Sabrina Heinrich: Auf dem zweiten Bildungsweg zum Traumberuf

28.06.2019 • 19:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Sabrina Heinrich arbeitet gerne mit alten Menschen. KUM

Sabrina Heinrich: von der Einzelhandelskauffrau zur Altenpflegerin.

Hard Selina, die zehn Jahre jüngere Schwester von Sabrina Heinrich (35), hatte mit zwei Jahren einen Autounfall. Das Kleinkind erlitt folgenschwere Verletzungen. Fortan war das Mädchen das Sorgenkind der Familie. Weil die Eltern berufstätig waren, kümmerte sich Sabrina oft um ihre kleine Schwester.

In der Hauptschule kam bei Sabrina der Wunsch auf, Krankenschwester zu werden. Aber dieses Ziel schien ihr unerreichbar, weil ihre Schulnoten nicht gut waren. Also machte die gebürtige Bregenzerin eine Lehre. Sie ließ sich zur Einzelhandelskauffrau ausbilden. Weil sie mit 17 von zu Hause ausgezogen war und allein für ihren Lebensunterhalt aufkommen musste, arbeitete die Verkäuferin nebenher noch als Kellnerin. Die junge Frau übte ihren Beruf mit Leidenschaft aus. „Ich war mit Freude bei der Arbeit, aber es hat mich nicht erfüllt.“

Alleinerzieherin von zwei Söhnen

Mit Anfang 20 traf sie ihren Jugendfreund wieder, der ihr einst den ersten Kuss gegeben hatte. Mit ihm gründete sie eine Familie. Zwei Söhne krönten das Glück der beiden. Aber die Beziehung hielt nur wenige Jahre. Sabrina trennte sich vom Vater ihrer Kinder, weil dieser süchtig war. Um sich und ihre Kinder durchzubringen, arbeitete die Handelsangestellte auch an den Wochenenden. „Ich war im Gastgewerbe tätig.“

„Der Mensch als Ganzes wird in der Medizin oft nicht gesehen.“

Sabrina Heinrich, angehende Altenpflegerin

Als ihr älterer Sohn mit sechs Jahren erkrankte, standen viele Arztbesuche und Spitalsaufenthalte an. Die Erfahrungen, die sie diesbezüglich machte, waren für sie wegweisend. „Ich erkannte, dass das Medizinische und nicht die Nöte des Menschen im Vordergrund stehen. Es werden oft nur die körperlichen Beeinträchtigungen gesehen, nicht der Mensch als Ganzes.“ Das veranlasste sie dazu, sich in der Schule für Sozialbetreuungsberufe (SOB) in Bregenz zur Pflegeassistentin ausbilden zu lassen. „Ich möchte es in der Pflege anders machen. Ich weiß, dass ich nicht die Welt verbessern kann. Aber ich kann einen Beitrag zu einer menschlicheren Pflege leisten. Jeder Beitrag ist wichtig.“

Während der Ausbildung, die sie im Jahr 2017 begonnen hat, merkte sie, dass sie die Schule gut meistert. Da beschloss sie, die dreijährige Ausbildung zur Diplom-Sozialbetreuerin in Altenarbeit zu machen. „Die Praxis im Altersheim hat mir gezeigt, dass mich dieser Beruf erfüllt.“ Für Sabrina ist es eine Ehre, dass sie Menschen in ihrer letzten Lebensphase begleiten und ihnen nahe sein darf. „Das Schönste ist, dass so viel Dankbarkeit zurückkommt. Die alten Menschen schätzen die Zuwendung und die Zeit, die man für sie aufbringt.“ Sabrina hört gerne zu, wenn die Betagten aus ihrem Leben erzählen. „Ich liebe ihre Geschichten.“

Im Ausland bedürftigen Menschen helfen

Im Zuge der Ausbildung verlor die angehende Altenpflegerin die Angst vor dem Sterben. „Ich durfte eine alte Frau bis zu ihrem letzten Atemzug betreuen. Das war für mich ein positives Erlebnis.“ Sabrina, die schon mehrere Menschen bis zum Tod begleitet hat, spürte, dass sie gerne Sterbebegleiterin ist. Deshalb möchte die SOB-Schülerin auch noch eine Palliativ-Ausbildung absolvieren und später einem Palliativ-Team angehören, am liebsten dem im Pflegeheim Gaißau. Dort sieht sie mittelfristig ihre Zukunft. Denn: „Es ist ein Heim, in dem menschlich gepflegt wird.“ Langfristig sieht sie sich aber woanders. „Wenn meine Kinder groß sind, möchte ich ins Ausland gehen und meine berufliche Qualifikation dafür verwenden, bedürftigen Menschen zu helfen.“

Noch aber brauchen Matthew (12) und Nathan (11) die Mutter. Die Kinder bedeuten der Alleinerzieherin alles. Sie auf einen guten Weg zu bringen, ist ihr größtes Ziel. Dafür arbeitet sie hart. 20 Stunden in der Woche verbringt Sabrina in der Schule, 20 Stunden im Pflegeheim. Gelernt wird in der Nacht. An den Wochenenden bedient sie in einer Bar Nachtschwärmer und in den Schulferien betreut sie Kinder in einem Ferienheim.

Sabrina Heinrich

geboren 21. Jänner 1984 in Bregenz

Wohnort Hard

Familie zwei Söhne

Hobbys Malen, Lesen, Natur