. Dass so viele angehende Absolventinnen und Absolventen in puncto beruflicher Zukunft noch unschlüssig sind und ihnen die Berufs- und Weiterbildungsentscheidung schwer fällt, deuten die Auftraggeber der Studie positiv. „Das hängt sicherlich mit der Fülle an Berufs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie den vielen Informations- und Beratungsangeboten von Schulen und Bildungspartnern zusammen“, deutet Wirtschaftskammerdirektor Christoph Jenny diesen Umstand positiv.

„Wegen der vielen Möglichkeiten sind viele Maturanten bezüglich ihrer Zukunft noch unschlüssig.“

Christoph Jenny, Direktor Wirtschaftskammer Vorarlberg

Allerdings: Das vorhandene Angebot an Informationen und Beratung nutzen die Befragten gar nicht in vollem Umfang, obwohl sie andererseits einen Mangel an Informationsmöglichkeiten beklagen. „Da müssen wir sicher ansetzen“, meint Mathias Burtscher, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Vorarlberg.

Was zur Rückkehr bewegt

Spannend findet Jenny die geschlechtsspezifischen Prioritäten im künftigen Berufsleben. „Gutes Arbeitsklima und eine passende Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf wollen alle gleichermaßen. Für die Maturantinnen sind jedoch Arbeitsplatzsicherheit und berufliche Herausforderung besonders wichtig, für die jungen Männer ein hohes Einkommen.“

Ein besonderes Anliegen der Bildungsverantwortlichen und auch der Wirtschaft ist die Rückkehr von möglichst vielen Vorarlberger Studienabsolventen in ihre Heimat. Laut Umfrage müssen dafür entsprechende Voraussetzungen gegeben sein. Am ehesten bewegen die Studenten attraktive Arbeitsplätze und leistbare Wohnmöglichkeiten zu einer Rückkehr. „Die Entwicklung der Marke Vorarlberg kann dazu einen ganz wichtigen Beitrag leisten“, ist Burtscher überzeugt. Interessant ist auch, dass sich junge, gut ausgebildete Menschen ein urbaneres Vorarlberg wünschen. 46 Prozent der Befragten möchten, dass sich Vorarlberg städtisch entwickeln soll.