Im Einsatz für die Artenvielfalt im Rheindelta

Vorarlberg / 20.06.2019 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gmeiner-Baggerlöcher am Alten Rhein in Gaißau wurden renaturiert. AJK

Kleingewässer in Höchst, Gaißau und Fußach werden neu belebt.

Rheindelta Die Artenvielfalt im Naturschutzgebiet Rheindelta benötigt Unterstützung. Regulierungen und andere Veränderungen haben etliche Tierarten deutlich dezimiert. Der Naturschutzverein Rheindelta hat mit Unterstützung der EU, der Fischerei und der Wasserwirtschaft vier Jahre lang Kleingewässer neu belebt. „Im Rheinholz in Gaißau gab es früher manche Flachtümpel, die von den regelmäßigen Rheinhochwässern ausgespült und so intakt gehalten wurden. Jetzt haben wir die Arbeit eines Hochwassers übernehmen müssen, weil die Tümpel mit Faulschlamm verlandet waren.“ Walter Niederer, als Biologe Geschäftsführer des Naturschutzgebietes Rheindelta, zeigt eine der Maßnahmen auf, die im Zusammenhang mit dem EU-geförderten Interreg-Projekt umgesetzt werden konnten. Da gibt es auch die „Gmeinerlöcher“ am Alten Rhein in Gaißau. Die einstigen Kiesgruben waren Lebensraum für Fische, Frösche und Molche, für Libellen und für den Schmalbindigen Breitflügel-Tauchkäfer. Früher weit verbreitet, gibt es inzwischen nur mehr einzelne dieser Käfer-Populationen in Ufernähe. „Wir haben die alten Dämme und Wege genutzt und die Baggerlöcher wieder freigelegt. Es gibt auch Verbindungen zum Alten Rhein.“ So haben auch die Fische wieder ein Laichgebiet zurückerhalten. „Und im Ernstfall kommt die Feuerwehr wieder rascher an ausreichend Löschwasser, weil die neu befestigten Dämme bis zum Flussufer reichen.“

Wichtige Flachwasserzone beim Aussichtssteg an der Fußacher Bucht.
Wichtige Flachwasserzone beim Aussichtssteg an der Fußacher Bucht.

Beim „Moatle-Bad“ in Höchst und an anderen Stellen wurden breite Gräben in die Kieswälle gebaggert, die der Wellengang des Sees vor dem Schilfgürtel aufbaut. „Sinkt der Wasserstand im See, dann bleiben Jungfische hinter diesem Wall gefangen und werden gefressen, bevor sie ausreichend groß sind“, schildert Walter Niederer. „Früher hoben Berufsfischer solche auch den Fischen nützliche Gräben für ihre Boote aus, jetzt macht das kaum mehr jemand.“
Auch in Fußach unterhalb des Hörnlebades konnten Ökosysteme miteinander vernetzt und neue Zugänge zum See geschaffen werden. „Fische, Amphibien, Wasserinsekten, Vögel – alle möglichen Tiere profitieren davon.“
Für den Biologen ist klar, dass diese Arbeiten auch künftig anfallen. „Wollen wir die Artenvielfalt am See erhalten, so muss das auch in Zukunft gewartet werden.“ Denn der Polderdamm, der die Rheindeltagemeinden vor dem Seehochwasser schützt, hat auch viele der früher regelmäßig eintretenden Ereignisse verhindert. „Das Gelände benötigt ausreichend Wasser, um als Lebensraum für so viele sonst selten gewordene Arten erhalten zu bleiben.“

Interessierte Jugend

Der Naturschutzverein Rheindelta ist auch laufend Anlaufstelle für Naturinteressierte jeden Alters. Besonders gerne besuchen Jugendgruppen und Schulklassen das Rheindeltahaus. „Wir haben deshalb auch die Tümpel beim Rheindeltahaus saniert, das Wasser hat meist ideale ,Gummistiefelhöhe‘“, schildert der Rheindelta-Geschäftsführer. Das ermöglicht es den Kindern, die Vielfalt in Flachgewässern persönlich zu erforschen.
Die Maßnahmen zur Förderung der Vielfalt der Tierwelt im Rheindelta wurden von deutschen und Schweizer Partnern unterstützt. Deshalb gab es auch die Förderung als europäisches Interreg-Projekt. Die EU übernahm 60 Prozent der Kosten von insgesamt 210.000 Euro, auch das Land Vorarlberg sowie Gemeinden unterstützten den Naturschutzverein Rheindelta. ajk