IfS muss in die eigene Tasche greifen

03.07.2019 • 17:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Auftrag des Landes zur Kostenübernahme für zwei Projekte. Wieder mehr Hilfesuchende.

Röthis Rücklagen in Höhe von mehr als sechs Millionen Euro brachten das Institut für Sozialdienste (IfS) im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen. Eine Prüfung des Landesrechnungshofs hatte unter anderem ergeben, dass die dem Land in Rechnung gestellten Tarife von diesem nur unzureichend kontrolliert worden waren. Gleichzeitig wurde dem IfS ein ordnungsgemäßes Handeln attestiert. Dennoch stellte sich die Frage, ob das IfS seine Hilfsangebote zumindest teilweise aus der eigenen Tasche finanzieren soll.

Aufträge vom Land

Nun haben sich Land und Sozialeinrichtung darauf verständigt, dass das IfS die Kosten für zwei Projekte mit einer Laufzeit von jeweils zwei Jahren übernimmt. „Konkret geht es um den Ausbau der Extremismus-Prävention sowie eine dritte Außenwohnung für Frauen, die Gewalt ausgesetzt sind“, bestätigte Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker die vom Land an das IfS ergangenen Aufträge. Für die Extremismus-Prävention werden 114.000 Euro fällig, für die Außenwohnung belaufen sich die Aufwendungen auf 100.000 Euro. „Auch den Bilanzverlust von knapp 300.000 Euro muss das IfS selbst tragen“, sagt Wiesflecker.

Außerdem laufen derzeit die vom Landesrechnungshof empfohlenen Tarifüberprüfungen. „Da sind wir mittendrin“, berichtet die Soziallandesrätin. Was die notwendige Schärfung und Präzisierung des Paragrafen 11 betrifft, der die Rücklagenbildung regelt, geht es laut Wiesflecker ebenfalls weiter. Eine Obergrenze einzuziehen ist in diesem Zusammenhang allerdings nicht geplant. Stattdessen sollen jährliche Konsultationen mit dem Land vorgeschrieben werden. „Wir sind auf gutem Weg“, gibt sich Katharina Wiesflecker überzeugt. IfS-Geschäftsführerin Martina Gasser betont, dass das IfS immer schon Projekte ohne Förderansuchen finanziert habe. Sie verweist auf Investitionen bei den Krisenwohnungen, für die Geld aus den Rücklagen entnommen wurde. Umbauten und Renovierungsarbeiten kosteten gut 350.000 Euro.

Individuelle Lösungen erarbeiten

Von dieser Diskussion unabhängig ist die Zahl jener, die beim Institut für Sozialdienste  Hilfe suchten, wieder gestiegen. Wie aus dem aktuellen Jahresbericht hervorgeht, haben 2018 insgesamt 37.682 Menschen die Beratungsleistungen in Anspruch genommen oder waren mit dem IfS in Kontakt. Das bedeutet im Vergleich zu 2017 eine Zunahme um fast 1500 Personen. „Es gab mehr Klienten in der Erwachsenenvertretung (1910) und einen leichten Anstieg bei der Familienberatung (4245) sowie aufgrund der neuen Privatkonkurs-Regelung auch bei der Schuldenberatung (3191)“, erklärt Martina Gasser. Den IfS-Beraterinnen und Beratern sei es wichtig, mit jedem Klienten individuelle Lösungen zu erarbeiten. „So unterschiedlich wie die Menschen sind, die sich an uns wenden, so unterschiedlich müssen Unterstützungsleistungen sein.“

An den Sozialberatungsstellen erhalten Hilfesuchende ohne vorherige Terminvereinbarung sofort Beratung und Unterstützung. So können Problemsituationen frühzeitig entschärft werden, um dann weitere notwendige Schritte zu setzen. „Viele Menschen sind dem Druck der Leistungsgesellschaft nicht gewachsen. Überforderung, psychische Krankheiten und komplexe Probleme nehmen zu“, stellt Martina Gasser fest. Deshalb seien Hilfsangebote sozialer Institutionen gerade in diesen Zeiten von besonderer Bedeutung und notwendiger denn je. „Uns ist es wichtig, auch für ein soziales Miteinander einzutreten. Denn nur eine Gesellschaft, in der jeder seinen Platz findet, ist zukunftsfähig und lebenswert“, ergänzt Gasser, die im vergangenen Jahr den langjährigen Geschäftsführer, Stefan Allgäuer, in dessen Funktion abgelöst hat.

Die Betriebsleistung lag 2018 bei 34,27 Millionen Euro (2017: 32,80 Millionen Euro). Geldgeber sind der Sozialfonds des Landes, Bundesministerien sowie Sozialversicherungsträger.

„Das IfS hat immer schon Projekte auch aus den eigenen Rücklagen finanziert.“