Martina Hartmann verwirklichte sich ihren größten Traum und wurde Bäuerin

Vorarlberg / 06.06.2019 • 12:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
In Bartholomäberg haben sich Martina und Harald Hartmann ihren Traum verwirklicht und ein Haus und einen Stall gebaut. Das Paar hält Schafe und Hühner. ROLAND PAULITSCH

Von klein auf war es der Wunsch von Martina Hartmann, Bäuerin zu werden. Jetzt, im Alter von 45 Jahren, wurde ihr Traum wahr.

Bartholomäberg Martina Hartmann (45) könnte sich ein Leben ohne Tiere nicht vorstellen. „Schon als Kind gab es nichts Schöneres für mich als Viecher.“ Das Mädchen konnte seine Leidenschaft für Tiere ausleben. „Meine Freundin kam von einem Bauernhof. Dort gab es Kühe, Pferde, Schweine und Hennen. Ich war oft bei meiner Freundin und habe mitgeholfen, die Tiere zu pflegen.“ Bereits als Volksschülerin wusste Martina, was sie einmal werden wollte: Bäuerin.

Doch zunächst gründete sie eine Familie. Martina schenkte drei Kindern das Leben. Ein Hund komplettierte die Familie. Der Vierbeiner lenkte die Dornbirnerin beruflich in eine neue Richtung. „Ich ließ mich zur Hundetrainerin ausbilden.“ Danach machte sie sich in Dornbirn mit einer Hundepension selbstständig. „Die lief super.“ Insgesamt sechs Jahre lang betrieb sie die Pension. Inzwischen waren die Hartmanns sprichwörtlich auf den Hund gekommen. Sie hielten nicht mehr nur einen Vierbeiner, sondern fünf. Martina: „Jeder einzelne war und ist ein guter Freund für mich.“

Martina, die sich auf ihre Arme Hundepfoten und die Namen ihrer Vierbeiner tätowieren ließ,  entwickelte sich beruflich weiter und machte eine Schulung zur Tierarzthelferin. „Dann habe ich ein Jahr bei einem Tierarzt gearbeitet.“ Ihr ursprüngliches Berufsziel geisterte aber immer noch in ihrem Kopf herum. Es war ihr innigster Wunsch, Bäuerin zu werden. Das war auch der Grund, warum sich die Familie seit Jahren nach einem Bauernhof umsah. „Wir wollten einen kaufen, aber wenn man kein Landwirt ist, ist das nicht so einfach.“ Die Hartmanns hatten die Hoffnung schon fast aufgegeben. Aber im Jahr 2017 trat der erhoffte Glücksfall ein. „Die Cousine eines Bekannten wollte ihr Gehöft in Bartholomäberg verpachten. Da kamen wir zum Zug.“ Das Ehepaar war von dem Platz, auf dem das alte Bauernhaus und der Stall standen, in dem acht Schafe gehalten wurden, sofort angetan. „Es hat meinem Mann und mir gleich total gut gefallen.“

„Das Allerwichtigste ist mir, dass die Tiere bei mir ein schönes Leben haben.“

Martina Hartmann, Bäuerin

Schnell war für die Dornbirnerin klar: „Ich ziehe in das alte Haus im Montafon und bewirtschafte das 1,7 Hektar große Grundstück auf 1200 Meter Seehöhe.“ Als erstes nahm die Neo-Montafonerin neun Lämmchen auf, die noch die Flasche brauchten. Die sind ihr mittlerweile so ans Herz gewachsen, dass sie sie nicht hergeben und auch nicht schlachten könnte. Der Kontakt zu den Tieren und ihre Pflege haben Martina von Anfang an viel Freude bereitet: „Mir ist das Allerwichtigste, dass sie bei mir ein schönes Leben haben.“ Als Landwirtin ging für sie ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Kein Wunder, dass sie sich in ihrem neuen Lebensumfeld sofort daheim fühlte. Anfang 2018 ergab sich für die Hartmanns die Gelegenheit, das landwirtschaftliche Anwesen zu kaufen. „Daraufhin haben wir alles abgerissen und angefangen, ein Haus und einen Stall zu bauen.“

Martina sind ihre Schafe ans Herz gewachsen.
Martina sind ihre Schafe ans Herz gewachsen.

Vor wenigen Wochen zog das Ehepaar in sein neues Heim in Bartholomäberg ein. Im Stall herrscht bereits reges Leben. Dort tummeln sich inmitten von viel Stroh 19 Schafe, 44 Legehennen, 51 Mastküken und zwei Hasen. „Im Herbst schaffen wir uns noch sechs Milchschafe an, damit ich Käse, Joghurt und Butter herstellen kann. Und ein paar Schweine zur Mast hätte ich auch noch gerne.“ Die Neo-Bäuerin, die derzeit die Landwirtschaftsschule in Hohenems besucht, hat noch viel vor. „Ich möchte  so viel wie möglich für den Eigenbedarf produzieren, damit ich so wenig wie möglich kaufen muss. Vielleicht schaffe ich es auch, dass ich mit der Landwirtschaft einen kleinen Nebenerwerb erwirtschafte.“

Die Hartmann halten derzeit 19 Schafe.
Die Hartmann halten derzeit 19 Schafe.

Für Martina fühlt sich nun alles toll und stimmig an. „Ich bin am Ziel meiner Träume angelangt.“ Das verdankt sie unter anderem auch ihrem Mann Harald, der immer alles mitgetragen hat und den es ebenfalls glücklich macht, wenn er am Morgen und am Abend in den Stall gehen und sich um die Tiere kümmern kann. „So einen großen Traum kann man nur zu zweit verwirklichen“, sagt Martina und verschwindet freudestrahlend im Stall.